• Camino Sanabres IV

    29 de mayo de 2024, España ⋅ ☀️ 26 °C

    Der Morgen beginnt mit einem ordentlichen Anstieg, doch damit sind die meisten Höhenmeter für heute geschafft. Es folgt eine steile Abfahrt, nach der ich in eine weite Ebene gelange. Sowas macht natürlich hungrig und im nächsten Dörfchen muss dann fast eine ganze Tafel Schokolade dran glauben (Pssst, nicht Mama sagen.) - 150 g, 774 kcal - besser ist nur Erdnussbutter.

    Ich komme durch einige Dörfer, in denen heute sonderbare Bauten auf Stelzen zu finden sind. Die Holz-Stein-Konstruktionen finden sich fast in jedem Garten. Die Kurzrecherche zeigt, dass es sich um für Galicien typische Hórreos handelt, die zur Lagerung der Ernte verwendet wurden.

    Nach einem einfachen Mittagssnack genehmige ich mir einen Kaffee im nächsten Restaurant und will eigentlich in Ruhe FindPeguins schreiben. Dann kreuzt allerdings eine deutsche Anti-Alles-Familie aus der Kategorie Miesepeter auf. Nach einem kurzen, unausweichlichen Gespräch bleibt da nur „Ich bin dann mal weg“ zu sagen. Buen Camino!

    Auf den folgenden Abschnitten gibt es immer mal wieder eine Radroute und eine Wanderroute. Das ein oder andere Mal entscheide ich mich für die Wanderroute und kann dafür im Anschluss mein Fahrrad an einer Quelle säubern. Nervig, aber es beschert eine weitere Begegnung. Ein Spanier eilt aus seinem Haus, fragt, ob ich Hilfe benötige und bietet mir Obst und etwas zu trinken an. Er erklärt, dass er Autor ist, zeigt mir seine Bibliothek und will noch ein Foto vor der Skulptur seines Kopfes in der Hauswand machen.

    Die letzten 20 km bis nach Ourense sind nur noch Straße. Ich bin froh, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Ich rolle an einem Café vorbei, draußen sitzt ein gelb gekleideter Pilger. Zeitgleich rufen wir uns 'Buen Camino' zu und wollen schon fast ein verhext hinterher schieben, da bin ich aber schon weiter gerollt - zum Glück, wie würde man denn überhaupt befreit werden, wenn man von Unbekannten verhext wird?
    In der Stadt angekommen, bin ich erst einmal überrascht, wie laut und wuselig es hier ist. Es ist zwar nur eine Kleinstadt, aber nach den ruhigen letzten Wochen auf dem Camino und in kleinen Dörfern muss ich mich daran erst einmal wieder gewöhnen. Hatte ich zuvor noch überlegt, zwei Nächte hier zu bleiben, ist der Entschluss nun schnell gefasst. Morgen geht es direkt weiter, so verpasse ich zwar die heißen Quellen der „Thermalhauptstadt“, aber bei 30 Grad stelle ich sie mir sowieso nicht so einladend vor.

    In der Herberge treffe ich dann den gelben Pilger wieder, Christoph heißt er. Überhaupt ist hier viel los. Die Stadt liegt noch gute 110 km von Santiago entfernt – gerade genug, um noch die Compostela zu erhalten, sollte man von hier aus starten. Doch nicht nur hierfür scheint die Distanz zu Santiago eine Rolle zu spielen. Auch die Küchenausstattung scheint mit ihr zu korrelieren. War am Anfang des Caminos doch meist alles vorhanden, waren es gestern noch ein paar Töpfe, eine Gabel und ein Löffel und heute quasi gar nichts mehr an Küchenutensilien. Empfehlung für den Camino in Galizien: Eigene Kochtöpfe und Besteck mitnehmen. Und Decken oder Schlafsack, die gibt es hier nämlich auch nicht in den Herbergen.
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