• Mendoza - zu Vino sagi nie no

    Nov 15–18, 2025 in Argentina ⋅ ⛅ 29 °C

    Ich genoss die Fahrt zwischen den Weinbergen als ich aus Cafayate raus radelte. Ein kleines bisschen erinnerte mich diese Gegend ans Wallis. Aber nur ein kleines bisschen, denn wenn ich mich recht erinnere gibt es im Wallis nicht diese gigantischen Kakteen. Ist das noch so? Könnte ja sein mit Klimaerwärmung... Und die Papageien die einem die ganze Zeit über dem Kopf flattern gibts wahrscheindlich auch nicht.
    Auf jeden Fall bin ich spät los. Ich ging in Cafayate noch Frühstücken und es war ca. 14.00 Uhr bis ich mich endlich auf den Fahrradsattel schwang. Als dan ein Wind aufzog sank meine Motivation so tief, dass ich nach knapp 46km vorfeh gab und bei einem Fussballplatz in einem kleinen Dorf campierte.
    Am nächsten Tag wurde die Gegend etwas langweiliger. Gerade Strassen in der Wüste. Als ich auch an diesem Tag nicht vom Wind verschont wurde, campierte ich bei einer Kapelle bei einer Hausruhine und stellte mein Zelt gemütlich im Windschatten auf. Ich wurde von einem fantastischen Sonnenuntergang belohnt! Es erwartete mich auch am nächsten Tag eine lange gerade Strasse mit kontinuierlichem Gegenwind. Aber gut challange acepted. Als ein Autofahrer mitleid mit mir hatte und mich die letzten 20km bis nach Belen mitnahm, kann ich nicht sagen, das ich das Angebot nicht dankend angenommen habe. Meine erste Wahl an Schlafmöglichkeit war ausgebucht und ich wurde im Dorf vermittelt und endete in einem Hostel wo ich das ganze Haus für mich alleine hatte - nehme ich.
    Ausgeruht startete ich motiviert in den nächsten Tag. Unterwegs hielt Tobi (Deutscher der in einem umgebauten Feuerwehrauto reist und ich seit Uyuni kenne) für mich an und offerierte mir Wasser - wofür ich sehr dankbar war. Die Temparaturen waren schwitzig. Er teilte mir sein Schlafplatz bei einer warmen Quelle zum Baden mit. Ich wusste das dies für mich eher knapp wird aber schaute mal wie weit ich kam. Natürlich reichte es mir nicht. Ich war auf der Suche für einen Wildcampingplatz, da ich am Vortag bereits das Privileg einer Dusche genossen habe und gerade nicht gewollt war, zum Übernachten Geld auszugeben. Als ich nach einer Möglichkeit suchte wurde ich beobachtet und als ich dies bemerkte, entschied ich weiter zu ziehen. Aber der Beobachter offerierte mir einen Platz bei ihm auf der Veranda. Ich hatte sogar Steckdosen und er zeigte mir wo ich Wasser her kriege. Dankbar nam ich das Angebot an. Was jedoch immer etwas schwierig ist an solchen Einladungen, wenn keine Toileten vorhanden sind. Ich bin oft auch nicht mutig genug zu fragen und schlich mich hinters Haus. Es stellte sich heraus das dort eine Fläche grösser als ein Fussballfeld nur Aker war. Da es auch bereits dunkel war, beschloss ich dort mein Loch für meine Bedürfnisse zu graben. Als ich alles wieder verpudelt hatte, traff ich auf dem Rückweg eine Vogelspinne und war irgendwie sehr dankbar, ist mir dieses Tierchen nicht vorher begegnet. Sonst hätte ich wahrscheinlich gerade etwas mühe mit dieser Aktion gehabt. Spoiler ich lebe noch 😉.
    Am nächsten Tag ging die Reise 113km weiter nach Chilecito, wo ich meine Essensvorräte wieder aufstockte und als ich mich am nächsten Morgen auf den Sattel schwang, radelte ich Camilla und Jairo über den Weg. Die beiden sind aus Columbien und radeln durch Südamerika. Da es über einen Pass ging verloren wir uns aus den Augen. Die Landschaft war wunderschön und das Gestein strahlte in seiner weinroten Farbe. Da die Schlafmöglichkeiten begrenzt sind, sah ich das Kolumbianer-Pärchen am Abend wieder bei der Tankstelle, bei welcher wir gratis duschen und schlafen konnten.
    Die beide sind Herzensmenschen, aber schnell stellte sich heraus, sie brauchen auch viel Enerige. Sie sind sehr impulsiv und weigern sich für eine Übernachtung Geld auszugeben. Wir sprachen uns ab wo wir am nächsten Abend campen werden. Als unterwegs wieder starker Wind aufzog, suchte ich bereits nach alternativen Schlafplätzen mit Schelter. Nicht so Jairo der stoppte ein Truck und bevor ich überhaupt verstand worum es geht, sahsen wir in der Fahrerkabine vom Truck. Der Fahrer war super lieb und versorgte uns mit Cookies. Trotzdem wäre ich irgendwie gerade lieber geradelt. Aber gut. Wir blieben bis San Juan sitzen und luden die Fahrräder vom Anhänger. Jairo war bereits bei einem Kiosk der 24 Stunden geöffnet war und fragte ob wir unsere Zelte dort aufschlagen können. Was wir taten. Ich war froh um meinen tiefen Schlaf den gemäss den anderen kam eine Gruppe Betrunkener und machte die Nacht zum Tag. Ich hatte keine Angst dort zu übernachten aber in Städten wähle ich dan trotzdem lieber die Option und bezahle auch für ein Hostel oder ein Camping, anstelle bei einem Kiosk an einer vielbefahrenen Strassen ohne Toilettenmöglichkeit zu campen (da fehlt dan der Acker zum pudeln). Die Gesellschaft der Beiden war wirklich sehr nett, aber es war mir da irgendwie dan auch zu viel. Daher teilte ich mit, das ich am Morgen in die Stadt Frühstücken gehe und mir gerne Zeit für mich rausnehmen möchte. Wir blieben in Kontakt und ich teilte mit wo ich vor habe, zwischen San Juan und Mendoza mein Zelt aufzustellen. Die Beiden machten wieder Autostopp weil es doch sehr windig und die Strasse viel befahren war. Ich wollte aber nun wirklich radeln. Sie liessen sich dan an dem abgemachten Punkt ausladen und wir kochten alle zusammen Abendessen und tranken Bier. Als ich den Beiden erzählte, das ich in Mendoza in einem Hostel übernachten werde und in Chile ein Teil mit dem Bus abkürzen werde, und sie mich belehrnten, dass es doof ist für eine Übernachtung oder einen Transport zu bezahlen und ich Autostopp machen müsse, merkte ich, dass ich wieder mehr Freiraum und Zeit für mich brauche. Ich lasse mir generell nicht gerne sagen, was ich machen muss und merkte das es Zeit ist, mich zu verabschieden. Das war auch weiter nicht schwierig, weil die Beiden auch am nächsten Tag aufgrund vom Wind Autostop gemacht haben und ich sehr sehr dumm war. Den es war genau eine Strasse. Eine einzige verdamte Strasse. Und ich bin einfach mal 12km in die falsche Richtung geradelt. Warum - ich weis es nicht. Es fühlte sich richtig an - ich war einfach dumm. Und anstelle von 80km nach Mendoza waren es halt dan wieder mehr als 100km. Aber ich habs geschaft und wie bereits angekündigt checkte in einem Hostel ein. Dort lernte ich Dylan aus Zürich kennen. Mit Dylan besuchte ich dan auch das Weinfestival in Mendoza. Ein grosses Festival mit Weindegustation, das zu verlockend war, evtl. ein bisschen zu Tief ins Glas zu schauen. Nur ein bischen versteht sich... Wir hatten auf jeden Fall einen lustigen und unterhaltsamen Abend mit Liveband und es fühlte sich seit langem wiedermal richtig zivilisiert an. Am nächsten Tag beschloss ich auszunüchtern und schlenderte mit Dischi (aus deutschland und ebenfall im selben Hostel) durch Mendoza. So habe ich immerhin auch noch den Park und nicht nur das Festival besucht.
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