2.Etappe: Glas halbvoll & Glas halbleer
March 23 in Portugal ⋅ ☀️ 11 °C
Glas halbvoll und Glas halbleer, das bin ich (das halbvolle) und Alfred (das halbleere).
Beide zusammen waren wir heute unterwegs. Von 9 Uhr bis 15 Uhr.
Und was ist das vollkommen untypischste was zwei Männer auf einer Wanderung tun?
Genau! Reden!
Und zwar miteinander! Und zwar dauernd!
Tatsächlich hatten sich der Schwabe und der Badenser komplette 6 Stunden unterhalten. Und zwar ohne -nennenswerte- Pause.
Ich weiß, ich weiß, das klingt so abwegig und ein bisschen wie Science Fiction, aber tatsächlich gab es auf der gesamten Tagesetappe keine fünf Minuten, in denen Glas halbvoll und Glas halbleer nicht miteinander kommunizierten.
Aber wieso halbvoll und halbleer?
Ich, der Badenser, der bekennende Optimist, für den das Glas immer halbvoll ist.
Alfred, der überzeugte Schwabe und bekennender Bedenkenträger und Doppeltabsicherer, für den das Glas immer halbleer ist.
Beide reich an Lebens- und Erfahrungsjahren. Erfahrungen, die jeder der beiden, je nach „Glas Füllstand“ mal so oder mal so sah.
Vieles des Gesagten ist privat und sollte deshalb hier keinen Eingang finden.
Nur soviel: Es war echt lustig. Es war interessant und auch informativ.
Es ging von Osteopathinen, die durch Handauflegen körperliche Schmerzzustände und Blockaden lösen.
Von Technik(Daten) Verweigerung (halbleer) bis zur Preisung der technischen Möglichkeiten (halbvoll).
Von „das Leben muss mann genießen“ (halbvoll) bis hin zur schwäbischen Knausrigkeit (halbleer) „Ich bleibe nicht in Santiago über Ostern, denn am Karfreitag morgens um 7 Uhr geht ein Flug nach Hause für 23 Euro. Als Schwabe muss ich diesen billigen Flug nehmen, das ist genetisch so festgelegt.“
Viele, viele Themen unserer Leben wurden aus den Blickwinkeln von halbvoll und halbleer analysiert, diskutiert und akzeptiert.
Wenn der Camino für etwas steht, dann ist es sicherlich eine Konversation wie sie Alfred und ich heute führten.
Und das alles bei herrlichem Sonnenschein und blühenden Landschaften.
Morgen trennen sich unsere Wege. Alfred hat eine Etappe von rd. 40 KM vor der Brust. Ich mach diese Etappe auch, allerdings aufgeteilt auf zwei Tage. Und da der Schwabe unbedingt am Karfreitag morgens um 7 Uhr losfliegen muss, da der Flug nur 23 Euro kostet, werden wir uns auf dem Camino wohl nicht mehr wiedersehen.
Zum Abschluss des Tages waren Alfred und ich in einem Thai Restaurant essen. Für Alfred war es das erste Mal in seinem fortgeschrittenen Leben, dass er ein asiatisches (Thai) Restaurant betrat. Ob denn immer Reis bei den Gerichten dabei sei und ob er auch was für sich finden würde. Aber er war mutig wie Don Quichot und ein Mann der Tat.
Zwei Erkenntnisse des Abends.
Der wenig Technik affine Alfred war vom Google Übersetzer begeistert, denn mit dem konnte er die Speisekarte „lesen“ (übersetzten).
Die zweite Erkenntnis war, dass thailändisches Essen sehr gut schmeckt.
Und so standen wir nachher vor dem Thai und der Schwabe, von denen man weiß, dass Schwaben mit Lob spärlich umgehen (Nit g‘schumpfe, isch au g‘nug g‘lobt) lies sich zu der Äusserung hinreisen „Des war jetzd richtig guat.“
Und so wünsche ich allen und mir „Ä guet‘s Nächtle.“ 😁Read more


















Traveler
😎👍
TravelerBadner, nit Badenser ☝️😉