• 4. Tag auf See 28.07.2026

    July 28, Pazifischer Ozean ⋅ ☀️ 28 °C

    Etmal: 77 sm
    04°52,6 N
    082°38,9 W

    Der gestrige Nachmittag entwickelte sich zu einem regelrechten Slalomkurs zwischen den Squalls. Immer wieder zogen dunkle Regen- und Gewitterwolken über uns hinweg, brachten für kurze Zeit kräftigen Wind und verschwanden genauso schnell wieder. Das bedeutete für uns ständige Segelmanöver: Segel trimmen, Kurse anpassen und den besten Weg zwischen den Schauerzellen finden. Auch wenn wir dabei einige Extrameilen zurücklegen mussten, konnten wir auf diese Weise zumindest stetig Strecke in Richtung unseres Ziels gutmachen.

    Für zusätzliche Abwechslung sorgte eine interessante Schiffsbegegnung mitten auf dem weiten Pazifik. Von achtern näherte sich ein Fischereifahrzeug, während gleichzeitig aus südlicher Richtung ein Frachter auf Kollisionskurs zu laufen schien. Laut AIS sank das CPA (Closest Point of Approach) zeitweise auf unter zwei Seemeilen. Doch wie so oft zeigte sich, dass eine gute Seemannschaft und die internationalen Kollisionsverhütungsregeln (KVR) bestens funktionieren: Alle Beteiligten hielten ihren Kurs und der Frachter wich uns beiden als ausweichpflichtiges Fahrzeug rechtzeitig und großzügig aus. Faszinierend bleibt es dennoch, dass sich auf der unendlichen Weite des Pazifiks ausgerechnet drei Schiffe zur gleichen Zeit so nahe kommen.

    Mit dem Sonnenuntergang änderte sich das Wetter schlagartig. Die einzelnen Squalls verschmolzen zu einer großen Wolkenfront, der Wind schlief vollständig ein und binnen weniger Minuten herrschte spiegelglatte See. Also hieß es einmal mehr: Segel bergen und die SY Hägar der Strömung und den leichten Restwinden überlassen. Den Motor für eine derart lange Ozeanpassage einzusetzen, wäre angesichts der enormen Distanzen keine sinnvolle Option. So trieben wir in der tropischen Nacht langsam weiter – immerhin mit etwa einem halben Knoten in die richtige Richtung.

    Erst gegen drei Uhr morgens kündigte sich wieder eine leichte Brise aus Süden an. Sofort setzten wir den Yankee, der die Hägar langsam wieder in Bewegung brachte. Mit den ersten Sonnenstrahlen kam ausreichend Wind auf, um auch Großsegel und Fock zu setzen. Seitdem segeln wir auf einem Kurs von etwa 240 Grad mit vier bis sechs Knoten Fahrt unserem nächsten großen Etappenziel entgegen – den Galápagos-Inseln.

    Auch die Tierwelt sorgt weiterhin für unvergessliche Momente. Mehrere Arten von Tölpeln begleiten uns regelmäßig, kleine Seeschwalben gleiten dicht über die Wellen, und immer wieder ziehen elegante Tropikvögel ihre Kreise über dem Schiff. Als besonderes Highlight tauchte heute zudem eine Meeresschildkröte direkt neben der Hägar auf, bevor sie gemächlich wieder in den Tiefen des Pazifiks verschwand. Solche Begegnungen machen selbst Tage mit wenig Wind zu etwas ganz Besonderem.
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