• 3.Etappe: Der 3. Tag! Wie geht‘s?

    Mar 24–29 in Portugal ⋅ ☀️ 12 °C

    Tag 3 auf dem Camino. Bei mir ist‘s so, dass der dritte Tag derjenige ist, an dem sich entscheidet wie die Tour läuft. Was machen die Füße, die Schultern? Passt‘s mit den Schuhen? Zuviele Kilos im Rucksack?
    Gestern Abend nach rd. 20 Kilometern hatte sich meine Schulter gut angefühlt. Das Gewicht auf dem Rücken schien machbar zu sein.
    Und der Gehapparat?
    Was macht der Gehapparat?
    Na ja, mein Becken und meine Hüftgelenke sind auch nach 20 Kilometern am zweiten Tag Camino für extatische Hüftschwünge bei zu bennenden körperlichen Tätigkeiten voll umfänglich zu gebrauchen.
    Meine Beine? Hmmh…. da muss ich differenzieren. Die Beine, sprich Oberschenkel, Knie und Waden, fühlen sich an, bereit zu sein bis an‘s Ende der Welt zu wandern. Also kein Problem!
    Anders sieht es bei meinen Füßen aus.
    Nein, bis dato keine Blasen. Die Füße fühlten sich gestern Abend stark beansprucht und sehr müde an. Und ja, sie schmerzten auch. Jedoch aushaltbar.
    Heute morgen bis nach dem Frühstück auch. Als ich jedoch alles eingepackt und den Rucksack geschultert hatte, machte mein rechter Fuß „dicht“. „Dicht“ heisst bei meinem rechten Fuß, dass die Unterseite (Fußwölbung) ganz hart wird und die Oberseite druckempfindlich ist und schmerzt. Sch..ße! Das konnte/kann ich ja garnicht gebrauchen. Diese Situation mit dem Fuß der „dicht“ macht kenn ich. Ist eben mein persönlicher Schwachpunkt. Was da hilft? Na ja, auf jeden Fall kein gutes Zureden und auch keine Fußmassage. Was wirklich hilft ist Diclofenac (Entzündung bekämpfendes Schmerzmittel). So schmiß ich mir denn eine Diclo ein und machte mich auf den Weg zu meiner dritten Etappe. Die ersten fünf Kilometer lief ich wie auf Eiern. Sehr unrund und leicht humpelnd. Es wurde jedoch stetig besser und die Verkrampfung im Fußgewölbe löste sich langsam aber sicher auf. Als ich dann mein Pilgerfrühstück (siehe Foto) in einem Cafe am Wegesrand einnahm, war die Welt wieder in Ordnung. Mal schauen wie‘s morgen aussieht! Mein Körper und ich dürfen gespannt sein, wie sich mein rechter Fuß morgen früh gibt.

    Was die Kommunikation anbelangt, so dachte ich, dass ein Solo-Tag mal ganz angenehm wäre. Gestern und vorgestern waren sehr kommunikationsintensive Tage (was ich per se sehr mag). Mein Vorsatz heute den Schweigefuchs zu geben hielt bis kurz vor dem Pilgerfrühstück Café, als ich auf ein junges Pärchen aus Düsseldorf traf. Als dann am Frühstück noch „mein“ Alfred von gestern und das australische Paar von vorgestern auftauchten, war‘s um meine Selbstkasteiung in Sachen „Schnauze halten“ geschehen.
    Irgendwann zogen alle weiter und ich beendete mein Frühstück, stand auf und schulterte meinen Rucksack. Keine hundert Meter weiter traf ich auf Greta. Greta, eine Solo-Pilgerin aus Deutschland, die ebenfalls an ihrem dritten Pilgertag war. Sie starte von Porto aus auf die Küstenroute und schwenkte gestern auf die Inlandsroute um. Wir unterhielten uns über das „Warum“ der Wahl der Route und über die bisherigen Übernachtungen. Es stellte sich heraus, das Greta sich erst vor einer Woche entschlossen hatte den Camino zu gehen. Sie hatte sich nicht monatelang vorher informiert, Routen geplant und Unterkünfte gebucht (wie viele von uns, inkl. meiner Person). Sie ging die Sache wirklich jungfräulich unbedarft an. Sie wolle sich nicht auf Streckenabschnitte festlegen und auch nicht an Buchungen gebunden sein. Ihr Rucksack wiegt schlappe 6 kg. Sie hatte alles rausgeschmissen, was ich noch mit mir rumtrage, wie z.B. Herbergsschlafsack, Regenponcho, Powerbank und Taschenlampe. Sie wolle sich mit so wenige wie möglich belasten, so ihre Aussage.
    Und na ja, wie ich schon mal schrieb, haben doch einige hier auf dem Camino ihre persönlichen Beweggründe den Camino zu laufen. So auch Greta. Greta ist eine junge Frau mit Mann, Kindern, Beruf und sozialem Umfeld. Und doch gibt es da was, was an ihr „nagt“. Ihr wurde geraten sich zu bewegen. An die frische Luft zu gehen, genauer gesagt „andere Luft zu schnuppern“. Irgendwie ist sie so auf den Camino gekommen. Welches „Päckchen“ Greta mit sich trägt weiß ich, doch möchte ich auch hier -wie bei Alfred- es beim Allgemeinen belassen.
    S‘isch wie‘s isch‘ und s‘isch gut so.
    Greta und ich wanderten munter plaudernd auf dem Camino und irgendwie, irgendwann trafen wir alle „meine“ früheren Begegnungen wieder. Das australische Pärchen, welches immer wieder Pausen machte. Alfred, der sich verlaufen hatte und auch das Pärchen aus Düsseldorf. Es war ein munteres hin-und-her.
    Mittags kamen wir an ein derart idyllisches Plätzchen, dass es in jeden Rosamunde Pilcher Herz-Schmerz-Thriller passen würde. Ein alte Steinbrücke spannte sich über einen Fluß. Der Fluß war an einem Wehr gestaut, an dem eine alte Mühle stand. Kitsch pur. Ein absolutes Postkartenmotiv. Da ich (wir) viel zu früh dran waren (ich konnte erst ab 14 Uhr ins Hotel) beschlossen wir an diesem Plätzchen Mittagspause zu machen. Es war der Fotoshooting Platz Nr. 1! Jeder und jede, die vorbeikamen, wollten -und wurden- abgelichtet. In allen Variationen und Posen.
    Nur ins Wasser, da wollte nur Greta. Ein zweite Damen, deren Namen ich nicht kenne, gesellte sich zu uns. Greta und sie waren sich einig „Da müssen wir rein.“ Ich hatte „unglücklicherweise“ meine Badehose nicht dabei, so dass ich mit der Ausrede „FKK ist nicht mein Ding“ aus dem Ganzkörper plantschen rausreden konnte. Die Damen sprangen und schwammen. Greta war hin-und-weg und andere Dame japste, denn das Wasser war echt kalt. Richtig kalt. Ich streckte meine Füße ins Wasser und kam mir vor wie in einem Kneip-Becken. Altersgerecht!
    Irgendwann war das Plantschen vorbei und wir machten uns auf den Weg zu unserem Zielort. Ich musste rechts abbiegen und Greta geradeaus.
    Bevor ich den endgültigen Weg in mein „Zuhause“ einschlagen wollte, würde ich gerne noch ein gehopftes Kaltgetränk der Marke Super Bock zu mir nehmen, so war mein Gedanke, als ich die Tür zu einem kleinen Restaurant am Straßenrand aufstieß. Und wer saß da drin? Die beiden Australier. Wieder großes „Hallo!“ und schon ging die Konversation weiter.
    Wirklich lustig wie sich hier die Menschen begegnen. Für eine kurz Zeit, sei es für den ganzen Camino oder nur für einzelne Abschnitte bilden sich kleine Familien. Man trifft sich, tauscht sich aus, trennt sich und trifft sich im Laufe des Tages wieder. Sehr nett.
    Als sehr nett stellt sich auch meine heutige Herberge heraus. Von außen wie ein kleines Schloß. Mit Zinnen und großem Eingangstor. In den Fotos sind Eindrücke zu sehen.

    Für mich schließt sich nun der Tag.
    …ach ich vergaß: Heute hat sich die erste Blase an einem Zeh gebildet.

    So dürfen wir gespannt sein was Blase und rechter Fuß für mich am morgigen Tag bereithalten.

    Bon Camino.
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