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Nämberch

A 14-day adventure by René & Marlene Read more
  • Trip start
    May 23, 2026

    Weinmeile

    May 23 in Germany ⋅ ☀️ 26 °C

    Laut Fahrplan beträgt die Reisezeit vom Leipziger Hauptbahnhof ins Herz des Frankenlands knappe zwei Stunden. Ein Zwischenstopp ist dennoch zwingend notwendig, denn an der Saale trifft man sich an diesem Wochenende zur 25ten Weinmeile, einem großen Wanderevent. Wir als leidenschaftliche Wanderer lassen uns das natürlich nicht entgehen und finden dank unserer ÖPNV-fahr-Expertise auch noch Sitzplätze im völlig überfüllten Nahverkehr.
    Von Bad Kösen geht es bei strahlendem Sonnenschein entlang der Weinstraße eine Weinmeile (= 6,7 km) bis nach Roßbach bei Naumburg. Damit es bei den hochsommerlichen Bedingungen nicht zu Kreislaufprobleme kommt, versorgen die zuvorkommenden Winzer die Wanderschar mit reichlich Kaltgetränken.
    Bereits bei unserem zweiten Wein treffen wir auf Laura, Berthe und Antonia, um mit ihnen auch noch den Dritten, Vierten und Fünften zu trinken. Bald müssen wir aber feststellen, dass eine Weinmeile scheinbar doch weiter ist als gedacht. Bei unserem aktuellen Tempo werden wir unseren Anschlusszug nach Nämberch verpassen. Wir verabschieden uns also und schlängeln uns durch die weinseligen Massen. Als wir schließlich in Roßbach ankommen, ist noch Zeit um bei einem letzten Wein und Aussicht aufs Saaletal unseren Couscous-Salat und ein Eis zu schnabulieren.
    Um unseren Anschlusszug zu erreichen, fahren wir zurück nach Leipzig, sammeln unser Gepäck aus den Schließfächern und verbringen unsere überraschend lange Umstiegszeit (Aufdeutschebahnschimpf) in der DB-Lounge. Marlene ist hellauf begeistert, dass der Kaffeeautomat hier auch Gemüsebrühe spendet, sodass wir unseren Elektrolythaushalt wieder auf Vordermann bringen können. Sehr wichtig nach langen Wanderungen.
    Der Check-In in unsere Unterkunft im Nämbercher Stadtzentrum gelingt unkompliziert und wir sind begeistert von unserem liebevoll eingerichteten Appartement und dem bereits ausgestatteten Kühlschrank. Da es inzwischen aber ziemlich spät ist, geht es ohne Absacker ins Bett.
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  • Spaß mit Vögeln

    May 24 in Germany ⋅ ⛅ 29 °C

    Während wir am Frühstückstisch sitzen und die Mauersegler bei ihren akrobatischen Kunststücken über der Pegnitz beobachten, beschließen wir unseren gesamten Tag d̶e̶m̶ den Vögeln zu widmen. Wir packen also alsbald unsere Sachen, durchsuchen das Appartement nach einem geeigneten Feldstecher und düsen los zum Altmühlsee.
    Dieser wurde vor vielen Jahren von ambitionierten Wasserbauern angelegt. Angeblich um den Wasserstand im Main-Donau-Kanal zu regulieren, oder so ähnlich. Viel wichtiger ist aber, dass man dabei ein Inselsystem angelegt hat, in dem sich heute zahlreiche Vögel tummeln. Wie wir auf einer Hinweistafel lernen, zeichnet sich das Feuchtgebiet durch geringe Wassertiefen, niedrige Fließgeschwindigkeit und hohen Nährstoffgehalt aus. Eine Umschreibung für viel Vogelkacki. Über eine hölzerne Brücke gelangen wir auf die Vogelinsel, wo bereits alles schnattert, fiept und zwitschert. Wie üblich verstecken sich die meisten der Musikanten im dichten Grün der Bäume, aber hier und da erhaschen wir Blicke auf Buntspecht, Eichelhäher und Frosch. Das dichte Grün wird allerdings nicht nur durch Vogelrufe unterbrochen, sondern auch von Geisterbäumen. Diese wurden von Knospe bis Stamm von Raupen eingesponnen und sehen nun ganz und gar gruselig aus.
    Wenig später können wir vom Vogelturm aus unzählige Graugänse, Kiebitze und ein Paar Löffler beobachten. Außerdem noch viele andere Vögel, die wir aber nicht aufzählen k̶ö̶n̶n̶e̶n̶ möchten. Auf dem Rückweg lassen wir uns noch von einer Mönchsgrasmücke in ihren Bann schlagen und werden dafür mit zerstochenen Beinen belohnt.
    Wir möchten es nun den Gänsen gleichtun und hüpfen auf der anderen Seite des Sees (weniger Vogelkacki) ebenfalls ins kühle Nass. Dazu gibt es dann noch eine Eisschokolade und zu Marlenes Vergnügen starten wir noch eine Runde Canasta.
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  • Radeln nach Dechsendorf

    May 25 in Germany ⋅ ☀️ 28 °C

    Der Blick vom Balkon verspricht auch für heute wieder hervorragendes Badewetter. Nach dem ausgedehnten Frühstück schwingen wir uns also auf die zum Appartement gehörenden Räder und strampeln flussabwärts die Pegnitz entlang. Auf den stadtnahen Pegnitzauen passieren wir einen beeindruckenden Bestand an Japanischem Staudenknöterich sowie zahlreiche vom Sound der Boom-Boxen begleitete Grüppchen beim Grillen. Von den verlockenden Gerüchen unberührt fahren wir weiter und das Pegnitztal wandelt sich bald zu einem lauschigen Auwald.
    Bei Fürth stößt die Rednitz zur Pegnitz und beide vereinigen sich wenig überraschend zur Regnitz. Die Räder bringen uns zügig voran, wenn auch Renés Gesäß schon nach wenigen Kilometern mangelnden Sitzkomfort bemängelt.
    Wir fahren schon eine Weile nicht mehr im Schatten des Auwalds, als wir in Erlangen eine Kirche passieren. Zu unserer Enttäuschung steht jedoch weit und breit kein junger Mann herum, der uns etwas über diese Kirche erzählen könnte. So finden wir leider nicht heraus, wann und von wem diese Kirche wohl gebaut wurde. Auch wo der Baumeister her kam ist bestimmt wissenswert, bleibt für uns aber unbeantwortet.
    Die letzten Kilometer geht es pfeilgerade auf einer Schotterpiste entlang des völlig unverschatteten Main-Donau-Kanals bis nach Dechsendorf. In Dechsendorf spielt die Teichwirtschaft eine große Rolle. Auch wenn die Teiche wahrscheinlich in erster Linie für Karpfen da sind, hat man ein paar davon für uns Menschen freigegeben und so hüpfen wir zu den Karpfen.
    Wir verdödeln den Nachmittag auf der Liegewiese, stärken uns mit einer Pizza im nahen Biergarten und treten gegen Abend den Rückweg an. Die Route ist die gleiche wie auf dem Hinweg, nur in umgekehrter Reihenfolge. Allerdings begegnen wir noch einem Rudel Störche (Wir zählen 20) und legen auf einem Spielplatz mit Doppelseilbahn und Rutsche eine Spielpause ein. In Fürth kehren wir noch in einen Biergarten ein und werden dabei völlig unverhofft Zeugen einer evangelikalen Pfingstpredigt, die im Bierzelt abgehalten wird. Da diese auf Englisch mit Live-Dolmetscherin gehalten wird, fällt es uns, und vermutlich auch allen anderen Beteiligten, einschließlich des Predigers, ein wenig schwer zu folgen. Alles was wir mitnehmen ist, dass wir ein Flussbett sind und der heilige Geist ein Fluss. Ob es nun um Pegnitz, Rednitz oder Regnitz geht, wird nicht erläutert. Zum Abschluss wird der Pop-Banger "holy ghost I want you" gespielt, der eine Gläubige dazu bringt weinend zusammenzubrechen.
    Nach diesem religiösen Fiebertraum haben wir endgültig genug und fahren in der Dämmerung zurück ins Appartement, wo wir uns noch ein paar Gnocchi in die Pfanne schmeißen.
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  • Mit Kanu & Eisvogel auf der Pegnitz

    May 26 in Germany ⋅ ☀️ 30 °C

    Um der Pegnitz, die wir gestern schon so lange begleitet haben, noch ein wenig näher zu kommen, leihen wir uns in Artelshofen einen Kanadier. Michael von Kanuverleih weist uns auf die verschiedene Gefahrenstellen auf der Pegnitz hin und fragt, ob wir denn schwimmen können und Paddel-Erfahrung mitbringen. Wir bejahen selbstbewusst, immerhin fahren wir in Leipzig mindestens einmal im Jahr Kanu. Auf der zunächst ziemlich ruhigen Pegnitz, die wir überraschend für uns allein haben, geht es also los. Die zum Teil sehr tief über dem Wasser hängenden Bäume zu umfahren stellt, zumal einige davon als Geisterbäume voll ekliger Raupen sitzen, eine gelegentliche Herausforderung dar, die wir allerdings souverän meistern. Wir begegnen grünköpfigen Stockenten und Reiherenten mit ihrem süßen Federschopf, während unter uns gelegentlich dicke Forellen und süße Bisamratten herumschwimmen und sich eine hübsche Libelle als Galionsfigur verdient macht. Der Eisvogel, nach dem wir eigentlich Ausschau halten, zeigt sich aber nicht. In Vorra müssen wir an einem Wehr zum ersten Mal unser Boot umtragen und René nutzt diese Pause für eine Abkühlung im Fluss. Inzwischen haben wir auch erste Stromschnellen passiert und fragen uns, ob wir tatsächlich Paddel-Erfahrung mitbringen, denn in Leipzig gibt es kein schnelles Wasser. Wenig später fahren wir frontal gegen einen im Wasser verborgenen Stein, sodass unser Kanu von der Strömung gedreht wird und zu kippen droht. Ein vollständiges Kentern können wir mit viel Geschick aber verhindern und nehmen nur ein wenig Pegnitz ins Boot auf.
    Auch wenn sich das Gewässer nun wieder etwas beruhigt, wartet die Pegnitz mit anderen Hindernissen auf. Auf einem sonnigen Abschnitt werden wir von einem aggressiven Schwarm Bremsen angefallen, die uns in einen verzweifelten Abwehrkampf verwickeln. Die Bremsen spielen dabei mit unlauteren Tricks und sorgen dafür, dass René sich zunächst in den Schritt und dann die Sonnenbrille aus dem Gesicht schlägt.
    Ein wenig lädiert und mit nasser Sonnenbrille entkommen wir aber schließlich und können unsere Fahrt alsbald wieder genießen. Am nächsten Wehr werden wir von einer Gruppe Einheimischer erwartet, die uns anspornen am an einem Baum befestigen Seil ins kalte Wasser zu schwingen. Wir lassen uns nicht lange bitten und sind zum Umtragen des Bootes frisch abgekühlt.
    Der nun folgende letzte Abschnitt unserer Reise wurde uns bereits als natürlicher und wilder angekündigt. Als plötzlich der erhoffte leuchtend blaue Schimmer durch die Luft flattert, halten wir die Paddel still. Glücklicherweise ist das Wasser hier ruhig genug, dass wenige behutsame Bewegungen reichen, um das Kanu auf Kurs zu halten. Angespannt schweigend lassen wir uns treiben, aber egal wie lautlos wir sind, der scheue Eisvogel lässt uns nie näher als einige Dutzend Meter heran. Trotzdem können wir beobachten, wie er sich aus dem Geäst eines Baums ins Wasser stürzt und mit einem Fisch davonflattert. Mit unserer Beobachtung sind wir so zufrieden, dass es uns kaum noch stört, bei den folgenden Stromschnellen und Flusskehren ins Geäst eines raupenverhangenen Geisterbaums zu geraten. Eine Kollision mit einem weiteren Baum später kommen wir in Hohenstadt an und beenden unsere Tour.
    Eine Stunde später sind wir mit Mia, die wohnt wo andere Urlaub machen, in Fürth verabredet und lassen es uns mit ihr im Stadtparkcafé gut gehen. Wir erzählen von unseren bisherigen Abenteuern und tauschen Alltagsgeschichten aus. Darüber hinaus verpassen wir es leider völlig anständiges Fürth-Sightseeing zu betreiben und müssen uns mit ihrem Wohnhaus und dem skurrilen Pappmaché-Laden um die Ecke begnügen.
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  • Eisspaziergang

    May 27 in Germany ⋅ ☀️ 30 °C

    Aus Gründen der Sommerlichkeit und da wir bisher einfach zu wenig Eis hatten, erklären wir es zu unserer Tagesaufgabe ein Eis zu essen. Da wir über Insiderinformationen verfügen, wissen wir natürlich, dass es das beste Eis in Mögeldorf gibt. Um nach Mögeldorf zu gelangen, muss man einfach nur flussaufwärts die Pegnitz entlang laufen. Zunächst führt uns unser Weg über den Henkersteg, wo früher der Henker gewohnt hat, auf den Trödelmarkt. Von dort geht es weiter am Starbucks vorbei, wo Marlene viele Jugendstunden verbracht hat. Wir beachten ihn heute aber nicht weiter und durchqueren stattdessen das Ochsenportal, um an die Fleischbrücke zu kommen. Hier haben einst die Nämbercher Metzger ihre Waren feilgeboten, woran der Ochse auf dem Portal dadurch erinnert, dass Ochsen aus sehr viel Fleisch bestehen. Die nächste erwähnenswerte Brücke, die wir queren, ist die Museumsbrücke, die flussabwärts einen Brückenbogen weniger hat, als flussaufwärts. Der linke Brückenbogen führt zumindest im Hochwasserfall nämlich nicht flussabwärts, sondern in die Karstadt-Tiefgarage. Was andere als gravierenden Baumangel bezeichnen würden, nennt Marlene Hochwasserschutz.
    Am Heiliggeistspital vorbei geht es auf die Insel Schütt, die man im Mittelalter hier hin geschüttet hat. Irgendwo musste man mit dem Abraum vom Aushub der Bierkeller nun mal hin und der Bierkellerbedarf war indiskutabel.
    Durch das Kasemattentor verlassen wir die innere Altstadt und finden uns auf der Wöhrder Wiese wieder. Der einstige Rundbogen des Kasemattentors wurde für einen Bischof mit seinem Hut zu einem Spitzbogen umgebaut, da er hier durch musste, um Käse und seine Yogamatte zu transportieren. Insiderinformationen.
    Über die Wöhrder Wiese kommen wir zum Wöhrder See, an dem wir viele Renaturierungs- und Wasserbaumaßnahmen bewundern können. Schließlich in Mögeldorf angekommen, schlecken wir unser beeindruckend leckeres Eis vom Cristallo. Am östlichen Ufer des Wöhrder Sees beginnt das Naturschutzgebiet Pegnitz Ost, in dem unter anderem der lautstarke kleine Wasserfrosch geschützt wird. Das nur 5 cm große Tierchen hat eine 30 cm lange Zunge, lernen wir auf einer Infotafel. Gar nicht mal so lang, mag manch einer behaupten. Gingen wir aber davon aus, dass René ein kleiner Wasserfrosch wäre, hätte er eine Zunge von beeindruckenden 11,22 m Länge.
    Bei einer kurzen Fachexkursion passieren wir einen großen im Bau befindlichen Fischweg von Wöhrder See in die östliche Pegnitz sowie eine einfach gut gemachte Baustelle eines der führenden deutschen Wohnungsbauprojektentwickler und kehren dann auf eine Limo am Seeufer ein.
    Zu Abendessen und Bierchen treffen wir uns mit Mia und Paddy in einer von Insidern viel gerühmten und oft beworbenen Bar, der Kumpanei für Bier und Hedonismus, die hält was sie verspricht.
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  • Besuch auf der Burg

    May 28 in Germany ⋅ ⛅ 24 °C

    Für heute stehen lediglich zwei Punkte auf der Tagesordnung. Zum Einen müssen wir uns auf Besuch vorbereiten, zum Anderen werden wir besucht.
    Nachdem das Gästebett bezogen ist, geht es auf den Hauptmarkt, um Vorräte anzulegen. Alles, was wir hier nicht frisch aus dem Knoblauchsland bekommen, organisieren wir uns beim Ebl.
    Als wir alles beisammen haben, müssen wir uns sputen, um vor unseren Gästen am Appartement zu sein. Die Einkäufe sind kaum verräumt, als Marlene sie vom Balkon aus erspäht. Wir nehmen die kleine Frieda an uns, während André und Leonie ihr Auto in die Werkstatt bringen, um Parkplatzgebühren zu sparen. Wir bespaßen die fidele, zufriedene Maus, bis die Eltern mit einem Kostenvoranschlag zurück sind, der uns an der Genialität ihres Plans zweifeln lässt.
    Wie dem auch sei, wird das Kind schlafen gelegt und wir bereiten unser Abendessen vor. Als ein wenig später alle wieder fit sind, brechen wir auf zu einem Altstadtspaziergang.
    Aus dramaturgischen Gründen wählen wir den Weg vom Hallertor über die Stadtmauer, auch wenn das bedeutet, dass wir den leeren Kinderwagen zahlreiche Treppen hinauf und -nunter bugsieren müssen. Unsere Mühen zahlen sich aber aus, als unsere Gäste den ausgewiesen schönsten Blick auf Nürnbergs Altstadt genießen können. Von hier geht es durch den Rosengarten weiter auf die Kaiserburg, wo wir auch den Hufabdruck von Raubritter Eppelein finden, der von hier den Sprung über den Stadtgraben gewagt hat.
    Zurück schieben wir den leeren Kinderwagen über das Kopfsteinpflaster der Weißgerbergasse und setzen uns schließlich auf unserem Balkon zum Abendessen.
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  • Vier-Seidla-Steig

    May 29 in Germany ⋅ ☀️ 26 °C

    Unser jüngster Gast weckt uns bereits vor 07:00 nachts. Widerstand ist zwecklos, also bereiten wir das Frühstück vor. Als wir alle soweit sind, ist Frieda bereits wieder eingeschlafen. Da Leonie direkt mit einschläft, verpassen wir unsere Bahn und warten müde bis alle wieder wach sind.
    Schließlich können wir aufbrechen und fahren mit der Bahn nach Gräfenberg zu Friedas erster Wanderung. Auch wenn sie mit Robben und ersten Krabbelversuchen bereits ziemlich Mobil ist, sind wir bei längeren Strecken noch auf einen Kinderwagen angewiesen. Als kinderwagenfreundliche Tour wurde uns der Fünf-Seidla-Steig ans Herz gelegt, bei dem auf einem Rundweg fünf fränkische Brauereien angesteuert werden. Bei dem Programm ist es naheliegend, dass auf zu anspruchsvolle Wege verzichtet wird.
    Da die fünfte Brauerei in Weißenohe heute wegen Reichtum geschlossen hat, laufen wir direkt in Gräfenberg los. Das Kind zeigt sich dabei wechselnd in Trage und Kinderwagen leidlich zufrieden. Zu spät fällt uns auf, dass in Gräfenberg direkt zwei von vier Brauereien angesiedelt waren. Unsere vermeintlich vernünftige Entscheidung nicht bereits vor der Wanderung aufs erste Seidla einzukehren, sorgt also dafür, dass wir uns später gleich zwei nacheinander reinstürzen müssen.
    Da das aber kein Problem für den Augenblick ist, geht es weiter über hügelige Felder und durch fränkische Wälder nach Hohenschwärz, wo wir uns den ersten Stempel für unsere Fünf-Seidla-Steig-Bierkrug-Karte erhoffen. Den Weg nutzt Frieda für ein weiteres Nickerchen, aus dem sie erst erwacht, als wir unsere Seidla und die begleitenden Bratkartoffeln bereits vernascht haben.
    Ausgeschlafen und besser gelaunt geht es weiter nach Thuisbrunn, wo nach einem kurzen Stück Weg bereits die nächste Brauerei mit Seidla und zünftigem Mittagessen auf uns wartet. Von hier an führt der Weg hauptsächlich über sehr sonnige Felder, ist dafür aber mit dem Kinderwagen bis auf wenige steile Passagen deutlich leichter zu bewältigen. Wir freuen uns, dass wir vor Gräfenberg, wo unsere nächsten Seidla warten, wieder im Schatten des Waldes laufen können.
    Trotz des aufgrund äußerer Umstände verwehrten fünften Stempels bekommen wir im Bräustüberl Friedmann glücklicherweise trotzdem unsere Krüge. Stolz auf unsere und vor allem Friedas Leistung trinken wir aus, leeren die Seidla und nehmen die Bahn zurück.
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  • Zur Party bummeln

    May 30 in Germany ⋅ ☁️ 26 °C

    Da noch einige Besorgungen anstehen, bummeln wir heute über die schon bekannten Stege und Brücken zunächst in die Innenstadt. Bei Tante Noris am Hauptmarkt pausieren wir zu Kaffee und Kuchen und organisieren Eier aus der Huhnpatenschaft. Da Marlene noch ein bisschen mehr bummeln möchte als der Rest, lassen wir sie zurück und treffen Vorbereitungen für das Abendessen.
    Als Marlene schließlich wieder zu uns stößt, packen wir Bier, selbst gebrauten Eistee und das Kind ein und ziehen auf die Hallerwiese. Wir picknicken im Schatten der Bäume, wo man morgens die Hunde beim Pinkeln beobachten kann und spielen Mölkky.
    Nach Marlenes Sieg stärken wir uns mit Pulled Mushroom Wraps beim Abendessen und machen uns anschließend hübsch.
    Wir sind zur Geburtstagsfeier von Marlenes Schulfreundinnen eingeladen, die zum Cowboy-Motto ihre 30sten feiern. In Western-Schale geschmissen feiern wir bis tief in die Nacht. Marlene freut sich alte Klassenkameradinnen zu treffen und auch René muss sich nicht fehl am Platz fühlen. Ein paar Runden Hufeisen-Flunkyball und Rage-Cage tun ihr Übriges dazu.
    Mit dem Nightliner kommen wir schließlich vor 03:00 nach Hause und hoffen, dass Frieda morgen auch ausschlafen möchte.
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  • Katerspiele

    May 31 in Germany ⋅ 🌧 22 °C

    Unserer Hoffnung zum Trotz weckt uns Frieda bereits um 10:00 morgens. Die Eltern behaupten, dass sie zu dieser Zeit bereits draußen waren, gefrühstückt haben und die Kleine ihr erstes Schläfchen hinter sich hat. Wir schenken dieser Geschichte aber keinen Glauben. Wann hätten sie das denn alles tun sollen?
    Wir starten gemächlich mit einem für manche angeblich zweiten Frühstück in den Tag, gucken langsam und schlagen Schnecken auf die Schwänze. Kurz nach dem Frühstück, so gegen 12:00 zieht ein Unwetter über Nürnberg, das wir relativ geschützt vom Balkon beobachten, während durchnässte Jogger und Radler unter uns nach einem trockenen Unterstand suchen.
    Während Frieda ihr zweites oder drittes Schläfchen macht, stellen wir uns beim Castle-Combo spielen die besten Burgbewohner zusammen und schauen Toy-Story. Mit einer ausgeschlafenen Frieda geht es im Anschluss noch mal auf die Hallerwiese zu einer weiteren Runde Mölkky, in der René brilliert.
    Um unseren Gästen einen angemessenen letzten Abend zu bescheren, geht es nach Renés Sieg in die Altstadt, wo wir zum Albrecht-Dürer-Haus zu vegetarierfreundlicher, fränkischer Küche einkehren. Ausklingen lassen möchten wir den Abend mit einem Bier vom Wanderer auf dem Tiergärtnertorplatz. Daraus wird jedoch nichts, denn bereits nach wenigen Schlucken ziehen dunkle Regenwolken am Himmel auf und wir treten die Flucht an, um nicht wie die Jogger heute Mittag zu enden.
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  • Von der Schwarzach in die Vergangenheit

    June 1 in Germany ⋅ ⛅ 21 °C

    Während André und Leonie ihr Auto aus der Werkstatt holen, fällt uns noch einmal die alleinige Verantwortung für Friedas Wohlergehen zu. Mit der Unterstützung von Flausi, dem jüngsten Neuzugang der Familie herrscht heitere Stimmung und wir spielen "Frieda macht". Ein wenig komplexes Spiel, bei dem es gilt Frieda nachzumachen. Entweder klatscht Frieda, oder sie reißt triumphierend die Arme in die Luft. Gewonnen haben alle, wenn Frieda lacht.
    Nach der Verabschiedung radeln wir zur S-Bahn und fahren mit der S-Bahn und den Rädern nach Altdorf. Altdorf verfügt als altes Dorf über einen alten, pittoresken Dorfkern, von dem aus wir zurück nach Nämberch fahren möchten. Zunächst geht es steil bergab rasch nach Rasch, wo wir auf die Schwarzach treffen. Wir folgen dem fröhlich fließenden Fluss zunächst durch einen noch regennassen Wald und dann durch weite Wiesen. Die Burg von Burgthann bestaunen wir dann auch nur aus der Ferne und halten uns an den Fluss, bis wir kurz vor der A9 auf den Ludwig-Main-Donau-Kanal treffen. Der Kanal verbindet seit fast 200 Jahren den Main und die Donau mit Ludwig. Auch wenn das Wasser hier nicht so frei und fröhlich fließt, wie in der Schwarzach, ist der LMDK mit seinen historischen Schleusen und Wehren sowie den hübsch blühenden Seerosen sehr ansehnlich.
    An der Waldschänke Brückkanal, benannt nach der beeindruckenden historischen Kanalbrücke, auf der der LMDK die Schwarzach überquert, hatten wir gehofft einkehren zu können. Leider erwischen wir aber den Ruhetag und müssen uns so mit einem Eis aus dem Automaten im einladenden, aber verwaisten Biergarten zufrieden geben. Immer weiter dem Stillgewässer folgend kommen wir schließlich in den Nämbercher Reichswald. Als der Weg von einem dem gestrigen Sturm zum Opfer gefallenen Baum blockiert wird, freuen wir uns, keine E-Mofas zu fahren und hieven die Räder einfach hinüber. Die Früchte der Heidelbeersträucher im Wald, für die Marlene schon in ihrer Kindheit hierher kam, sind leider noch nicht reif, sodass wir stattdessen auf eine Mahlzeit im Biergarten am Steinbrüchla hoffen. Da wir aber unser letztes Geld im Eisautomaten gelassen haben und hier keine Kartenzahlung akzeptiert wird, müssen wir umplanen.
    Statt gemütlich einzukehren, um danach Heim zu fahren, biegen wir ab nach Langwasser, um weitere Kindheitsorte aufzusuchen. Wir steuern auf Marlenes alte Grundschule zu und finden den Schulhof unverschlossen vor. Marlene erklimmt zuerst die mehrschwänzige Echse wie in alten Tagen und als nächstes das Klettergerüst, dass ihre Klasse mit einem Dürer-WM-Schulprojekt gewonnen hat. Anschließend werden wir am gegenüberliegenden Hort erfreut hineingebeten, denn Ehemalige sind hier immer willkommen. Wir bekommen eine Führung durch die bis auf eine Schrumpfung unveränderten Räumlichkeiten und dürfen mit der Betreuerin sogar durch die alten Fotoalben blättern. Schließlich lassen wir sie mit Grüßen an Ihre Kolleginnen zurück und sputen uns nach Hause zu kommen, wo wir mit Mia verabredet sind.
    Auf dem Reichsparteitagsgelände sind die Aufbauarbeiten fürs Rock im Park in vollem Gange, sodass wir die Dixis schon mal einweihen können, während die Absperrungen noch nicht eingerichtet sind. Vorbei an Dutzendteich und Kolosseum kommen wir in die Stadt, an Marlenes Gymnasium vorbei und pünktlich zu unserer Verabredung nach Hause.
    Mit Mia essen wir Ofengemüse auf dem Balkon, trinken Aperol und Wein und spielen noch eine Runde Mölkky, deren Sieg Marlene sich souverän sichert.
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  • Zwischen Gößwein- und Pottenstein(en)

    June 2 in Germany ⋅ ⛅ 23 °C

    Frühzeitig brechen wir heute auf, um mit Bus und Bahn in die Fränkische Schweiz zu fahren. Da wer lange sitzt, rostig werden muss und die Luft frisch und rein ist, wird der heutige Tag zum Wandertag erklärt. Wir starten im Wallfahrtsort Gößweinstein, der von einer beeindruckenden Basilika und einer schnuckeligen Burg geprägt wird. Auf einem Panoramaweg umrunden wir zunächst den Ort, um ihn aus allen möglichen Blickwinkeln bewundern zu können. Auf von Grundschülern illustrierten Lehrtafeln sind einige der Wunder, die den Ort so heilig machen, beschrieben. Auf anderen erfahren wir von der hier endemischen Gößweinsteiner Mehlbeere und ihrem wirklich kleinen Verbreitungsgebiet.
    Für die ersten zwei Kilometer brauchen wir so etwa eineinhalb Stunden. Als wir Gößweinstein endlich hinter uns lassen, kommen wir ein wenig schneller voran, auch wenn unsere Kondition heute zu wünschen übrig lässt. Wir schieben das aufs Wetter. Die felsige Landschaft mit Steilwänden und steinernen Türmen erinnert uns an die Sächsische Schweiz, von der die Fränkische Schweiz wohl ihren Namen hat.
    In Behringersmühle passieren wir einen Biergarten, an dem wir mit uns hadern müssen. Einzukehren, bevor die Hälfte der Strecke hinter uns liegt, haben wir uns nicht verdient, aber Bier und Brotzeit klingen schon sehr verlockend. Wir bleiben aber vernünftig und laufen weiter. Von nun an folgen wir der Püttlach immer stromaufwärts. Im pittoresken Dorf Tüchersfeld stellen wir enttäuscht fest, dass es hier neben schöner Aussicht nichts gibt. Zumindest keine Einkehrmöglichkeiten. Die eine, bei der wir uns Hoffnungen gemacht hatten, wirkt zwar auf den ersten Blick, als wäre sie geöffnet, doch als wir etwas zu lange die Karte studieren, wird uns in guter alter fränkischer Manier zu verstehen gegeben, dass unsere Hoffnungen vergebens sind. Inzwischen doch recht hungrig folgen wir dem Weg für einen Abstecher über höher gelegene Wiesen und Wälder, bevor wir durch die Bärenklamm wieder an die Püttlach kommen. Am Ausgang der Klamm gibt es einen schön gelegenen Zeltplatz mit einem zu unserem Leid ebenfalls geschlossenen Biergarten.
    Der Weg führt von hier entlang von steilen Felshängen die das Tal umfassen weiter nach Pottenstein. Auf den letzten Kilometern wird der Weg zwar etwas zäh, aber nicht weniger schön.
    Endlich in Pottenstein angekommen, stehen wir erneut vor einer schwierigen Entscheidung. Wenn wir wie eigentlich geplant im Ort einkehren, haben wir keine Chance vor Betriebsschluss der Sommerrodelbahn am Pottensteiner Erlebnisfelsen zu sein. Aus dem bereits bildhaft ausgemalten Abendessen wird vorerst nichts. Wir beißen also die Zähne zusammen und erklimmen auch noch diese letzte Höhe. Diesmal stören uns die Höhenmeter aber gar nicht, denn alles was wir nun hinaufsteigen, dürfen wir gleich wieder hinunterrodeln. In rasantem Tempo brausen wir dann auch wenig später über die 1 km lange Blechbahn zurück ins Tal.
    Der Adrenalinschub lenkt uns aber nicht lange von unserem Hunger ab, sodass wir nach einer Runde weiterziehen zu Heiners Forellenräucherei. Hier gibt es für jeden von uns einen Fisch, während in den Teichen daneben schon die nächsten Forellen auf den Räucherofen warten.
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    Trip end
    June 5, 2026