• Tag12: Wunder - Wind - Wein

    September 15 in France 🌬 19 °C

    Was stellt sich als markanteste Veränderung beim Ritt in die Bretagne ein? Lange Hosen!
    Jawoll! Heute morgen wurde offiziell das Ende von Shorts und der Beginn der lange Hosen Zeit eingeläutet.
    In La Rochelle waren es noch heiße 30 Grad, die sich auch noch bis auf die Höhe von Rennes hielten. Dann aber, Richtung Englischem Kanal und Saint Malo, zog die Bewölkung auf und der Wind nahm zu. Am Cap Frehel war dann nix mehr mit zartem Wind durch lichtes Haar, sondern da blies der 2.000 Watt Föhn kräftig in die Geheimratsecken.
    Bevor der Wind jedoch den eitel Scheitel von rechts auf links und wuschel legte, waren noch einige Aufgaben zu erfüllen.

    Am Morgen unseres zwölften Rallyetages brachen wir in La Rochelle bei bestem Sommerwetter auf. Ziel der ersten Roadmission war die Kleinstadt Clisson. Das Dorf wird von der Festungsruine und einem Fluß dominiert. Über jenen Fluß führt eine Steinbrücke, von der -so die Roadbook Vorgabe- ein Foto zu schießen sein, welches Brücke, Team und Festung beinhaltet. Leider kann ich nicht mehr über die Festung berichten. Die Details und Hintergründe unserer ab zu lichtenden Roadmissions bleiben im Hintergrund, da schlichtweg zu wenig Zeit ist (oder wir zu faul sind) sich auf die einzelnen Punkte vorzubereiten.
    Nach Clisson wurde es spannend. Auf dem Programm stand die Fahrt in den mystischen Wald von Broceliante. Dort soll -das ist Wahrheit- der Magier Merlin begraben sein. Merlin? Kenner und Kennerinnen der Arthussage wissen von Merlin und den Rittern der Tafelrunde. Unzählige Male verfilmt (Kind Arthur aus 2004) und in Büchern verewigt (z.B. Nebel von Avalon), ist Merlin, Arthus, Lancelot und die restliche Gang, Teil meiner Jugend. Und nun stand tatsächlich der Besuch des Grabes eben jenes Magiers an. Ein mystisch-esoterische Mission, die da heute im Roadbook stand.
    Im Wald von Broceliante angekommen bot sich uns ein eher unspektakuläres Bild. Ein kleiner Parkplatz, Wald und Pfade durch den Wald. Es gab Erklärbärschilder über die Geschichte.
    Wie es sich für das Grab eines Magiers gehörte, lagen da einfach zwei große Steine, die per Hinweistafel als Merlins Grabdeckel bezeichnet wurde. Da Magie sich jedoch nicht um irdisches Brimborium schert, sondern in der Welt der Mystik und transzendalen Sphäre zu Hause ist, darf dem äußerlich wahrnehmbaren Gebilde kein Bedeutung zugemessen werden. Es ist das Feinstoffliche was zählt. Das was zwischen den materialisierten Dingen schwingt. Und da, sehr geehrte Leserinen und Leser, war vieles zu spüren: Sonne, leichter Wind, Laub das raschelte, Staub der aufwirbelte… …und dann… ..irgendwo zwischen all diesen Dingen ein zartes „Abrakadabra-3x-schwarzer Kater“ . Der Hammer!
    Den Zugang zu diesem mystischen Gefühl und zu diesem Ort suchen anscheinend einige „Gläubige“, denn zwischen den Steinen lagen Zeichen von Ritualen. Da lag geflochtene Ringe aus Gras, Federn und metallischer Schmuck. Tolle Sache!
    Da die älteren Herren von Team 89 zwar Merlins Grab besuchten um die Roadmission zu erfüllen, so lag deren Augenmerk doch mehr „Brunnen der ewigen Jugend“. Ja, den gibt es: Brunnen der ewigen Jugend. Auf einer Hinweistafel wurde dieser Brunnen genau bezeichnet und erklärt. Und ganz ehrlich, wer würde nicht der Versuchung erliegen, sich ein bisschen Verjüngung zu gönnen? Vor allem wenn man selbst zu der Ü60 Generation zählt. Also war für Claus und ich klar: da müssen wir hin!
    Nur wenige Meter durch den Wald standen wir dann vor einem mit Steinen eingefasste Loch in der Erde… …trocken! Ja, trocken! Da floß kein ewige Jugend verheißendes Wasser in ein Becken. Es gab noch nassen Schlamm, doch das war alles. Unser Fazit: Es gab/gibt einfach zu viele Verjüngung suchende Menschen. Die haben den Brunnen sprichwörtlich leer gesoffen.
    Frei nach dem Motto: „Bange machen gilt nicht“ und „Man hat erst verloren wenn man aufgibt.“ fasste ich mir den Mut und stieg in den Brunnen hinab.
    Die beruhigende Information vorweg: Ich wurde nicht in den Schlund der Abgründe gesogen, sondern stand recht fest und aufrecht auf dem feuchten Schlamm.
    Allgemein gebildet wie man es einem Ü60ziger zutrauen kann, war ein Grundwissen über Heilerde und Fango-Packungen vorhanden. Somit war klar was zu tun war: In homöopathischen Mengen wurde eben jener, vom Wasser der ewigen Jungend durchtränkte, Schlamm entnommen und in die Ü60 Falten des Schwarzwaldbubs‘ massiert.
    Ob die Heilerde ihre verjüngende Macht entfaltet hat? … … … … …kommet… …sehet… …staunt 😁
    Nachdem dieses Abenteuer bestanden war ging‘s in Richtung Cap Frehel. Cap Fehel, genauer der Leuchtturm, war das Ziel, welches unser Roadbook als Detour Misson ausgab.
    Mit Cap Fehel und Saint Malo als Endziel waren wir in der Bretagne angekommen. Mit Ankunft in der Bretagne verabschiedete sich der Sommer und Herbst hieß uns willkommen.
    Wir trafen in Saint Malo bei Ebbe ein. Wer noch nie hier war sollte dies tun. Die Ebbe gibt hunderte Meter Strand frei. Boote liegen trocken. Kiter, Schwimmer, Strandläufer und Fotokünstler tummeln sich auf dem sandigen Boden und auf dem niedrigen Wasser. Es ist wirklich ein ausserordentliches Vergnügen mit nackten Füßen den Strand entlang zu laufen. Doch Achtung! Die Flut kommt schnell. Kaum eine Vorwarnung. Das Wasser läuft stetig und beständig auf. Sandburgen und in Sand gemalte Grüße werden in Null-komma-nix überspült. Wirklich erlebenswert!
    Tja und dann kam was unweigerlich kommen musste: Bretonische Austern!
    Über Geschmack lässt sich streiten. Über den von Austern sowieso. Sie schmecken nach nichts. Manchmal mehr nach Salzwasser mal weniger. Hier in Saint Malo lernten wir, dass es sogar mehrere Sorten von Austern gibt. Alle haben weibliche Namen. Die Austern welche wir genossen haben hörten auf den Namen „Celine“. Die Celine‘ waren durch Zitrone und einer Vinegrette eine vortreffliche Vorspeise. Als Hauptspeise hatten wir Chateaubriand gewählt. Ein Stück Rindfleisch in Pfeffersauce. Wir kamen d‘rauf Chateaubriand zu bestellen, da unser Weg von La Rochelle nach Saint Malo uns an dem Ort Chateaubriand vorbei führte. Ob der Ort mit dem Rind und dem Fleisch etwas zu tun hat ist uns nicht bekannt, aber wir fanden‘s interessant Fahrt und Fleisch miteinander zu verbinden.

    Sodele nun reicht‘s. Hab ganz schön viel geschrieben. Viel Quatsch und vielleicht auch etwas Belustigendes.

    Heute geht‘s Richtung Osten. Mont St. Michel, Omaha Beach und einige andere Andenken an den Zweiten Weltkrieg stehen auf dem Programm. Und, wenn wir wollen und der Dicke noch Diesel hat, an die weißen Klippen von Eterat.

    Wünsche einen wunderbaren Tag.
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