• Tag13: Der Kreis schließt sich. Finaltag!

    September 16 in France 🌙 16 °C

    Tag 14 und damit der Finaltag der EUROPEAN 5000 ist angebrochen.
    Mein Schreibplatz ist heute morgen in Zimmer 12 des Campanile Hotels in Saint-Quentin in Haute France. Haute France wahlweise als Ober Frankreich oder Hoch Frankreich zu übersetzen.
    Um 8 Uhr geht‘s los zur letzten Etappe (Stage 14). Die Fahrt geht über Frankreich, Belgien (Ardennen), Luxemburg nach Deutschland. Ziellinie ist Kloster Machern in der Nähe von Bernkastel-Kues.
    Auf dem Weg sind noch drei Roadmissions zu erledigen. Task of the day und Special Event sind im Prinzip identisch, denn beide Aufgaben beinhalten das Erreichen und Überfahren der Zielline. Damit ist die EUROPEAN 5000 in 2026 für Team #89 Geschichte.

    Was war gestern an Tag 13?
    Los ging‘s im windigen Saint Malo. Die zu fahren Strecke bzw. die zu erfüllenden Roadmissions lagen allesamt entlang der Küstenlinie. Von der Bretagne ging es in die Normandie.
    Und natürlich darf Le Mont-Saint-Michel nicht fehlen. Das letzte -und erste- Mal als ich diese von den Gezeiten umspülte Abtei besuchte war vor 38 Jahren. Damals mit den Studienkumpels Ede und Willi. Zum Abschluß unserer Studienzeit gönnten wir uns drei Wochen Interrail. Sowohl die Normandie wie auch die Bretagne lagen damals auf unserer Route. In den 80ziger Jahren gab es eine Reihe von Bombenanschlägen in Frankreich. Ziel war damals die Touristeninfrastruktur und -soweit ich mich erinnere- vor allem Ziele, an denen man amerikanische Touristen treffen konnte. Damals initiierte das französische Tourismusbüro eine Plakataktion, die da lautete „English Spoken Welcome!“. Wir waren jung, interessiert, frei und so machten wir diesen Slogan „English Spoken Welcome“ zu unserem Motto. Wir quatschten alle und alles an was Englisch sprach und weiblich war. Wir erklärten uns zu Botschaftern der Willkommenskultur. Warum erzähl ich das? Na ja, irgendwie ist mir bleibend in Erinnerung, dass wir auf der Zugfahrt nach Mont-Saint-Michel mit Amerikanerinnen ins Gespräch kamen. Die waren völlig fasziniert von Europa, von Mont-Saint-Michel und auch ein bisschen von uns.
    Und auch wir waren durchaus beeindruckt von Mont-Saint-Michel. Es war damals schon ein Hot Spot des Tourismus, doch Nichts im Vergleich zu heute. Heute werden die (Auto) Touristen schon weit vor Mont-Saint-Michel abgefangen und auf riesige Parkplätze gelotst. Via Shuttle geht‘s dann an die Küste und zur Abtei. Damals war es noch wirklich so, dass Mont-Saint-Michel nur bei Ebbe erreicht werden konnte. Bei Flut war die Zufahrt vom Festland auf die Insel immer überspült. Ich habe gehört, dass dem mittlerweile nicht mehr so ist und man zu jeder Tageszeit trockenen Fußes auf den Mont-Saint-Michel gelangt.
    Wir, d.h. Team #89, wollten Mont-Saint-Michel besuchen, waren aber von der „Touristen-Lenkung“ wenig begeistert. So gab‘s nur ein paar Fotos für‘s Roadbook und weiter ging die Fahrt.
    Bei der Fahrt entlang der Küsten kommt unweigerlich ein Teil Geschichte, die Europa und die Welt nachhaltig geprägt hat. Der 2.Weltkrieg und hier die Landung der Alliierten in der Normandie.
    Im Juni vor 82 Jahren landeten die Truppen an verschieden Strandabschnitten. Tausende Männer verloren ihr Leben. Den Strandabschnitt, den wir besuchten, war Omaha Beach. Hier landeten die Amerikaner.
    Der Gedenkort ist gut gestaltet. Sehr gerne hätte wir hier -und an den anderen Küstenabschnitten- längere Zeit verbracht. Leider war das bei unserem Tagespensum nicht möglich.

    Hier wo ich jetzt gerade sitze, im Zimmer 12 des Campanile Hotels, Saint-Quentin, ist auf der anderen Straßenseite ein großer Soldatenfriedhof. Viele, viele, viele weißen Kreuz gedenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege.
    Es ist unglaublich wie vielen jungen Menschen (aus allen Ländern) dieser Krieg die Jugend, das Leben und die Zukunft gekostet hat. Aller Zukunft beraubt starben diese Männer an den Landungsstränden, den Bunkern, auf dem Feld. Wirklich, wirklich traurig.
    Krieg ist das absolut beschissenste was es gibt. Es nimmt den Menschen die Zukunft, zerstört alles und nützt keinem. Und diejenigen, die das alles anzetteln, bleiben im Zweifelsfall verschont, spüren nie die Angst des gemeinen Soldaten, spüren nie die Last des Mordens. Echte Scheiß-Typen.
    Meine Zeilen sollen nicht als pazifistische Rede verstanden werden. Ich bin schon der Auffassung, dass man solch kriegstümmelnden Typen die Stirn -und damit militärische Stärke- bieten muss. Immer nur nachgeben und hoffen, dass diese Typen irgendwann mal aufhören, dass ist eine nette, aber komplett realitätsfremde Vorstellung.
    Puhh… …da bin ich jetzt aber deutlich von unserem Rallyetag abgekommen. Doch es macht was mit einem, wenn man an den Kriegsgräbern und den Kriegsschauplätzen vorbeifährt.

    Die Landungsplätze der Alliierten hinter uns lassend ging‘s zur letzte Detour Mission der Rallye. Die Alabasterfelsen von Etretat. Ähnlich wie die weißen Klippen von Dover oder die auf Rügen gibt es auch in Frankreich solche steil abstürzenden Felsklippen in leuchtendem Weiß.
    Schön, doch überlaufen!
    Generell gilt bzw. galt, dass all diese wunderbaren Plätze und Sehenswürdigkeiten nur selten mit entsprechender Ruhe, Gelassenheit und Freude besichtigt werden konnten. Oft war schon die Suche nach dem Parkplatz ein echtes Glücksspiel und Hetzerei. Da blieb nicht viel Zeit für das sinnliche Aufsaugen des Platzes, der Landschaft.

    Dies führt mich zu einem ersten Resume der Rallye.
    Klasse! Europa ist klasse! Wunderschön! Vielfältig, gut, nett, freundlich, abwechslungsreich.
    Wir leben schon auf einem schönen Fleckchen Erde.
    In den letzten 13 Tagen haben wir einen Querschnitt von Kerneuropa erfahren dürfen. Coole Sache!
    Das Roadbook und die zu erledigenden Aufgaben waren top und brachten uns an Orte und in Situationen, die man als „normaler Tourist“ so nicht sieht und erlebt.
    Anstrengend aber unabänderlich, waren die langen Rallyetage. Im Prinzip sind wir jeden Tag 10 Stunden im Auto gesessen und gefahren. Unterbrochen durch die Erfüllung der Aufgaben und gelegentliche Pausen. Wir, Claus und ich, machten i.P. nur einmal pro Tag Pause. Irgendwann um die 10 Uhr vormittags war Frühstückspause. Da gab es Kaffee und Croissant (o.ä.). Der Rest war fahren, schauen, fotografieren.

    Die Uhr zeigt 7.20! Zeit für den ersten Kaffee und für‘s Zusammenpacken. Finaltag!

    Wünsche allen einen wunderbaren Tag.

    P.S. T‘schuldigung, wenn dieser Footprint nicht ganz so locker, lebhaft ist, doch der Eindruck, den die Schlachtfelder und die gegenüber liegenden Kriegsgräber hinterlassen sitzt.
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