Es Meinradelt!
June 19 in Germany ⋅ ☀️ 27 °C
Ein heißer Tag nimmt sein donnerndes Ende.
Bin auf der Reichenau angekommen und logiere im Mohren.
Nicht Ochs, nicht Bär, nicht Pelikan, sondern Mohren.
Warum dass sich der Mohren „Mohren“ nennen darf, trotz politisch supergrüner Kreisstadt Konstanz ist mir nicht bekannt. Vielleicht sollte man das mal bei bestimmten Stellen lancieren. Das wär’ doch mal ein schöner Shitstorm.
Ein Sturm braucht sich zusammen, da draussen über‘m Bodensee. Im Restaurant waren die Bedienungen ganz wuselig unterwegs. Das Restaurant/Hotel ist ausgebucht und der Garten -wo eigentlich alle sitzen wollen- wurde komplett abgeräumt und alles nach innen verlagert.
Da hab ich‘s als willfähriger, Pobacken-leidender Pilger einfacher. Ein Platz an der Theke hat mir gereicht. Hab bestimmt 1 1/2 Liter Johannisbeerschorle getrunken - nachdem ich vorhin schon zwei Weizen als Express-Löscher inhaliert hab‘-.
Heut war heiß! Glücklicherweise bin ich auf Kirchentour, denn die waren heute die Inseln der Glückseeligkeit. So wunderbar kühl. Genial.
Von Beuron ging‘s auf dem Donauradweg in Richtung Bodensee. Kurioserweise radelte ich flußaufwärts. Das hat mich denn doch irritiert. Ich dachte ich radle in Richtung Süden, da Konstanz/Reichenau ja südlich ist. Die Donau kommt -wie wir alle wissen- aus dem Brigach- und Bregtal (Donaueschingen), also quasi aus der Heimat. Das würde beim flußaufwärts radeln bedeuten, dass ich irgendwann in Donaueschingen ankommen würde. Bin ich aber nicht. S‘ ist die Reichenau geworden.
Bevor ich mich um‘s „Häh? Wieso? Warum?“ Gedanken machen konnte, stand ich schon vor der ersten Stempelstelle. Heute war Stempeltag!
Eine Menge an Radkirchen standen auf dem Programm. Radkirchen werden im Pilgerführer jene Kirchen genannt, bei denen der MeinRadweg vorbeiläuft und die Pilgerstempel ausgeben.
So machte ich heute Bekanntschaft mit durchaus vielen Dorfkirchen und deren Innenleben. Nicht bei allen trafen meine Beobachtungen/Analysen von gestern zu.
Es gab heute mehr Kneipen bei den Kirchen und weniger Toiletten. Kühl waren sie aber alle. Manche Kirchen lagen nur wenige Kilometer voneinander getrennt, waren jedoch komplett unterschiedlich. Nee, klaro, einen Altar und eine Orgel hatten selbstverständlich alle, aber die Bauweise, die Innengestaltung waren völlig anders.
Die Kirche des Heiligen St. Meinrad in Radolfszell ist weder von außen noch von innen schön. Und zwar schön, wie ich als Meinrad eine Kirche finde. Im Kircheninneren waren Gerüste aufgebaut, an den Spotstrahler hingen. Es hingen Segel (richtige Segelschiff-Segel) von der Decke und im Raum. Vor dem Altarraum hingen hunderte Taschentücher von der Decke. Alle unbenutzt, alle sauber, alle aus Stoff. Warum? Keine Ahnung. Alles in allem sah‘ es eher nach einer Event(Party)Kirche aus. Andere Kirchen waren wiederum die Klassiker. Opulent, viel Holz, Marmor, viel vergoldete und verzierte Statuen und Altäre.
Wenn man(n) -ich- bewußt so eine Kirche nach der anderen anschaut, dann stellt man(n) -ich- fest, dass alle die Abbildungen von Heiligen, die Statuen, die Gemälde, alle eher dunkel, trübe und wenig positiv sind. Alle gucken leidend, niemand lächelt! Niemals! Nirgendwo! Kein einziges lächelndes, positiv schauendes Gesicht auf allen Gemälden, Fresken, Statuen.
Da ist wirklich nix, überhaupt nix, von einer lebensbejahenden, liebenden Religion zu spüren/sehen. Alle leiden und gucken leidend.
Gesetzt den Fall wir bekommen Besuch von Outer Space, sagen wir mal aus dem Sternensystem der Plejaden. Die Wesen aus dem All landen bei uns und wollen ein bisschen Sightseeing machen. Dinge tun, die Touristen eben tun.
Wenn man denen erzählt, dass das höchste Gebot der kath. Kirche „Liebe Deinen Nächsten“ ist und dass Liebe, verzeihen können, Gemeinschaft bilden, sozial sein mit anderen, die Grundpfeiler dieser Religion sind, dann werden die Touristen aus dem All interessiert zuhören… …und völlig fassungslos bzw. verunsichert sein, wenn sie in den Kirchen in die Gesichter der Statuen/Figuren und in die Gemälde schauen.
Da ist aber auch überhaupt nichts von Liebe etc. zu sehen, sondern nur Leid, Tot und (Gries)Gram. Diese lieben Besucher aus dem Sternbild der Plejaden werden denken: „Ts, ts, ts, diese Menschen sind wirklich sonderbare Wesen. Reden von Liebe, von Verzeihen, von Vergebung, von Freude; malen und bildhauern jedoch das genaue Gegenteil.“ Und um‘s mal so zu sagen: Dieses“Missverhältnis“ macht es nicht einfach, die katholische Kirche interessant und cool zu finden. ….meine Sicht der Dinge.
Oha, jetzt hab ich aber viel wundersinniges Zeug geschrieben. Vielleicht‘s liegt‘s an dem Gewitter, welches vor dem Fenster tobt. Aber egal, für heute reicht‘s!
Morgen geht‘s in die Schweiz! Eine relativ kurze Etappe von der Reichenau ins Kloster Fischingen steht an. Läppische 60 Kilometer. Da kann ich noch zum Shoppen in Konstanz vorbei schauen.
Bis denne!Read more



























Traveler
… mit dem Charme einer Scheune!
TravelerGut beschrieben, das mit den griesgrämigen Fresken und Statuen
TravelerWillkommen in der Schweiz