Fischen ohne Fisch 🎣 Oder doch
25. juli, Norge ⋅ ⛅ 17 °C
Hinter einer dicken Wolkendecke versucht die Sonne vergeblich, sich bemerkbar zu machen. Noch gewinnt das Grau.
Um 4 Uhr werde ich unsanft geweckt. Drei Möwen liefern sich direkt vor unserem Wohnmobil einen lautstarken Streit. Worum es ging? Keine Ahnung. Vielleicht um einen Fisch, vielleicht um einen Regenwurm oder einfach darum, wer heute das Sagen hat. Jedenfalls war das Geschrei so laut, dass an Weiterschlafen nicht mehr zu denken war.
Da wir immer noch Polartage haben, wird es nachts nie richtig dunkel. Versteckt sich die Sonne hinter den Wolken, geht das trübe Wetter praktisch nahtlos in den nächsten Tag über.
Doch gegen 9 Uhr passiert das kleine Wetterwunder. Die Wolken reissen auf, der Himmel wird blau und plötzlich scheint die Sonne.
Genau der richtige Moment, um heute endlich einen Fisch zu fangen.
Vier Stunden lang werfe ich meinen Köder aus. Mit jeder Menge Hoffnung, Geduld und immer neuen Würfen.
Das Resultat?
Nichts.
Nicht einmal ein Fisch mit schlechtem Orientierungssinn verirrt sich an meinen Haken.
Während die Fische offenbar beschlossen haben, heute geschlossen frei zu nehmen, sammelt mein Schatz 🥰 Weidenröschenblüten. Daraus entstehen zwei Gläser Gelee und eine Flasche Sirup – natürlich mit liebevoll selbst gestalteten Etiketten.
Nach dieser kleinen Angelpleite beschliessen wir, den Standort zu wechseln und fahren rund 60 Kilometer weiter nach Vikran.
Allein die Fahrt ist ein Erlebnis. Die Strasse schlängelt sich dem Straumsfjord entlang, vorbei an kleinen Höfen, grünen Wiesen und steilen Bergen, die direkt aus dem Meer aufzuragen scheinen.
Vikran selbst ist ein kleiner, ruhiger Ort westlich von Tromsø. Früher lebten die Menschen hier vor allem von der Fischerei und der Landwirtschaft. Heute begeistert der Ort vor allem mit seiner traumhaften Lage zwischen Fjord und Bergen. Bei guter Sicht erkennt man sogar die markante Eismeerkathedrale von Tromsø auf der anderen Seite des Wassers.
Beim Hotel Troll Havn schaut ein riesiger Troll aus dem Boden. Genauer gesagt nur sein Kopf. Vielleicht wollte er einfach nachsehen, ob heute endlich jemand einen Fisch fängt.
Ich schnappe meine Angel, marschiere auf den Holzsteg hinaus und werfe den Köder aus.
Keine Minute später biegt sich die Rute.
Der erste Kabeljau!
Ich muss lachen. Vier Stunden lang passiert überhaupt nichts – und jetzt dauert es nicht einmal sechzig Sekunden.
Fünf Minuten später folgt bereits der zweite Kabeljau.
Während mein Schatz die beiden Fische filetiert, probiere ich noch einen anderen Platz bei einer kleinen Hütte direkt über dem Fjord.
Und tatsächlich…
Kurz darauf landen auch noch zwei Seelachse am Haken.
Vier Stunden am Morgen:
Kein einziger Fisch.
Nach einem Standortwechsel:
Vier Fische in kürzester Zeit.
Die Moral der Geschichte?
Manchmal liegt das Glück eben nur 60 Kilometer entfernt.
Und das Beste daran: Das Abendessen ist gesichert – und das wahrscheinlich sogar noch für morgen. 🐟😊
Gute Nacht, Freunde! 🌙👯♂️Læs mere
































