• Camino Sanabres V

    30 de mayo de 2024, España ⋅ ☁️ 22 °C

    Meistens heißt es immer, dass die Herbergen bis 8 Uhr zu verlassen sind. Häufig ist morgens aber sowieso niemand da, sodass man es entspannt angehen lassen kann. So auch heute. Entsprechend langsam verlasse ich die Herberge und trinke gegenüber zusammen mit Gelb-Christoph einen Kaffee. Danach schlendern wir noch kurz durch die Stadt, um uns ein paar Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Jene bestehen hauptsächlich aus Kirchen. Um ehrlich zu sein: so richtig schön und interessant ist die Stadt nicht.
    Die Strecke, die ich heute fahre, ist dann relativ kurz, aber hügelig. Ich steuere das Kloster Oseira an, das mir empfohlen wurde. Aufgrund der vielen Zeit widme ich mich dann meinem Fahrradantrieb, baue die Kettenblätter auseinander und schleife das mittlere etwas ab in der Hoffnung, dass es dann wieder etwas flüssiger läuft – mittelmäßiger Erfolg. Warum eigentlich schon wieder? War ich nicht erst vor ein paar Tagen mit Kette und Kettenblättern beschäftigt? Ja, allerdings vertragen sich die neue Kette und das alte (mittlere) Kettenblatt nicht so recht und machen fröhliche Geräusche – das mittlere war also auch schon gut verschlissen und hätte getauscht werden wollen.

    In Oseira angekommen, offenbart sich das Kloster wirklich als imposantes Bauwerk. Es steht quasi im Nirgendwo, nur ein paar Häuser gehören zum danebenliegenden Dorf. Die Vespermesse am Abend (19:30, Treff 19:15) soll noch interessant sein. Mein Versuch, an ihr teilzunehmen, scheitert jedoch an meiner Pünktlichkeit. 19:15 Uhr heißt eben 19:15 Uhr und nicht 19:16 Uhr. Schade. Stattdessen lese ich dann ein bisschen. Charles Darwins „Über die Entstehung der Arten“ habe ich als deutsche Übersetzung in einer Herberge gefunden. Und es liest sich gut. Der wissenschaftliche Schreibstil war früher ein ganz anderer, was wirklich amüsant ist. Und falls ich doch irgendwann noch einmal promovieren sollte und auf bestimmte Literatur keine Lust habe, schreibe ich auch einfach:

    'Da jedoch seine Meinung oft wechselte und da er auf die Ursachen oder die Mittel der Umwandlung der Arten nicht einging, so brauche ich mich nicht ausführlich mit ihm zu befassen.'
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