• Tag 180, 280 Km/23103 Km

    25. februar 2025, Congo ⋅ ☁️ 30 °C

    Am späten Abend reinige ich den Motorkühler, unzählige Schmetterlinge haben leider auf dem Kühler ihren Tod gefunden. Sehr schade aber leider gab es keine Chance den vielen Tieren auszuweichen. Auch bekomme ich am Abend eine Nachricht der Bank: das Geld, welches abgebucht wurde aber nicht aus dem Automaten kam wurde zurückgebucht. Zum Glück habe ich mich am Vormittag direkt in der Filiale der Bank beschwert, damit gerechnet, dass die kongolesische Bank das Geld zurückbucht, habe ich jedoch nicht.
    Am nächsten Morgen geht es weiter, die Republik Kongo zieht sich länger als ich vorher gedacht habe und so steht heute wieder ein ganzer Fahrtag an. Die Landschaft bleibt spektakulär, weite Flächen bewachsen mit dichtem Gras und einzelnen Bäumen. In der Ferne ziehen pechschwarze Regenwolken auf, was die ganze Szenerie noch eindrucksvoller macht als die vielen Wochen wolkenfreier Himmel. An der Straße gibt es immer mal wieder einen Schwarzmarkt mit Benzin aus Fässern, falls irgendwann mal eine Tankstelle Diesel oder Benzin hat, wird dieser von den Anwohnern direkt leergekauft und anschließend für den doppelten Preis an der Straße angeboten. Auf dem Schwarzmarkt gibt es auch heute nur Benzin, keinen Diesel. Ich halte an jeder Tankstelle an, die es auf dem Weg gibt, auch an denen die abgesperrt sind und frage nach Diesel, oft werde ich schon von weitem weitergewunken. Jeder sagt das gleiche: "In der nächsten Stadt gibt es welchen" ist dann aber nicht so. An einem Checkpoint werde ich angehalten, diesmal nicht um meinen Pass zu zeigen, sondern um eine junge Frau mit ihrem Kind mit ins nächste Dorf zu nehmen. Ich spüre, dass der Regen kurz davor ist anzufangen, also nehme ich die beiden mit. Als sie im nächsten Dorf aussteigen fängt es an zu schütten. Der Scheibenwischer läuft rund 10 Sekunden auf maximaler Stufe als plötzlich die Plastikaufhängung eines der beiden Scheibenwischerbläter bricht. Ich muss anhalten und bei strömendem Regen aussteigen, der Schirm hat bei dem Sturm überhaupt keine Wirkung, innerhalb von Sekunden bin ich komplett nass. Damit ich wenigstens weiterfahren kann reiße ich das gesamte Wischerblatt ab und fahre total durchnässt erstmal nur mit einem Scheibenwischer weiter. Irgendwann kommt eine Tankstelle, es gibt natürlich auch hier keinen Diesel aber wenigstens ein Dach. Ich habe drei Ersatzscheibenwischer dabei und auch drei neue Plastikhalter, bekomme an der Tankstelle alles repariert. Kurze Zeit später sehe ich an einer weiteren Tankstelle ein Fahrzeug tanken. Es gibt tatsächlich Diesel! Nachdem ich in der Republik Kongo eine Strecke gefahren bin, die soweit ist wie von Hamburg nach München gibt es hier tatsächlich den ersten Diesel, ich habe an jeder einzelnen Tankstelle bis hierher gefragt. Ich fülle alles auf und finde kurze Zeit später eine Bank, deren Automat tatsächlich auch noch Geld ausgibt. Auch finde ich eine Ananas am Straßenrand, die Versorgung wird für mich also langsam besser. Bisher empfinde ich die Versorgungslage in der Republik Kongo als die schlechteste von ganz Afrika, es mangelt an allem.
    Am Nachmittag erreiche ich mein Tagesziel, ein Hotel mitten im Nirgendwo, das beste der ganzen Republik Kongo. Vielleicht gibt es kein besseres Hotel im Umkreis von 1000 Kilometern. Pfaue laufen durch den Garten, es gibt einen offenen Ballsaal und ein gehobenes Restaurant, es ist unglaublich chic. Es ist nur leider niemand anwesend, kein Personal, kein Gast, das Hotel ist komplett verwaist. Bei strömendem Regen laufe ich 15 Minuten durch den Hotelkomplex und finde niemanden. Es stehen einzelne Geländewagen auf dem Hof, bei näherem Hinschauen sind alle kaputt oder haben platte Reifen. Die Autos wurden irgendwann mal hergefahren und dann vergessen. Ich will eigentlich schon fahren, als ich in einem der Gebäude dann doch jemanden antreffe. Die Zimmer sollen 100€ die Nacht kosten, für 15€ kann ich im Auto schlafen. Es wird eine Dame ins Restaurant beordert um mir Essen zu kochen, das Essen schmeckt überraschend gut. Im Restaurant steht der Weihnachtsbaum noch immer in der Ecke, in der Bar gibt es nur noch ein paar halbleere Flaschen mit Hochprozentigem. Nicht zum ersten Mal auf der Reise frage ich mich, wozu dieser Ort wohl dienen mag.
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