• Tag2: L404-Hagebutte-Neckar

    June 16 in Germany ⋅ ☁️ 23 °C

    S‘isch g‘schafft!
    Die Berge und Täler des Schwarzwaldes sind bezwungen.
    Jetzt sitzen meine, mit Arnika-Body-Butter eingecremten Pobacken in einem Hotel in Rottenburg am Neckar.

    Wie war der Tag?
    Definitiv anders als erwartet.
    Vor allem was das Wetter anbelangte.
    In meinem ersten Footprint postete ich die Wettervorhersage für diese Woche. Eitel Sonnenschein alle Tage.
    Doch was war das heute Morgen?
    Keine Sonne über‘m Wolfachtal. Bedeckter Himmel.
    Na ja, dachte ich, das wird sich geben.
    Mit dieser grundpositiven Einstellung und im Glauben an die virtuelle Wettervorhersage cremte ich alle wesentlichen Stellen meines Körpers mit Lichtschutzfaktor 50 ein.
    Das war denn so überflüssig wie Wasser in einen Bach zu tragen.
    Denn als ich mein Rad -welches ich inzwischen Fury getrauft hab- sattelte, fing‘s an zu regnen. Kein Platzregen. Immer nur leichte doch stetige Tropfen. So eine Kacke! Was tun? Warten?
    Hmm, ich hatte über 70 km vor mir, da machte Warten keinen Sinn. Also kramte ich die Regenjacke aus meiner Radtasche. Natürlich war die ganz zuunterst, denn ich dachte ja, dass ich dieses Kleidungsstück am allerwenigsten brauchen würde.
    Welch‘ eine Fehleinschätzung.
    Die Regenjacke wurde zu meinem Ganztages-Begleiter.
    Ei-jei-jei, es regnete mal mehr mal weniger. Es gab sogar Regenpausen. Ab Mittag war‘s jedoch rum mit Pausen und die letzten 30 Kilometer war‘s Dauerregen.
    Ausser, dass es natürlich bei Sonnenschein immer schöner ist unterwegs zu sein, ging‘s ganz gut. Jacke war dicht, kein Wind und doch angenehme Temperaturen.

    Als die Sache mit der Regenjacke geklärt war, ging‘s an die heutige Route und die Planung, so wie sie Komoot mir vorgeschlagen hatte.
    Ich wusste von Schapbach ging‘s steil nach oben bis nach Freudenstadt. Dem höchsten Punkt des heutigen Tages. Komoot hatte mir eine Route zusammengestellt, die zwar immer im Wald und auf Nebenstraßen verlief, doch immer wieder auf die Verbindungsstraße Schapbach - Freudenstadt, die L 404 stieß.
    Da der Mensch ein lernendes Wesen ist und im konkreten Fall nicht unkalkuliert Strom (Watt) verballern wollte, entschied ich mich, die gesamte Strecke nach Freudenstadt auf der L 404 zu fahren. Diese von Komoot geplant Links-rechts-hoch-an-den-Hängen würde einfach zu viel Akku fressen. Und das schon gleich zu Anfang der Tour.
    Ergo: L 404! Und ich hab‘s nicht bereut. Höhenmeter sind Höhenmeter. Das Ziel -Freudenstadt- war gesetzt, nur der Weg war dieses Mal nicht Waldboden, sondern geteerte Straße.
    Zum Glück war wenig los auf der Straße. Tatsächlich wurde ich von nur wenigen Fahrzeugen überholt. Es kamen mir mehr entgegen als von hinten überholend.
    Aber eins muss ich sagen, dieser Qualm, dieser Gestank, dieser Lärm der Fahrzeuge, NEIN DANKE, wenn‘s irgendwie geht vermeiden.
    So saß ich denn auf meinem Rad, Regen von oben, Gestank von der Seite, Kopf nach unten und Beine kurbelnd.
    Wie immer im Leben, hat jede Steigung mal sein Ende. Dieses Ende hieß in meinem Fall Zwieselberg. Ein kleiner Ort oben auf der Höhe, kurz vor Freudenstadt. Ab da ging‘s dann wieder auf wunderbaren Waldstraßen in Richtung Rottenburg.
    Mittagspause war in Glatten, einem Ortsteil von Freudenstadt. Es kristallisiert sich heraus, dass Bäckereien, welche an einen Supermarkt angeschlossen sind, die idealen Anlaufstellen sind.
    Sie haben Cola, was Süßes, was Herzhaftes… …und… …eine freie Steckdose… …und saubere Toiletten. Perfekt!
    So gab‘s für beide Futter. Für Fury gab‘s Strom und für den Pilger gab‘s Cola mit Beilage.
    Guten 45 Minuten später ging‘s im Dauerregen weiter, noch 40 Kilometer to go. Irgendwann, irgendwie schmolzen die Kilometer dahin. Komoot mit seiner Routenführung war Grütze, meine Gangschaltung muckt (sie überspringt Gänge bzw. schaltet erst garnicht), doch was soll‘s, irgendwann bog ich auf den Neckarradweg ein, an dem mein Tagesziel Rottenburg lag/liegt.

    Und jetzt? Jetzt sitzt ich im Hotel. Draußen ist der Himmel blau und die schräg stehende Sonne sendet wunderbar wärmende Strahlen in mein Zimmer.
    Die Heizkörper hängen voll mit Klamotten. Musste alles mal durchspülen. Entweder war alles nass vom Regen oder vom Schweiß. Hinzu kam/kommt der Dreck, da ich keine Schutzbleche habe. Ts, ts, ts, irgendwas fehlt immer, und wenn‘s nur Schmutzabweiser sind.

    Morgen geht‘s los!
    Der eigentliche Grund meines Hiersein.
    Der MeinRadweg.
    Hier in Rottenburg (bzw. in der Umgebung) wurde Meinrad kurz vor 800 geboren. Im alemannischen, der damals vorherrschende Sprache, hieß Meinrad = Meginrat. Meginrat bedeutete „großer Ratgeber“. Tja und morgen geht‘s als erstes in die Taufkirche von Meinrad, der Sülchenkirche. Dort gibt‘s den Pilgerpass, einen ersten Stempel und noch so einiges anderes vom Heiligen Meinrad.
    Etappenziel ist Hechingen. Das sind rund 23 entspannte Kilometer.

    Und was sagt die Wettervorhersage: ☀️☀️☀️
    Und was sag ich dazu: 😁😁😁

    Bis morgen!
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