• N Kob - Tafetchna: Arm und Reich

    March 11, 2024 in Morocco ⋅ ☀️ 21 °C

    Alle guten Dinge sind drei, deswegen zog David heute Nacht mit einem verdorbenen Magen nach. Am Morgen machen wir daher entspannt und überlegen, ob wir heute überhaupt starten oder uns einen Restday genehmigen sollten. Die Zeit der Unschlüssigkeit überbrücken wir mit dem Säubern der Fahrräder und einem entspannten Frühstück, später gefolgt von einem Mittagsessen. Das wäre ja fast ein Brunch für uns Geburtstagskind Christoph geworden - mit Müsli und Nudel und dem zeitlichen Abstand, jedoch etwas unwürdig für den Anlass;)

    Nach dem Mittag steht der Entschluss, wir fahren heute nur eine kleine Strecke, 40 km bis zum nächsten Dorf mit Herberge. Der Wind ist uns auch wohl gesonnen und auf einer breiten Straße rauschen wir dahin, sehen Kamele und passieren nach einem kurzen Climb einen weiten Talkessel. Am Straßenrand finden wir einen einsamen Brunnen und überprüfen, ob dieser Wasser führt. Christoph trainiert dafür ein bisschen seine Oberarme, Wasser ist vorhanden, aber der Eimer muss bis zum Anschlag hinuntergelassen werden.

    Am Ortseingang von Tafetchna werden wir direkt abgefangen und uns wir eine Unterkunft mit Abendessen und Frühstück angeboten, der Preis erscheint uns allerdings etwas teuer und wir fahren weiter ins Dorf, auf der Suche nach einer anderen Herberge. Von denen, die auf unseren Karten eingezeichnet sind, scheint allerdings keine zu existieren. Wir kehren also zurück, verhandeln, schlagen das Frühstück und Abendessen aus und sollen am Ende das zahlen, was wir für richtig halten.

    Es folgt der obligatorische Tee, bei dem sich die beiden Männer, die uns 'eingeladen' haben, zu uns setzen und lange erzählen. Wir befinden uns auf dem Hof seines Vaters, der bereits die hundert Jahre überschritten hat, er selbst ist gerade ebenso wie seine Brüder hier, da morgen Ramadan beginnt. Wir sitzen noch draußen, bis es dunkel wird. Dann werden uns unsere Schlafplätze gezeigt. Wir erhalten sein Zimmer und er weicht in eine Art Wohnzimmer bzw. Durchgangshalle aus, wo später auch noch eine andere Person schläft. Die Bettenlage ist einfach - alle schlafen direkt auf dem Teppich auf dem Boden (und wir mit einer Isomatte dazwischen). Auch die Toilette oder das Bad? Wir wissen nicht, ob es noch ein anderen Raum zum Waschen gibt, sind sehr einfach gehalten (und für uns gewohnte Verhältnisse ganz schon dreckig). Vielleicht vergleichbar mit dem Stand eines Bauernhauses Anfang des 20. Jahrhundert in Deutschland? Und das, obwohl die Familie, die hier wohnt (großes Haus mit ebenso großem eingemauertem Garten), ein der wohlhabendsten im Dorf zu sein scheint. Wie sieht es wohl in den anderen Häusern aus? Wieder ein krasser Kontrast zum 40 km entfernten tourismusgeprägten N'Kob, in dem wir heute Morgen gestartet sind und in dem teure Autos auch keine Seltenheit waren.
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