• Über die Südkarpaten nach Bulgarien

    Apr 27–30 in Romania ⛅ 16 °C

    Nach dem entspannten Wochenende in Sibiu geht es für mich wieder weiter Richtung Osten. Die nächsten Tage stehen ganz im Zeichen der Südkarpaten. Fast ständig begleiten mich die schneebedeckten Gipfel des Făgăraș-Gebirge am Horizont, während die Strecke über ruhige Nebenstraßen, durch kleine Dörfer und über weite Wiesenlandschaften führt. Immer wieder wechseln sich sanfte Hügel mit längeren Anstiegen ab und obwohl die Etappen erneut einige Höhenmeter mitbringen, fühlt sich das Fahren deutlich entspannter an als noch im wilden Apuseni-Gebirge.

    Gleichzeitig endet in diesen Tagen bereits der erste Monat der Reise.
    Seit dem Start in Glauchau liegen inzwischen über 1.800 Kilometer, unzählige Eindrücke und ganz unterschiedliche Landschaften hinter mir. Vom kalten Erzgebirge über die ruhigen Abschnitte entlang der Donau bis hinein in die wilden Berge Rumäniens verändert sich die Reise ständig und genau das macht sie bisher so besonders.

    Je weiter ich mich den Bergen nähere, desto beeindruckender wird die Landschaft. Besonders der Abschnitt rund um Bran bleibt mir in Erinnerung. Die Passstraße führt zwischen dem Bucegi- und dem Piatra-Craiului-Gebirge hindurch und eröffnet immer wieder spektakuläre Ausblicke auf die umliegenden Gipfel. Der lange Anstieg zieht sich zwar spürbar, doch der neue Asphalt und die Aussicht machen ihn fast angenehm.

    Mit einem Schlag verändert sich dort aber auch die Atmosphäre. Nach vielen ruhigen Tagen in kleinen Dörfern und einsamen Landschaften wirkt Bran beinahe überlaufen. Rund um das berühmte Schloss Bran, das oft mit der Dracula-Legende in Verbindung gebracht wird, drängen sich plötzlich Reisegruppen, Souvenirstände und Ausflugsbusse durch den kleinen Ort. Nach der Einsamkeit der vergangenen Tage fühlt sich dieser Kontrast fast unwirklich an.

    Hinter der Passhöhe folgt schließlich eine lange Abfahrt durch eine enge Schlucht. Nach den vielen Stunden bergauf ist es einer dieser Momente, in denen das Radfahren besonders leicht wirkt. Die Straße windet sich zwischen steilen Felsen talwärts und mit jedem Kilometer werden die Berge langsam flacher.

    Am folgenden Tag verlasse ich die Karpaten endgültig und rolle hinaus in die Walachei. Die Landschaft verändert sich erneut spürbar. Zwischen kleinen Dörfern und blühenden Obstplantagen geht es größtenteils bergab Richtung Süden. Gleichzeitig macht sich aber auch das Wetter bemerkbar. Starker Gegenwind kündigt bereits an, dass sich die Wetterlage verschlechtert.
    Eigentlich hatte ich geplant, weiter bis zur bulgarischen Grenze zu fahren. Doch der angekündigte Regen und die Aussicht auf lange, flache Kilometer bei schlechtem Wetter bringen mich spontan zum Umdenken. In der Nähe von Târgoviște nehme ich mir eine Unterkunft und entscheide mich am nächsten Morgen stattdessen für den Zug.

    Die Fahrt ist überraschend unkompliziert, günstig und entspannt. Während draußen graue Wolken und Regen vorbeiziehen, rolle ich diesmal nicht mit dem Fahrrad, sondern auf Schienen weiter Richtung Süden und erreiche wenig später bereits Bulgarien.
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