Marrakech I: Stimmungsschwankungen
Mar 13–16, 2024 in Morocco ⋅ ☁️ 20 °C
Um noch etwas gemeinsame Zeit in Marrakech verbringen zu können, nehmen wir den Bus von Zagora und mieten und für drei Tage in ein Airbnb ein. Wir erkunden die Stadt mit einer Freewalkingtour, schlendern viel durch die Medina und David und Christoph klappern ein paar Läden ab und Kartons für ihre Räder zu organisieren. Einen Abend gehen wir noch zusammen mit Fatima, der Fischforscherin, die wir im Atlasgebirge kennengelernt haben, essen, einen anderen probieren Christoph und ich unsere Kochkunst an einer Tajine - gar nicht so übel:)
Bis auf die Medina lassen wir die großen Touriattraktionen aus oder sind zumindest nicht so wirklich von ihnen begeistert. Es sieht mehr nach Schein als Sein aus. Gärten und Parks sind stark bewässert und kosten einiges an Eintritt. Der bekannte Jardin Majorelle ist von Touristen überflutet und wir fragen uns, was dieser denn überhaupt mit marokkanischer Kultur zu tun hat, wenn er doch 1922 von einem Franzosen errichtet wurde? Auch beim Besichtigen der Medina sinkt die Laune etwas. Quasi ohne Arbeitsschutzmaßnahmen schweißen und hämmern die Metallarbeiter, in den engen Gassen der Medina hängen die Abgase der Roller, die durch die Straßen bretten. Über den Hauptplatz, den Jemaa El-Fna, laufen Menschen mit an den Hälsen angeketteten Affen und posieren für Touristen, die sich damit fotografieren lassen wollen, Schlangenbeschwörer spielen Flöte und ziehen die Reptilien unter Tüchern hervor - was für eine kaputte Welt. Wie dir Pferde an den Kutschen aussehen, muss ich wohl nicht erwähnen. Und das Traurige ist, dass es genügend Leute gibt, die das unterstützen.
Meine Stimmung ist ganz schön im Keller und wird natürlich nicht verbessert, als ich Christoph und David am Flughafen verabschiede. Das erste Mal bekomme ich wirklich Sehnsucht nach Deutschland, nach Hause. Gerade erscheint mir hier alles dreckig, künstlich und für den Tourismus erschaffen und das auf Kosten anderer. Hatte ich zu hohe Erwartungen an Marrakesch? Sind es die Eindrücke der letzten Tage, die krassen Gegensätze zwischen reicher westlicher Orientierung und ärmlichen Verhältnissen, die auch in Marrakesch zu sehen sind? Habe ich gerade zu viel Zeit zum Nachdenken? Oder liegt es daran, dass ich das so fern klingende Ziel Marrakesch/Marokko erreicht habe und gar nicht weiß, wie genau es weiter gehen soll? Im Buch 'Die ein Prozent Methode' hieß es immer, man solle sich keine Ziele stecken, weil man dann in ein Loch fällt, wenn man sie erreicht hat und sich fragt: Was jetzt?Read more











Traveler
Das Foto ist so klasse!