• Camino Sanabres VII: Santiago

    1 de junio de 2024, España ⋅ ☀️ 19 °C

    Auch am letzten Camino-Tag bleibe ich meinem Motto treu und verlasse die Herberge als Letzter. Der Gepäckträger ist wieder einmal auf die anderen Ösen umzuschnallen – inzwischen bereits eine Routinearbeit.
    Dann geht es die letzten Hügel auf und ab nach Santiago. Die 15 km sind schnell geschafft und ich komme in der etwas wuseligen Stadt an und weiß nicht so recht, was ich mit meinem Rad inmitten der ganzen Menschen anfangen soll. Also erst einmal die Compostela abholen. Der Vorgang ist überraschend gut digitalisiert: Per QR-Code oder am Computer die persönlichen Daten eingeben, dann warten, bis die Nummer auf dem erhaltenen Zettel aufgerufen wird, und schließlich erhalte ich an Schalter 15 meine Urkunde.
    Inzwischen sind auch Lotte und Aga angekommen. Wir besorgen ein paar Snacks und picknicken auf dem Kathedralenplatz. Hier ist nun wirklich viel los. So ganz fühle ich die Stimmung noch nicht. Es ist zwar schön hier und ich bin glücklich, aber es ist nicht so ein ganz beschwingliches Gefühl, wie es viele hier haben. Vielleicht liegt es daran, dass ich mit dem Rad unterwegs war oder weil meine Reise eben noch nicht zu Ende ist.

    Auf dem Kathedralenplatz treffe ich noch ein paar andere Radfahrer. Moritz aus Stuttgart will morgen auch in dieselbe Richtung, und so suchen wir nach ausführlichen Fahrradgesprächen gemeinsam eine Unterkunft. Gar nicht so einfach, heute ist auch noch ein Konzert in der Stadt, und die meisten der Herbergen haben geschlossen. So laufen wir von Tür zu Tür, und als wäre Santiago noch nicht heilig genug, fühlen wir uns fast wie Maria und Josef. Am Ende müssen wir allerdings doch nicht im Stall übernachten und finden noch eine Herberge.
    Nach dem Abendessen gehen wir in die Stadt, wo wir uns mit Lotte, Aga und ein paar anderen Pilgerinnen im Restaurant San Martin Pinario treffen. Dort gibt es in einer festlichen, großen Halle ein 3-Gänge-Pilgermenü – Wein inklusive. Ein schöner Abschluss, und auch bei mir kommt endlich Santiago-Ankunftsstimmung auf. Der krönende Abschluss kommt allerdings erst noch: Gegenüber der Kathedrale spielt (wohl immer um 22 Uhr) eine traditionelle galicische Band – hier kommt Stimmung auf! Ein schöner Abschluss.
    Der Camino war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung, und auch wenn ich etwas langsamer geradelt bin, war es die richtige Entscheidung, diesen Weg zu nehmen. Einen der anderen Wege werde ich bestimmt nochmal zu Fuß gehen (ich muss ja nochmal hierher, um die Kathedrale auch von innen zu sehen). Am besten mit Buch, Notizheft und ohne Handy, aber dafür mit Kochutensilien, Isomatte und Decke bzw. Schlafsack für die Herbergen in Galizien.
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