13.Etappe: Grande Finale | Der Einzug!
April 3 in Spain ⋅ ☀️ 17 °C
Ausgebremst!
Ich war fast 5 Stunden gewandert und nur noch von dem Wunsch getrieben, das obligatorische Bild vor der Kathedrale zu machen, 0 Kilometer Stein zu finden und mein Pilger-Zertifikat abzuholen.
Ich war gedanklich im Zu-Ende-bring-Tunnel!
Und dann stand da der Polizeiwagen und blockiert meinen Wunsch die Reise abzuschließen. Ich war echt „angepisst“.
Ich lief um‘s Auto herum und wollte wissen weshalb die Herren mit Gewehren die Zufahrt blockierten.
Weiter vorne war eine Karfreitagsprozession im Gange. So eine Semana Santa Prozession mit Kapuzenmännern, Altären und Musik.
Eigentlich toll, aber wieso müssen die ausgerechnet jetzt ne Prozession machen, wenn ich zur Kathedrale will. Und wieso ausgerechnet auf meiner Strecke?!
Wie gesagt, ich wollte einfach fertig werden und war „not amused“ über diese Verhinderung meines Wunsches.
Aber was soll‘s. Aufregen lohnt sich nicht und der liebe Gott hat uns Geduld geschenkt, um diese auch zu leben.
Und so lebte ich die Geduld und formulierte die Prozession gedanklich um, nicht als Behinderung sondern als meine ganz persönliches Willkommens- und Einzugsprozession. Gedanklich die Situation gedreht schon war das ganz echt ne coole Sache.
250 km von Porto hierher gelaufen, mit dem Plan am Karfreitag in Santiago einzulaufen, nur um dann mit einer Karfreitagsprozession empfangen zu werden.
Besser geht‘s nimmer!!!
Susan, meine Leipziger Freundin, war auch bei der Prozession und hatte mich im Wirrwarr der Maskenträger entdeckt. Da sie schon länger in Santiago war kannte sich sich aus und bugsierte mich durch Seitenstraßen auf den Platz vor der Kathedrale.
Hier stand ich nun! Auf dem Platz auf dem alle Pilger, egal aus welcher Himmelsrichtung, ihren Rucksack abwerfen, hunderte von Fotos in allen möglichen Positionen machen und einfach glücklich und stolz sind es geschafft zu haben. Viele liegen einfach auf dem Boden, den Rucksack im Rücken und geben sich minutenlang, stundenlang dem Gefühl hin angekommen zu sein.
Ich war der „minutenlang“ Typ, will sagen, wir machten Fotos, aber ich lag nicht auf dem Boden an den Rucksack gelehnt. Ich wollte die Pilgerreise nun abschließen, eine runde Sache daraus machen.
Dazu gehören definitiv die Zertifikate, welche jeder Pilger bekommt, sofern er sich im Pilgerbüro registriert.
Mit Susan im Schlepptau ging‘s dann los, das Pilgerbüro zu suchen und mich in die Bürokratie zu stürzen.
Nun ja, in Santiago kommen täglich Pilger an. Die Verwaltung ist es gewöhnt, dass Pilgerandrang herrscht. Und so haben die es ganz gut gelöst.
In einem Raum stehen Computer. Dort gibt man seine Daten ein: Name, Pilgerweg, Art des Pilgern (Fuß, Fahrrad o.ä.), Beginn, Ende. Ist alles drin, spuckt der Computer eine Nummer aus. Mit dieser Nummer stellt sich der bußfertige Pilger in eine Schlange und starrt auf einen große Bildschirm. Dort werden die Nummern aufgerufen und einem Bearbeitungsschalter zu gewiesen. Alles ging relativ zügig und so stand ich schon bald am Schalter 6 und reichte Pilgerpass und gezogene Nummer der Dame. Die Daten wurden abgeglichen, auf „Enter“ gedrückt und schon spuckte der Drucker zwei wunderschöne Pilgerzertifikate aus. Wieso 2? Keine Ahnung wieso zwei. Jedenfalls ist eines in spanisch und eines auf Latein. Tolle Sache!
Nun war ich -bin ich- zertifizierter Pilger und Mitglied der Pilgergemeinschaft des Heiligen Jakobus zu Santiago de Compostela.
Den Rest des Tages erzählen die Fotos.
Ich werden noch zwei oder drei Footprints schreiben.
Einen über die Tage in Santiago de Compostela und einen mit einem „Best-Of“ und Resümee des Camio Portugues.
Die Uhr zeigt genau Mitternacht. 0 Uhr. Es ist Ostersonntag.
Mal sehen was (ob) der Osterhase für Eier ins sonntägliche Nest legt.Read more




















TravelerHerzlichen Glückwunsch: Wieder alles richtig gemacht. Ich war am 29.5.2024 auf dem Platz. Einfach großartig: Emotionaler Höhepunkt. Ostergrüße aus dem hohen Norden
Glückwunsch! [Holger]
TravelerHerzlichen Glückwunsch und noch ä scheene Ostern