Tag 2: Menschen, Musik und Starterset
March 21 in Portugal ⋅ ☁️ 17 °C
S‘ist 20.45 Uhr. Hinter mir liegt ein Tag, der wirklich ein schöner war. Ich wusste garnicht wie entwöhnt ich war von Jubel-Trubel-Heiterkeit. Mit Jubel-Trubel-Heiterkeit meine ich eine Stimmung in der Stadt, die aus Gelassenheit, Fröhlichkeit und Lachen besteht. Wirklich wahr, viele gut gelaunte Menschen, viel Musik und viele lachende Gesichter. Ich weiss nicht, wie ich’s beschreiben soll. Auf neudeutsch würde man sagen, dass die „Vibes“ in der Stadt „mega touchy“ und „crazy“ waren. Oder sind’s einfach die Frühlingsgefühle, die die Menschheit im allgemeinen überkommt, wenn die Sonne am Himmel steht und es angenehm warm ist. Egal wie man’s nennt, war einfach eine tolle Stimmung.
Angefangen hat mein Tag mit dem Gang (exakterweise: dem Abstieg) zur Kathedrale. 9 Uhr war ich dort. Wo es diese Stempelkarte genau geben sollte, dass wusste ich nicht. Das Problem klärte sich jedoch schon beim Eintreffen auf dem Platz, als mehrere Rucksack bepackte Menschen zielgerichtet in eine Tür neben der Kathedrale gingen. Ich hinterher und „zack“ war ich stolzer Besitzer einer Stempelkarte mit dem wunderbar leicht auszusprechenden Namen „Credencial de Peregrinos a Santiago de Compostela“. Zusätzlich zur Karte gibt‘s gegen geringes Geld eben jene Muschel, welche als Wegweiser uns Pilger (ich sag trotzdem „uns“, obwohl ich mich nicht so richtig als Pilger im katholischen Sinn sehe) den Weg nach Santiago zeigt. Was es mit der Muschel auf sich hat weiss ich gar nicht. Sie sieht aus wie das Markenlogo des Shell Mineralölkonzerns. Obschon ich ausschließen mag, dass Shell irgendetwas mit dem Pilgersymbol zu tun hat. Aber wer weiß? Gutes Lobbying und ein guter Draht nach oben hat noch keinem Unternehmen geschadet.
Auf der Muschel ist ein rotes Kreuz aufgemalt. Kein „normales“ Kreuz, sondern es sieht eher aus wie eine Art Dolch mit langer Klinge, einer Parierstange und einem Griff. Fachkundige unter den Lesern dieser Zeilen werden nun den Kopf schütteln und sich Haare raufend fragen ob denn der Schwarzwälder Bub überhaupt keine Ahnung vom Pilgern hat.
Nee, hat er nicht! Bin tatsächlich völlig unbedarft dessen, was ich hier tue. Ich lauf’ einfach los und lass‘ mich überraschen. Zumindest bin ich offen für alles was mir auf meinem Weg widerfahren sollte. Schau‘n m‘ mal!
Nun aber weiter im Tag. Mit dem Kauf der Stempelkarte war mein heutiges Pflichtprogramm erledigt.
Ab da hatte ich quasi Urlaub. Und was macht man als Urlauber in einer fremden Stadt? Genau: Stadtrundfahrt!l
Da ich gerne alles mit einem Schlag erledige, buchte ich sowohl eine Stadtrundfahrt, einen Besuch in einer Portweinkellerei und eine Bootstour auf dem Douro. Die Ergebnisse und Eindrücke sind in den Fotos festgehalten.
Was unbedingt erwähnt werden sollte sind die vielen MusikerInnen. An fast jeder Ecke standen oder saßen Musiker. Alleine, als Band oder als Chor. Wirklich toll. Wie auch gestern gab‘s alle Stufen des Könnens. Da gab‘s Julio mit dem Cello an der Kathedrale. Barbara mit der Gitarre am Fluß. Beide super professionell. Es gab jedoch auch Luis (oder Louis, das weiss ich nicht genau). Luis mit seinem Es-Piston (Trompete/Flügelhorn), ohne Instagram Account und ohne eigene CD wie Julio und Barbarba). Ein Typ eher vom Schlag eines Alfons (der gestrige Flötenspieler). Im Rahmen seiner Möglichkeiten sehr bemüht.
Überrascht und fasziniert war ich von Gruppen junger Frauen, alle gleich gekleidet, alle mit Gitarren und Schlagwerk ausgestattet, die an verschiedenen Orten der Stadt ihre Lieder sangen. Und wie sie das machten! Wirklich super, super toll.
Die erste Gruppe solcher Damen traf ich am Bahnhof. So viele musizierenden und im Chor singenden junge Frauen fallen auf. Diese Fröhlichkeit, diese Lebhaftigkeit mit der die Lieder vorgetragen wurden. Das wir richtig ansteckend. Nach zwei, drei Liedern machten die Damen Pause und ich mich auf Weg zum Fluß hinunter. Unten angekommen stand da wieder ein Gruppe junger Frauen. Gleich gekleidet wie die am Bahnhof, ebenfalls mit Gitarren „bewaffnet“. Ich war ganz perplex. Ich fühlte mich wie in der Geschichte mit dem Hasen und Igel. Ich war der Hase und die Damen der (die) Igel. Die waren doch gerade eben noch am Bahnhof?! Wie kommen die denn so schnell an den Fluß? Die Lösung lag im Detail bzw. im genaueren Hinsehen. Kleidung und Ausstattung war die gleiche, jedoch waren es mehr und es fehlte das Akkordeon. Ergebnis meines Nachsinnens: Das ist ein anderer Chor. Aber was machen so viele gleich aussehende, musizierende und singende junge Damen in der Stadt. Wo kommen die denn her? Eine junge Frau, die augenscheinlich zum Chor gehörte ging mit einem Hut herum und sammelte „Applaus“. Natürlich nahm ich die junge Dame ins „Kreuzverhör“. Allerdings erst nachdem ich ausreichend „Applaus“ gespendet hatte. Des Rätsels Lösung: All diese Damen sind Studentinnen. Die Damen jedes Chores gehören einer Fachrichtung an. Die Damen am Bahnhof waren alles Medizinstudentinnen. Die am Fluß waren/sind Studentinnen der Wirtschaftswissenschaft. Anscheinend haben alle Studiengänge so einen Chor. Je einen Männer- und einen Frauenchor (wobei ich keine Männerchöre gesehen hab). Die Damen treten auf und sammeln Spenden für ihr Studium und deren Studiengang. Hmmh, das klingt so ganz anders als wir es von unseren bundesdeutschen Studierenden hören/kennen. …weiteren Ausführungen zu dem Für-und-Wider dieser oder jener Art des Studieren in D und/oder P entsage ich mich… …aus Gründen .
Oha! Die Zeit fliegt! Nun ist schon 21.45 Uhr! Ich muss zum Ende kommen.
Porto, das war‘s!
Morgen beginnt mein Weg nach Santiago de Compostela.
Bon Camino!Read more


























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