Nicht weit, aber schön
Jun 28–29, 2024 in France ⋅ ☁️ 24 °C
Mauvezin - ≈ Mauvezin:
Ich bin heute zwar nicht weit gekommen (sogar eher wieder zurückgefahren), dennoch war es ein sehr schöner Tag voller zufälliger Ereignisse und spontaner Entscheidungen.
Heute Morgen wusste ich noch nicht so recht, was ich mit mir anfangen sollte. Alles lag in den Wolken, war neblig, und durch meinen Zeltboden hatte es Wasser gedrückt. Sollte ich weiter über den nächsten Pass nach Spanien fahren? Mich schon mal, in der Hoffnung auf eine positive Rückmeldung, in Richtung eines Workaways begeben? Oder die Burg oder das Kloster besichtigen?
Ich frühstücke zunächst am Dorfplatz und entschied mich, das Kloster zu besichtigen, mit Pilgerpass sollte der Eintritt sogar kostenlos sein. Bis zur Öffnung um 10 Uhr musste ich allerdings noch Zeit überbrücken und einen Kaffee trinken. Viel Auswahl gab es nicht und ich steuerte die auf dem Weg liegende Auberge de l'Arros an, welche ich gestern im Vorbeifahren wahrgenommen hatte.
In der Auberge de l'Arros habe ich das Gefühl, Zeuge vergangener Zeiten zu sein. Ähnlich wie in dem Gasthof, in dem ich im November in Deutschland einkehrte. Ich bin der einzige Besucher in einer der drei großen Gaststuben (vielleicht gibt es im hinteren Bereich noch mehr). Vor Jahrzehnten war hier vermutlich viel mehr los, der ganze Laden voll, vielleicht gerade ganz modern saniert und in den 70ern eingerichtet. Nun stehen die schweren, dunklen Holztische und Bänke ohne Besucher da. Dennoch hat hier alles seine Ordnung, ist sauber und kein Staubkorn ist zu sehen. Beim Betreten muss ich mehrmals laut „Bonjour“ sagen, bis eine alte Dame aus der Küche auftaucht. Es dauert etwas, bis sie versteht, was ich möchte, entweder weil ich kein Französisch kann oder weil sie etwas schwerhörig ist, aber es klappt. Nach kurzer Zeit kommt sie mit langsamen Schritten und sie zittrigen Händen aus der Küche und bringt mir eine Tasse und Zucker, um dann Kaffee aus einem Metallkännchen einzuschenken. Dann verschwindet sie wieder in der Küche und widmet sich zusammen mit einem - vielleicht ihrem - Mann einer Schlüssel Kartoffeln. Dazu läuft das Radio. Ich sitze gedankenverloren in der Gaststube: Kartoffeln schälen und Radio - das könnte auch bei meiner Oma in der Küche sein. Zeitgeist, die Einrichtung würde vermutlich auch in die Zeit passen.
Nach dem Kaffee ging ich dann das ehemalige Zisterzienserkloster besichtigen. Neben der Ausstellung und Informationen über das Kloster und verschiedene Kirchenorden dient das Kloster auch als Kunstausstellung (die derzeitige scheint etwas mit Bäumen zu tun zu haben) und als Ort für Veranstaltungen. Auf Letztere werde ich aufmerksam gemacht, als mich jemand fragt, ob ich morgen auch beim „Le Concours de Machines“ teilnehme. So erfahre ich, dass hier morgen und übermorgen ein großes Fahrrad-Event stattfindet, bei dem Rahmenbauer aus ganz Frankreich ihre kreativen Räder vorstellen – was für ein Zufall! Ich beschließe, hier zu bleiben, und bekomme noch den Campingplatz empfohlen, auf dem die ganzen Radfahrer lagern. Weil der Tag nun doch noch lang ist, beschließe ich, noch die Burg zu besichtigen (ebenfalls schön restauriert) und werde von einem der Teilnehmer des "Le Concours de Machines" samt Fahrrad noch ein Stück mit dem Auto mitgenommen – so muss ich den Berg zur Burg glücklicherweise nicht noch einmal fahren.
Am frühen Abend steuere ich schon den Campingplatz an, wo auch die "Concours de Machines"-Teilnehmer unterkommen. Es gibt schon einige coole Fahrräder zu sehen, doch dazu mehr im nächsten Footprints.Read more










