Mit Kanu & Eisvogel auf der Pegnitz
26. Mai in Deutschland ⋅ ☀️ 30 °C
Um der Pegnitz, die wir gestern schon so lange begleitet haben, noch ein wenig näher zu kommen, leihen wir uns in Artelshofen einen Kanadier. Michael von Kanuverleih weist uns auf die verschiedene Gefahrenstellen auf der Pegnitz hin und fragt, ob wir denn schwimmen können und Paddel-Erfahrung mitbringen. Wir bejahen selbstbewusst, immerhin fahren wir in Leipzig mindestens einmal im Jahr Kanu. Auf der zunächst ziemlich ruhigen Pegnitz, die wir überraschend für uns allein haben, geht es also los. Die zum Teil sehr tief über dem Wasser hängenden Bäume zu umfahren stellt, zumal einige davon als Geisterbäume voll ekliger Raupen sitzen, eine gelegentliche Herausforderung dar, die wir allerdings souverän meistern. Wir begegnen grünköpfigen Stockenten und Reiherenten mit ihrem süßen Federschopf, während unter uns gelegentlich dicke Forellen und süße Bisamratten herumschwimmen und sich eine hübsche Libelle als Galionsfigur verdient macht. Der Eisvogel, nach dem wir eigentlich Ausschau halten, zeigt sich aber nicht. In Vorra müssen wir an einem Wehr zum ersten Mal unser Boot umtragen und René nutzt diese Pause für eine Abkühlung im Fluss. Inzwischen haben wir auch erste Stromschnellen passiert und fragen uns, ob wir tatsächlich Paddel-Erfahrung mitbringen, denn in Leipzig gibt es kein schnelles Wasser. Wenig später fahren wir frontal gegen einen im Wasser verborgenen Stein, sodass unser Kanu von der Strömung gedreht wird und zu kippen droht. Ein vollständiges Kentern können wir mit viel Geschick aber verhindern und nehmen nur ein wenig Pegnitz ins Boot auf.
Auch wenn sich das Gewässer nun wieder etwas beruhigt, wartet die Pegnitz mit anderen Hindernissen auf. Auf einem sonnigen Abschnitt werden wir von einem aggressiven Schwarm Bremsen angefallen, die uns in einen verzweifelten Abwehrkampf verwickeln. Die Bremsen spielen dabei mit unlauteren Tricks und sorgen dafür, dass René sich zunächst in den Schritt und dann die Sonnenbrille aus dem Gesicht schlägt.
Ein wenig lädiert und mit nasser Sonnenbrille entkommen wir aber schließlich und können unsere Fahrt alsbald wieder genießen. Am nächsten Wehr werden wir von einer Gruppe Einheimischer erwartet, die uns anspornen am an einem Baum befestigen Seil ins kalte Wasser zu schwingen. Wir lassen uns nicht lange bitten und sind zum Umtragen des Bootes frisch abgekühlt.
Der nun folgende letzte Abschnitt unserer Reise wurde uns bereits als natürlicher und wilder angekündigt. Als plötzlich der erhoffte leuchtend blaue Schimmer durch die Luft flattert, halten wir die Paddel still. Glücklicherweise ist das Wasser hier ruhig genug, dass wenige behutsame Bewegungen reichen, um das Kanu auf Kurs zu halten. Angespannt schweigend lassen wir uns treiben, aber egal wie lautlos wir sind, der scheue Eisvogel lässt uns nie näher als einige Dutzend Meter heran. Trotzdem können wir beobachten, wie er sich aus dem Geäst eines Baums ins Wasser stürzt und mit einem Fisch davonflattert. Mit unserer Beobachtung sind wir so zufrieden, dass es uns kaum noch stört, bei den folgenden Stromschnellen und Flusskehren ins Geäst eines raupenverhangenen Geisterbaums zu geraten. Eine Kollision mit einem weiteren Baum später kommen wir in Hohenstadt an und beenden unsere Tour.
Eine Stunde später sind wir mit Mia, die wohnt wo andere Urlaub machen, in Fürth verabredet und lassen es uns mit ihr im Stadtparkcafé gut gehen. Wir erzählen von unseren bisherigen Abenteuern und tauschen Alltagsgeschichten aus. Darüber hinaus verpassen wir es leider völlig anständiges Fürth-Sightseeing zu betreiben und müssen uns mit ihrem Wohnhaus und dem skurrilen Pappmaché-Laden um die Ecke begnügen.Weiterlesen









