5. Tag auf See 29.07.2026
July 29, Pazifischer Ozean ⋅ ☀️ 28 °C
Etmal: 82 sm
04° 11,5´N
083° 30,1´W
Gestern, kurz nach Mittag, entdeckten wir voraus am Horizont eine ungewöhnlich große Ansammlung von Seevögeln. Zahlreiche Tölpel kreisten dicht über dem Wasser und stürzten immer wieder pfeilschnell in die Wellen. Auch unsere gefiederten Gäste vom Vordeck wurden sofort aufmerksam, erhoben sich in die Luft und machten sich zielstrebig auf den Weg zu dem scheinbar reich gedeckten Buffet.
Als wir näher kamen, zeigte sich der Grund für das Spektakel: Eine riesige Delfinschule jagte dort gemeinsam nach Fisch. Wir schätzten die Gruppe auf mindestens hundert Tiere. Überall durchbrachen glänzende Rücken die Wasseroberfläche, Delfine sprangen aus den Wellen, kreuzten einander und trieben die Fischschwärme offenbar gezielt zusammen. Über ihnen nutzten die Tölpel ihre Chance und stürzten sich mitten in das brodelnde Wasser.
Nachdem die Jagd beendet war, schlossen sich uns viele der Delfine an. Fast eine Stunde lang begleiteten sie die Hägar, spielten in der Bugwelle, schossen dicht unter dem Schiff hindurch und tauchten auf der anderen Seite wieder auf. Immer wieder drehten sie sich dabei zur Seite, als wollten sie zu uns hinaufschauen. Solche Begegnungen gehören zu den besonderen Momenten einer langen Ozeanpassage – plötzlich ist der scheinbar leere Pazifik voller Leben.
Doch nicht nur im Wasser gab es tierischen Besuch. An Bord fanden wir außerdem einen großen Schwärmer, eine sogenannte „Schwarze Hexe“. Mit ihren dunklen, eindrucksvoll gezeichneten Flügeln hatte sie sich einen geschützten Platz auf der Hägar gesucht. Es ist immer wieder erstaunlich, welche Entfernungen selbst eigentlich landlebende Tiere über dem offenen Meer zurücklegen. Weit und breit ist kein Land zu sehen – und trotzdem begegnen uns Vögel, Insekten und andere kleine Passagiere, die offenbar ebenso wie wir auf großer Reise sind.
Am Abend kehrte dann allerdings wieder das inzwischen nur allzu vertraute Bild zurück: Der Wind schlief vollständig ein. Die Segel hingen schlaff herab, die Fahrt fiel auf null, und uns blieb nichts anderes übrig, als das gesamte Tuch zu bergen und uns treiben zu lassen.
Leider meinte es auch die Strömung nicht gut mit uns. Statt wenigstens langsam in Richtung Marquesas zu treiben, setzte sie uns zurück und machte einen Teil der mühsam erkämpften Seemeilen wieder zunichte. Nach langem Abwägen entschieden wir uns schweren Herzens, die Maschine zu starten und die Nacht unter Motor weiterzulaufen. Für solche Situationen gibt es mittlerweile nur noch einen passenden Kommentar an Bord: Scheiß Doldrums!
Immerhin sind die Nächte derzeit vergleichsweise angenehm zu bewältigen. Der Vollmond taucht das Meer in ein silbriges Licht und sorgt fast die ganze Nacht für gute Sicht. Der Horizont ist klar zu erkennen, und selbst die Wellen zeichnen sich deutlich im Mondschein ab. Nach den vielen stockfinsteren Nächten auf See fühlt sich das fast schon luxuriös an.
In dieser Nacht war außerdem über längere Zeit ein Licht weit entfernt am Horizont zu erkennen. Es blieb jedoch so weit von uns entfernt, dass weder auf dem AIS noch auf dem Radar ein entsprechendes Ziel auftauchte. Vermutlich handelte es sich um ein Schiff in sehr großer Entfernung, dessen Positionslichter durch die klare Nacht dennoch bis zu uns herüberleuchteten.
Gegen Morgen hatte das Dröhnen der Maschine dann endlich ein Ende. Der Wind frischte wieder auf, zunächst noch vorsichtig, dann zunehmend beständiger. Wir setzten alle Segel und laufen seitdem mit Vollzeug und einer Geschwindigkeit von fünf bis sechs Knoten weiter in Richtung Marquesas.
Und als hätte sich die große Delfinschule von gestern mit uns verabredet, tauchte sie auch heute Vormittag erneut bei der Hägar auf. Wieder sprangen die Tiere durch die Wellen, begleiteten uns ein Stück und sorgten für reichlich Leben rund um das Schiff.
Jetzt hoffen wir, dass der Wind noch eine Weile durchhält. Laut Wetterbericht nähert sich allerdings bereits das nächste Flautenfeld. Ab Donnerstagnachmittag sollten wir den schwierigsten Abschnitt endlich hinter uns gelassen und den beständigeren Passat erreicht haben.
Bis dahin heißt es weiter Geduld bewahren, jede Brise nutzen und um jede Seemeile kämpfen. Die Marquesas liegen noch immer vor uns – aber mit jedem Windhauch kommen sie ein kleines Stück näher.
Und dann haben wir da noch ein echtes Luxusproblem an Bord:
Die Bananenstaude, die wir in Panama für unglaubliche **2,50 $** gekauft haben, hat sich offenbar abgesprochen und beschlossen, **alle gleichzeitig reif zu werden**.
Seitdem gibt es bei uns:
🍌 Bananen zum Frühstück,
🍌 Bananen als Snack,
🍌 Bananen zum Nachtisch,
🍌 und zwischendurch… Überraschung… Bananen.
Inzwischen begrüßen wir uns morgens schon mit: *„Na, schon eine Banane gehabt?“*
Wir befürchten ernsthaft, dass wir uns bald gelb färben und beim Anblick einer Banane automatisch anfangen zu schälen.
Jetzt die Frage an die Schwarmintelligenz:
Hat jemand noch kreative Ideen, was man mit einer halben Plantage voller reifer Bananen anstellen kann – außer sie einfach zu essen oder Bananenbrot zu backen?
Vielleicht kennt jemand ein geniales Bordrezept, einen exotischen Cocktail, eine Möglichkeit zum Haltbarmachen oder einen anderen Geistesblitz.
Ansonsten bleibt uns wohl nur noch, die Delfine zum Bananenessen einzuladen… 🍌😂Read more








TravelerKlasse Bericht
Udo HertelVielen Dank.
TravelerBananen in Scheibchen schneiden und zu Bananenchips trocknen...die könnt ihr dann knabbern wenn ihr wieder Lust auf Banane habt. Allerdings hab ich keine Ahnung ob das auf dem Ozean möglich ist....