• 6. Tag auf See 30.07.2026

    July 30, Pazifischer Ozean ⋅ 🌧 27 °C

    Etmal: 83 sm
    03° 15,5´N
    083° 38,7´W

    Der Nachmittag begann mit der Auswertung der unzähligen Rezeptideen zu unserer großen Bananenumfrage. Zunächst einmal: Vielen Dank für die vielen kreativen Vorschläge und das rege Interesse an unserer kleinen logistischen Herausforderung an Bord.

    Die Ideen reichten von Bananenbrot, Pancakes, Chips, Curry, Chutney, Eis und Milchshakes bis hin zu eher außergewöhnlichen Lösungen: die Bananen an Delfine verfüttern, mit ihnen Fische anlocken oder sie einfach rauchen. Die Kreativität kennt offenbar keine Grenzen.

    Wir entschieden uns zunächst für die kulinarisch sicherste Variante und backten ein herrlich duftendes Bananenbrot. Parallel wurden die ersten Bananenchips vorbereitet, und für den Abend stand bereits Bananen-Chutney auf dem Speiseplan. Die Staude wird langsam kleiner – aber der Kampf ist noch lange nicht gewonnen.

    Am späten Nachmittag bekamen wir dann erneut Besuch von einer großen Delfinschule. Die Tiere begleiteten die Hägar eine ganze Weile, spielten in der Bugwelle und ließen sich diesmal sogar mit der GoPro unter Wasser filmen – ein wunderbares Erlebnis.

    Gegen Abend setzte schließlich eine leichte Brise ein. Zwar reichte sie nicht für schnelle Fahrt, doch immerhin konnten wir unter Segeln und nicht unter Maschine oder treibend durch die Nacht gleiten. Manchmal sind schon wenige Knoten Wind ein kleines Geschenk.

    Und dann begann sie – eine Nacht, die wir wohl nie vergessen werden.

    Fast zeitgleich mit dem Sonnenuntergang stieg auf der gegenüberliegenden Seite des Himmels ein tiefroter Vollmond zwischen den Wolken empor und tauchte den Pazifik in ein beinahe unwirkliches Licht. In der langsam hereinbrechenden Dämmerung tauchten immer wieder einzelne Delfine und große Meeresschildkröten neben der Hägar auf. Da wir nur gemächlich über die spiegelglatte See glitten, war es vollkommen still an Bord. Deutlich hörten wir das kraftvolle Ausatmen der Delfine und das sanfte Plätschern, wenn sie zum Luftholen die Wasseroberfläche durchbrachen.

    Doch damit begann erst die eigentliche Magie.

    Als das letzte Tageslicht verschwunden war, zeichneten die Rücken und Finnen der Delfine silberne Spuren in das vom Vollmond beschienene Wasser. Es wirkte, als würden sie mit flüssigem Mondlicht über den Ozean malen.

    Und gegen Mitternacht wurde das Schauspiel noch unglaublicher. Der hoch am Himmel stehende Vollmond beleuchtete eine See, die durch unzählige biolumineszente Kleinstlebewesen zum Leben erwachte. Jeder Delfin zog nun einen leuchtend grün-blauen Schweif aus Meeresleuchten hinter sich her. Besonders beeindruckend war der Moment, wenn die Tiere dicht an der Bordwand vorbeischwammen. Für einen kurzen Augenblick schien es, als trügen sie eine leuchtende Taucherbrille aus flüssigem Licht vor ihrem Kopf.

    Solche Bilder lassen sich mit keiner Kamera festhalten. Sie existieren nur für denjenigen, der sie in diesem Augenblick erlebt. Aber sie brennen sich unauslöschlich ins Gedächtnis ein.

    In solchen Nächten versteht man plötzlich, wie die alten Geschichten von Meerjungfrauen und Meeresnymphen entstanden sein könnten. Vielleicht tanzte dort draußen tatsächlich eine Nymphe zwischen den Delfinen und sie bewegten sich gemeinsam im Takt der sanften Dünung und der leisen Melodie des Pazifiks. Oder spielte uns der Vollmond einfach einen Streich? Ich bin mir da inzwischen nicht mehr ganz sicher. „Halb zog sie ihn, halb sank er hin …“

    Doch irgendwann holte uns die Wirklichkeit wieder ein.

    Mit Sonnenaufgang frischte der Wind endlich spürbar auf. Zum ersten Mal seit Tagen konnten wir wieder konsequent Strecke nach Süden machen und uns dem Passat annähern. Gegen 10:00 Uhr war schließlich der entscheidende Moment gekommen: Wir gingen auf den anderen Bug und laufen nun bei vorlichem Wind mit rund 7 Knoten Fahrt direkten Kurs auf die Marquesas zu.

    Es sieht ganz so aus, als hätten wir den Passat endlich erreicht. Wenn Calypso uns weiterhin wohl gesonnen bleibt, liegt unsere voraussichtliche Ankunft derzeit ca. am 20. August.
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