6.Etappe:DerCamino versorgt seine Pilger
March 27 in Portugal ⋅ ☀️ 11 °C
„The Camino provides!“
Das ist eine Losung, die immer und immer wieder gesagt wird.
Sinngemäß bedeutet er: „Der Camino versorgt seine Pilger.“
Er drückt aus, dass man/frau/divers sich keine Sorgen machen solle, der Camino wird dafür sorgen, dass alles gut geht.
Ich hatte in meinen vorigen Beiträgen schon Menschen erwähnt, die mit diesem „The Camino provides.“ bis nach Santiago wandern. Beispielsweise Runa, die Brasilianerin, die Unterkunft und Essen fand in Situationen, welche für sie schwierig waren. Da ist Greta aus Deutschland, die quasi ohne Plan einfach losgegangen ist und hier auf dem Weg viele tolle Erfahrungen macht und ebenfalls immer einen Platz zum Schlafen und Freunde findet.
Auch mir, dem Mann, der alles durchgeplant hat, ist es heute so ergangen, dass der Camino sich um mich gekümmert und mich versorgt hat. Dazu später mehr.
Den heutigen Betrag -und die Fotos- möchte ich deshalb nicht den Menschen widmen, denen ich begegnet bin, sondern dem was am Camino alles angeboten wird, um genau jenen Spruch zu erfüllen „Der Camino sorgt für seine Pilger.“
Heute ist der sechste Tag auf dem Camino. Mit ihm stand heute die bis dato längste Strecke (rd. 23 km) und der Grenzübertritt von Portugal nach Spanien an.
Bevor ich von der Wanderung selbst erzähle noch ein paar Worte zu meiner gestrigen Unterbringung. Es war lausig kalt. Es war eine Nacht im Kühlschrank. Der kleine elektrische Heizer war ja ganz nett, aber eher ein Spielzeug. Das Kaminfeuer war schön an zu schauen, aber nicht wirklich den Raum erwärmend (anhaltend erwärmend). Drei Decken bedeckten meinen wunderbaren Körper, so dass dieser schön warm durch die Nacht kam. Nachts auf Toilette gehen war jedesmal ein „Hallo-wach-Erlebnis“. Der Boden war eisekalt. Auch die Sache mit heißem Wasser für Dusche und Zähne war eine echte Herausforderung. Ich drehte den Wasser voll auf „heiß“ und lies das Wasser minutenlang laufen. Irgendwann wurde es dann warm, nur um wenig später wieder kalt zu werden. Dann wurde es wieder warm und dann wieder kalt. Mein Trick war dann, dass ich die kalten Phasen nutzte um mich ein zu seifen und die Zähne zu putzen, um dann wenn das Wasser warm wurde alles auszuspülen.
Jedenfalls wurde mit sehr bewusst, dass ich gerne eine funktionierende Dusche und ein warmes Zimmer hätte. Warmes Zimmer schon alleine wegen meiner abendlichen Kleiderwäsche, damit diese über Nacht trocknen konnte.
So saß ich am -übersichtlichen- Frühstückstisch und ging meine nächsten Stationen bzw. Buchungen durch. Denn ich hatte im Kopf, dass ich zwecks authentischem Pilgerfeeling mehrere Übernachtungen in Mehrbettzimmer mit Gemeinschaftsduschen gebucht hatte. Tatsächlich, ab übermorgen standen zwei solcher „Gemeinschaftsnächte“ an. Ei-jei-jei, das muss ich irgendwie anders hinbekommen. Also schrieb ich die Herbergen an und fragte nach Umbuchung auf Einzelzimmer mit eigenem Bad an. Eine Herberge hat sich bereits gemeldet -die für morgen- und mein Ansinnen verneint. Alle Einzelzimmer belegt.
Zum Glück gibt‘s booking.com. Keine fünf Minuten später hatte ich für morgen ein Zimmer in einem kleinen Hotel gebucht. Egal wie‘s ist, aber Gemeinschaftsnacht im Schlafsaal mit Gemeinschaftsbad, kann aber muss nicht sein.
Dies erledigt wurde der Rucksack geschnallt und auf ging‘s in die sechste Etappe.
Es war ein herrlicher Tag. Es gab viele schöne Passagen durch schöne Landschaft. Ein paar wenige führten entlang von Straßen, die immer ein etwas mulmiges Gefühl erzeugen, da man i.P. auf der Straße läuft, da keine Gehwege da.
Aber ich wollte ja nicht über die Wegbeschaffenheit schreiben sondern über „The Camino provides.“
Was also soll denn der Camino für seine Pilger tun?
Na ja, ganz vorne stehen wohl essen und schlafen.
Und in diesen beiden existenziellen Punkten ist auf den Camino verlaß!
In jedem Ort gibt es Kneipen. Diese Kneipen sind gleichzeitig Café und Dorftreff. Der soziale Klassiker eben. Mehrfach hatte ich schon Fotos von meinem „Pilger Frühstück“ gepostet. Und es ist wirklich so, fast jede Kneipe hat ein Hammerangebot an süßen Backwaren und belegten Broten. Und klaro, immer Kaffe, Wasser, -und für mich- eiskalte Cola. Ich find‘s jedes Mal super, wenn ich irgendwann zwischen 9 und 10 Uhr so ein Café anlaufen kann und mir ein süßes Teilchen nebst Kaffee und Cola genehmige.
Entlang des Weges hängen immer Schilder und Plakate für alle möglichen Angebote. Meistens sind es Herbergen und Pensionen, die sich anbieten. Dann sind es wieder Hinweisschilder auf Restaurants, die ein „Pilger Menü“ anbieten. So ein Pilger Menü hatte gestern Abend. 13 Euro! 13 Euro für 1 Flasche Wasser, 1 Suppe (großer Teller Gemüsesuppe), 1 halbes Hähnchen mit Pommes und Reis und als Abschluss gab‘s Cremé Catalan. Da kann der gemeine Pilger nicht meckern!
„ Der Camino versorgt seine Pilger!“
Neben Herbergen gibt‘s Schilder, welche Dienstleistungen wie z.B. Massagen anbieten. So kann der verspannte Pilger quasi auf dem Weg in den Pilgerhimmel sich noch schnell mal die Schultern und die Waden kneten lassen.
Taxiunternehmen sind ebenfalls vertreten. Es kann ja sein, dass der Körper irgendwo auf der Strecke sagt „Nö, mag nicht mehr!“. Dann ist so ein Taxi schon eine tolle Sache.
„Der Camino versorgt seine Pilger!“
Interessant fand ich die Geschäftsidee mit den Steinen. Hast Du einen Wunsch, nimm einen Stein und lege Geld in die Kasse (kein exakter Betrag ist genannt). Dass dieses Geschäftsmodell funktioniert konnte ich wenig später feststellen, als in einer Passage mit porösen Seitenwänden, überall Steine in Wandnischen gelegt waren.
Was der Glaube alles -möglich- macht!
Und: Der Camino versorgt seine Pilger auch mit außergewöhnlichen Dingen!
Irgendwann zwischen 18 und 20 Kilometern erreicht der Camino Portuguese Central (meine Innlandsroute) ihr Ende. In Valencia, der Grenzstadt zu Spanien, vereinigt sich der Camino Central mit dem Camino a Costa. Der Küsten-Camino ist bei Pilgern ebenfalls sehr beliebt, so dass ab Valencia die Anzahl der Pilger sich quasi verdoppelt. Ob verdoppelt kann ich nicht wirklich sagen, aber jedenfalls werden es ab jetzt erheblich mehr Pilger werden. Das heißt, der Weg wird voller. „Die Pilger-Familien“ werden neu durchmischt bzw. es entstehen neue Kurzzeit-Familien.
Ober aber, die Individualisierung nimmt zu, will sagen, je mehr Pilger desto weniger Kontakt untereinander. Auf’m Dorf grüßt noch jeder jeden, in der Stadt -mit vielen Menschen- eher nicht. Ich werde berichten.
Für mich hieß es „Ciao Portugal“, „Hallo Spanien“. Tui, das ist das spanische Gegenstück zum portugiesischen Valencia. Hier in Tui war/ist mein Zuhause für diese Nacht.
Und ja meine lieben interessierten MitleserInnen, der Camino hat auch mich versorgt!
Es war heiß heute, die Wanderung lang. Die Füße glühten in den Schuhen, An den Ellenbogen hab ich mir einen saftigen Sonnenbrand eingefangen. Als auf dem Weg immer wieder mal solche Anzeigen für eine Massage auftauchten, dachte ich, „Mensch, so eine Fußmassage, das wäre was tolles“.
Und was soll ich sagen? Der Camino versorgt mein Füße!
Mein Hotel, welches ich auch über booking.com gebucht hatte, war kein normales Hotel mit Rezeption, Lobby etc.. Nee, irgendwann bekam ich eine Nachricht, dass mein Zimmer bereit sei und ich zwei Zugangscodes für den Eingang und für‘s Zimmer bräuchte. Hähhh, dachte ich, wieso Zugangscodes, das ist doch ein Hotel?! Ist denn da niemand da?.
Die Codes wurden wir gesendet und Nein, es gibt kein Personal. Außerdem liegt es zwar direkt am Camino, aber ansonsten ziemlich ausserhalb der Stadt.
Was es allerdings wett macht ist auf den Videos zu sehen.
In der Nachricht des Hotels stand auch, dass sie den Whirlpool eingeschaltet hätten, Diesem Satz hatte ich keine Bedeutung geschenkt, da ein Whirlpool für mich kein Auswahlkriterium ist.
Aaaaaaber als ich dann in vor dem blubbernden Ungetüm stand, wurde ein Traum wahr.
Neben wunderbarer Waschmöglichkeit für meine schweißigen Klamotten, bestand die absolut berauschende Möglichkeit meinen gesamten Körper ein zu tauchen. Und da waren ja noch die Massagedüsen. Und vor allem die „Jet“ Taste!! Auf „Jet“ gedrückt und das Wasser verwandelte sich in einen Blubber-Orkan. Wie wunderbar waren diese Massagedüsen. Der Druck war hervorragend. Füsse, Waden, Schultern alles wurde mehrfach via Jet-Stream durchgewalkt.
So ging mein Wunsch nach Massage tatsächlich in Erfüllung.
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Traveler
… und was ist mit Matratzen?
TravelerAfrika ist überall!
Traveler
👍