27. Tag auf See 20.08.2026
August 20 ⋅ ⛅ 27 °C
8°18'46.895807"S
136°58'27.488113"W
Versegelt: 3853 sm
Zum Ziel: 189 sm
Kurz vor dem Ziel scheint der Pazifik noch einmal unsere Geduld testen zu wollen.
Ausgerechnet jetzt, auf den letzten Seemeilen unserer langen Überfahrt, hat uns der Wind weitgehend verlassen. Nach den schnellen Tagen mit sieben und acht Knoten Fahrt dümpeln wir derzeit nur noch mit gemütlichen drei bis vier Knoten über einen nahezu spiegelglatten Pazifik. Kaum eine Welle bewegt die Wasseroberfläche, die Segel stehen gerade noch so – und unser Ziel kommt nur quälend langsam näher.
Jetzt heißt es: Geduld bewahren.
Zum Motoren ist es uns noch etwas zu weit. Nach all den Wochen unter Segeln wollen wir schließlich nicht ausgerechnet auf den letzten Meilen unnötig Diesel verbrennen. Also nehmen wir es, wie es kommt, lassen die Hägar weiter Richtung Marquesas gleiten und schauen regelmäßig auf die verbleibenden Seemeilen. Auch wenn die sich im Moment gefühlt deutlich langsamer herunterzählen als noch vor ein paar Tagen.
Aber selbst eine Flaute hat ihre guten Seiten. Die See ist ruhig, das Wasser fast glatt – ideale Bedingungen, um noch einmal die Angel auszubringen. Vielleicht meint es der Pazifik zum Abschluss ja doch noch gut mit uns und spendiert uns einen schönen Fisch für die Pfanne. Nach all den Vorräten aus Dosen und den langsam zur Neige gehenden Luxusgütern an Bord wäre ein frischer Mahi-Mahi oder Thunfisch jedenfalls ein ziemlich würdiges Abschlussessen für diese Überfahrt.
Während die Hägar also gemächlich ihrem Ziel entgegenschaukelt, sind zumindest die bürokratischen Vorbereitungen für unseren Landfall abgeschlossen. In meiner vergangenen Nachtwache habe ich die letzten Papiere und Einreiseformulare ausgefüllt, hochgeladen beziehungsweise per E-Mail verschickt. Damit sollte von dieser Seite aus alles vorbereitet sein.
Wenn wir Nuku Hiva dann irgendwann tatsächlich erreichen, müssen wir nur noch zur Gendarmerie, dort offiziell einklarieren und uns den ersehnten Stempel in den Pass holen.
Eigentlich ist also alles bereit: die Papiere, die Einreiseformalitäten, die Vorfreude auf festen Boden unter den Füßen – und wahrscheinlich auch schon die ersten Gedanken an ein kaltes Getränk und etwas richtig Frisches zu essen.
Nur einer scheint es nicht besonders eilig zu haben: der Wind.
Aber nach fast 4.000 Seemeilen Pazifik kommt es auf ein paar Stunden oder einen Tag mehr wohl auch nicht mehr an.
Also Angel raus, Horizont beobachten und weiter Richtung Westen.
Irgendwann müssen diese verdammten Inseln schließlich vor uns auftauchen.Read more




TravelerHallo Udo, Du bist ein richtig guter Schriftsteller! Es ist so interessant Deine Tagesberichte zu lesen. Und man kann sich dank Deiner sehr ausführlichen Beschreibungen viele Situationen gut nachvollziehen und sich virstellen!
TravelerTrotzdem habe ich vollen Respekt für Eure Entscheidung eine sooo lange Überfahrt zu den grünen Inseln zu wagen - dem Wind und dem Pazifik ausgeliefert -. Ich hoffe für Euch, dass der Wind Euch nicht so lange im Stich lässt und ihr bald Land seht und gut ankommt! Liebe Grüsse aus Dortmund von Petra und Uli
Udo HertelKeine Angst, wir werden schon ankommen 😎