• This isch P-A-R-A-D-I-S-E !

    June 15 in Germany ⋅ ☀️ 20 °C

    …s‘ist 19.45 h und ich liege pappsatt auf‘m Bett.
    Was gab‘s beim Ochsenwirt für den pilgernden Radler?
    Ein Klassiker: Cordon Bleu mit Spätzle und Salat!
    So darf‘s sein nach einer langen Radtour.

    Wie ging sie denn los die Radtour?
    Heute morgen so gegen 7 Uhr bestieg ich den gut bepackten Drahtesel. Vor mir meine erste Etappe und gleichzeitig die Etappe, die die meisten Höhenm hat.
    Grundsätzlich hatte ich die Etappen bis zum Start des offiziellen Pilgerweges (Rottenburg am Neckar) und ab dem Ende (Einsiedeln) immer mit so rund 70 km kalkuliert. Wieso 70 Kilometer?
    Ich fahr‘ mit meinem E-Bike. Das Bike hat einen Akku von 650 Watt, was einer zirka-Reichweite von 60 - 80 Kilometer entspricht. Je nach Geländeprofil der Route. Im Schwarzwald sind‘s ja immer Berg-und-Tal Routen. Mal mit mehr, mal mit weniger Steigungen. Aber Steigungen gibt‘s immer und das nicht zu knapp. Heute waren ca. 1.400 Höhenmeter und rund 69 Kilometer kalkuliert. Von all den kalkulierten Etappen war dies diejenige mit den meisten Höhenmeter.
    Ich wusste also was mir bevorstand. Ob eine Akk-Ladung reichen würde?
    S‘ war ein bisschen Lotto spielen. Bis dato hatte ich den Akku noch nie komplett leer gefahren. Und fahren ohne Akku, d.h. ohne Strom, das will man sich nicht antun. Wirklich nicht!

    Das Wetter war fantastisch. Morgens noch recht frisch, mit einem teilweise heftigen Wind.
    Die Route führte von Glottertal, über Buchholz, Freiamt, Gscheid ins Kinzigtal. Vom Kinzigtal ging‘s nochmal über‘n Berg ins Wolfachtal (Wolftal).

    Meine lieben Leserinnen und Leser, der Schwarzwald ist wirklich fantastisch. Also diese Landschaft ist wirklich, wirklich eine Augenweide für die Seele. Die Fotos können nur bedingt wiedergeben, welch Ausblicke in die Weite geboten werden. Wälder, Weiden, Kühe, Höfe alles wie gemalt. Heile Welt (aus der Sicht eines Radlers, der nicht in die Häuser und in die Menschen sieht, denen er begegnet)!

    Schnappatmung gab‘s am Aufstieg in Richtung Gscheid. Diejenigen, die die Strecke kennen wissen welche Stelle ich meine. Es gibt einen extrem steilen Anstieg. Es ist keine Waldstraße oder befestigter Weg. Es ist in ausgetretener Pfad am Wiesenrand, der je nach Witterung staubtrocken oder matschig ist. Tatsächlich ist es für mich ein Glücksfall, wenn ich dort ohne Absteigen hochkomme (Erfahrung aus früheren Fahrten). Als ich am Aufstieg ankam war ich motiviert es bis hoch zu schaffen. Der Boden war sehr trocken und übersät mit Steinen und Geröll. Ich also rein in die Pedale. Na ja, was soll ich sagen, irgendwo bei der Hälfte fand mein Hinterrad keinen Halt mehr, rutschte weg und der hoch motivierte Radler musste absteigen. Mitten im Hang. Mit voll beladenem Fahrrad.
    Was gab‘s für Möglichkeiten? Keine! Nur die Eine: Schieben! Und so schob der keuchende, japsende Meinrad-Pilger, Herz klopfend und fluchend seinen Drahtesel nach oben. Ich sag‘s mal so: Muss ich nicht öfters haben!
    Oben angekommen wartete eine Bank und die erste -wohlverdiente- Pause auf mich. Und die Aussicht! Diese Aussicht ist wirklich unbeschreiblich. Grandios.

    Nach zwei Handvoll Studentenfutter und Wasser ging‘s weiter. So gegen 11.30 kam ich in Haslach i. Kinzigtal an. Mittagspause! Genutzt für Speis und Trank und kauf von Sonnencreme. Der Akku zeigte ca. halbvoll an. Gut, dachte ich, das sollte bis zum Ochsenwirt in Schapbach reichen. ….na ja….

    Von Haslach ging‘s den Kinzigtal-Radweg flußaufwärts nach Hausach. Irgendwann ging‘s rechts weg, denn ich musste nochmal über einen Höhenzug rüber, ins Tal der Wolfach. Also nochmal Höhenmeter, und zwar viele Höhenmeter auf wenig Strecke.
    Ich hatten den Weißsattel (höchster Punkt zwischen Kinzig und Wolfach) fast erreicht, als mein Akku noch zwei Balken anzeigte. Diese änderten die Farbe von blau auf rot. Oha! Reserve! Es waren da noch ungefähr 15 Kilometer bis Schapbach. Allerdings Waldstraßen-Kilometer, d.h. auf-und-ab. Ab diesem Zeitpunkt fuhr ich ausschließlich in den Fahrmodi Tour und Eco. Das Motto lautete von da an: Strom sparen. Oberschenkel ins Intensivtraining versetzten.
    Ach ja, meine Pobacken. Während es bei der Wanderung von Porto nach Santiago die Füße waren, die meiner erhöhten Aufmerksamkeit bedurften, sind ist heute die Pobacken. Also wenn ich mit dieser Tour durch bin, kann ich Nüsse knacken mit meinen Pobacken. Bis dahin werden die beiden echt strapaziert.
    Die Pobacken brannten, die Beine kurbelten und mein Blick wechselte von Akku-Anzeige zum Kilometer-to-go Anzeige hin und her.
    Irgendwann war nur noch ein roter Balken auf der Anzeige und die Kilometerangabe meldete 12 km bis zum Ochsenwirt. Das wird spannend! 12 Kilometer mit einem Balken, im Wald!? Mal schauen was draus wird. Im schlimmsten Fall ist halt der Strom weg und ich muss wie beim Bio-Bike mit reiner Muskelkraft in die Pedale treten. Was grundsätzlich kein Problem ist auf ebener Strecke oder bei leichtem Anstieg.
    Ich dachte „scheißegal“ da musste durch. Also Kopf nach unten und radeln, radeln, radeln.
    Die Kilometer schmolzen dahin. Der rote Balken blieb. 9-8-5-4-3 Kilometer und immer noch hatte ich Saft aus dem Akku. Dann kamen die finalen 1000 Meter. Als ich den Ochsenwirt sah und ich noch so ca. 100 m zu fahren hatte, dachte ich „Scheiß drauf, jetzt testen wir wie weit der Akku noch reicht“. Also von Eco auf eMtb geschalten und rein die Pedale. Die Pedale machten keine 5 Umdrehungen, der Ochsenwirt lag vielleicht noch 30 m von mir entfernt, da sagte der Akku: Aus! Leer! Nixe mehr!
    Mit der Kraft der zwei Beine fuhr ich absolut zufrieden (und froh am Ziel zu sein) auf den Hof des Ochsenwirt.
    Was war das doch für eine coole Sache! Der Akku hatte gehalten! Die letzten Bio-Bike-Meter spielen keine Rolle. Suuuper!
    Bei einem -wohl verdienten- alkoholfreien Weizen, dankte ich dem Heiligen Meinrad und seinem Chef, dass er den Stromfluß in meinem Akku so wunderbar gehaushaltet hat.

    Der Ausblick für morgen zeigt ein ähnliches Szenario wie heute. Geplante 72 km mit 1.200 Höhenmeter. Es wird das gleiche Spiel wie heute.
    Unterschied: Menschen sind ja lernfähige Wesen. Und ich hab heute gelernt, dass ich mir in der Mittagspause eine Steckdose suche und ich nicht nur mir, sondern auch meinem Akku etwas „zu essen“ gebe.

    Wie‘s wird? Ich werde berichte!

    Wünsche eine angenehme sommerlich-lauschige Gute Nacht!
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