Arsch am Arsch!
June 18 in Germany ⋅ ☀️ 20 °C
S‘isch so! Diese umgangssprachlichen 3 Worte sind genau das, was ich heute dachte, als ich in Beuron vom Fahrrad stieg.
In war heute morgen schon kurz nach sieben Uhr auf der Straße. Ich wusste, ich hab rund 70 Kilometer zu fahren, habe zwei Alb-Aufstiege vor der Brust und es wird ein heißer Tag.
Von den rund 70 Kilometer war nur ein ganz geringer Anteil Wald bzw. Schatten, der größte Teil fuhr ich auf geteerten Straßen. Wahrscheinlich hatten das die Planer des MeinRadweges so ausgetüftelt, da heute ja viele Kirchen auf dem Programm standen.
Was bzw. welche ich alle besucht hatte, lass‘ ich der Länge wegen weg.
Zwei Dinge, nein, drei Dinge, in Sachen Kirche, welche Weltanschauungen in Frage stellten bzw. bestätigten.
Erstens: Ich sag immer, wenn ich irgendwo eine Kneipe/Gastwirtschaft suche, halte ich Ausschau nach dem Kirchturm. Bei jeder (?!) Kirche ist ne Kneipe/Gasthof nebendran -so meine unumstößliche Lebensweisheit-.
Im Schwabenlande nicht! Bei keiner der von mir besuchten Kirchen (ausser Beuron) war ne Kneipe nebendran. Ausnahme war die evangelische Kirche in Balingen, da war ein Döner und eine Eisdiele nebenbei.
Zweitens: Alle Kirchen sind kalt (Temperatur). Jawoll! Da war ich heute Gott-froh d‘rum. Im wahrsten Sinn des Wortes eine coole Sache.
Drittens: Neben jeder Kirche gibt es Toiletten. Ja, ist so! Ich hab in den vergangen Tagen schon zweimal Gebrauch von dem Angebot gemacht. Auch heute war ich dringend auf der Suche nach einem stillen Örtchen. Die nächst gelegene Anlaufstelle war die katholische Kirche in Balingen. Und Tatsache, nebendran waren saubere, gut ausgestattete Toiletten. Alles ohne Schlüssel und ohne dafür bezahlen zu müssen. Feine Sache!
Das ist übrigens im Glottertal auch so, nur nimmt man dies nicht wo wahr, weil man sie nicht braucht.
Zusammenfassung: 3 Erkenntnisgewinne, die sich ins tägliche Leben einbauen lassen.
Und sonst? Ja, ansonsten hab ich mich gefragt, wie es denn all die anderen machen. Die anderen Radfahrer. Ob die auch so schnaufen wie ich? Ob denen die Pobacken auch so brennen? Ob die, diese Tourenlängen (ca. 70 Kilometer pro Tag) einfach so wegstecken?
Und das womöglich ohne E (ohne Strom = BioBike) tun?
Ich für mich kann ausschließen, diese Tour ohne eBike machen zu können. Das geht -für mich- ganzgarnimmernicht.
Mit anderen Pilgern hatte ich tatsächlich noch keinen (0,0) Kontakt. Grundsätzlich sind Radpilger nicht von „normalen“ Radlern zu unterscheiden und grundsätzlich ist sehr wenig los auf den Radwegen.
Die wenigen, die man trifft, sind kommunikationstechnisch echt schwäbisch, die sagen nix und gucken grantig. Ob das nun schwäbisch ist oder nicht (ich liebe ja die Schwaben), aber auf jeden Fall ist‘s -für mich- auffallend. Es wird nicht gegrüßt und es gibt kein Smalltalk. Das totale Gegenteil von der Pilgerwanderung Porto-Santiago.
Nett war heute eine Begegnung mit den Fleischfachverkäuferinnen der Metzgerei Mauch in Nusplingen.
Es war kurz vor halb Eins, als ich in Nusplingen einfuhr. Vor mir lag der zweite Alb-Aufstieg. Es war echt warm (heiß). Ich wollte noch irgendwo was trinken, was essen und mich runterkühlen, bevor‘s an den Aufstieg ging. In Nusplingen gab‘s/gibt‘s keinen Rewe, Edeka o.ä., die ich für eine Pause hätte nutzen können.
Was es gab war die Metzgerei Mauch. Ich also rein, ne Cola aus dem Kühlschrank und mir an der warmen Theke so eine Blätterteigschnecke mit Käse und Brät gekauft. Es war wunderbar herrlich kühl im Laden und so fragte ich die Damen, ob ich bei ihnen drin essen und trinken darf. „Ha Noi! Mir han scho g‘schlosse!“ Nach Klärung aller meiner Fragezeichen im Kopf, stellte sich heraus, das die Metzgerei Mauch pünktlich um 12.30 schließt und ich der letzte Kunde gewesen sei. Das war nun aber extrem doof! Ich also mein charmantestes Holzhändler-Lächeln aufgesetzt und den Damen meine Situation geschildert (Aufstieg-heiß-Durst-hungrig-runterkühlen). Da erweichten sich die Damen der Metzgerei Mauch für mein Ansinnen und meinten „Wisset‘ se, mir miesset nu putze. Un so lang mir putze, kennet sie nu da bleibe.“ Gesagt und schon schloßen die Damen die Ladentüre ab und gingen ans Putzen.
So verbrachte ich wunderbar kühle 20 Minuten mit Zucker&Schnecke (Cola&Blätterteig) und den putzenden Damen der Metzgerei Mauch.
Ich schloß dann selbst die Ladentüre auf und entfleuchte in den heißen Nachmittag zum letzen großen Alb-Aufstieg.
Und nun im Kloster Beuron.
Meine Pobacken sind fett eingecremt und werden mir diese Strapazen schon irgendwie, irgendwann verzeihen. Doch morgen müssen sie schon wieder ran. Allerdings hauptsächlich abwärts -so der Plan-. An den schönen Bodensee, auf die Insel Reichenau geht‘s. Der olle Meinrad war dort. Die Reichenau war von existenzieller Bedeutung für den jungen Meinrad. Morgen dazu mehr… …wen‘s interessiert.
Wünsche einen angenehmen schönen lauen Sommerabend mit wunderbar kühlen Getränken.Read more




























Traveler
und was hast Du genommen 😉?
Ding-Dong-Da
Gute Frage 😁! …und die Antwort? …ich sag‘s mal mit Bob Dylan: „The answer my friend, is blowing in the wind…“ 😄