Kaltes Bier und kalte Dusche
August 8, 2024 in Italy ⋅ ☀️ 21 °C
≈Ferrara - ≈Rosolina:
Manchmal ist es ganz spannend, dort zu übernachten, wo es offensichtlich ist und wo Leute vorbeikommen. Der gewittergeschützte Zeltplatz der letzten Nacht lag unter einer Brücke direkt neben dem Radweg. Morgens fuhren die ersten Fahrräder vorbei und Jogger und Spaziergänger liefen vorbei. Zwei ältere Damen sprachen mich an. Mithilfe der Übersetzungs-App berichtete ich kurz von meiner Reise und erkundigte mich dann nach dem nächsten Café. Ein zweites Pärchen kam hinzu und ich erhielt meine Wegbeschreibung auf Italienisch. Die Konversation traf ziemlich genau das, was man im Italienischkurs lernen würde:
„Geradeaus über die erste Kreuzung, dann an der zweiten rechts. Bis zur großen Straße beziehungsweise Kirche. Dort links und dann wenige Meter.“ So ungefähr muss es zu übersetzen gewesen sein. Auch wenn ich nur links, rechts, zweite Kreuzung, Kirche verstand, sitze ich nun im Café – vermutlich jenem, das der Herr mir beschrieben hat.
Die Strecke auf dem Deich ist heute relativ eintönig, und ich strample sie mit Podcast im Ohr vorwärts. So habe ich zur Mittagspause gegen 14 Uhr bereits 70 km geschafft und den Einkauf erledigt. Das bessere Zeitmanagement als gestern belohne ich mir mit einer ausgedehnten Pause, um der Hitze und prallen Sonne auf dem Deich zu entgehen. Als ich um 17 Uhr gerade aufbrechen will, tauchen zwei Marokkaner mit einem Beutel eisgekühlter Bierdosen auf. Da kann ich nicht Nein sagen und erprobe gleichzeitig, welche arabischen und amazighischen Wörter mir noch einfallen. Eine Stunde und zwei Bier später verabschiede ich mich dann aber, um noch ein paar Kilometer zu schaffen.
Erfreulicherweise holt mich kurz darauf eine italienische Radfahrgruppe ein. Die nächsten 20 km mit diesen Pacemakern vergehen so wie im Flug – alleine habe ich mir inzwischen doch häufig ein gemütliches bloß-nicht-schwitzen-Tempo angeeignet.
In Porto Viro trenne ich mich dann von der Gruppe, um nochmal Wasser aufzufüllen. Das ist gar nicht so einfach, wenn ein paar ältere Italienerinnen danebenstehen. Mein Wassersack ist bereits halb voll, als eine ältere Dame im beisein einer zweiten mir energisch zu erklären versucht, dass das Wasser viel zu warm sei. Ich bin noch dabei zu verstehen, was sie gerade sagt, als mir der Wassersack aus der Hand genommen und ausgeschüttet wird. Die Dame drückt nun weiter auf den Wasserspender, in der Hoffnung, dass es kühler wird. Vergeblich, denn der ganze Platz stand tagsüber in der Sonne. Ein dritter Mann eilt hinzu, sagt, dass das Wasser auf der anderen Platzseite kühl sei, schnappt der Frau den Beutel aus der Hand und geht, ihn aufzufüllen. Welche Bemühungen und Freundlichkeit, nur wollte ich das Wasser doch zum Kochen und Duschen nutzen! Na ja, am Abend habe ich wenigstens eine kalte Dusche. ;-)
Ich radle nun ein paar Kilometer weiter bis zur Küste, wo ich auf der Karte wieder einen Picknickplatz und eine Kapelle entdeckt habe. Nur bin ich nicht ganz allein. Beim Abendessen erledige ich so viele Mücken, dass ich gar nicht hätte kochen brauchen. Mit dem Mückenproblem hat man im Winter gar nicht zu kämpfen. Neben der Haltbarkeit bzw. Möglichkeit, frische Lebensmittel zu transportieren, ist das definitiv ein Vorteil des Winterradelns, allerdings würde ich mich da nicht über kaltes Duschwasser freuen. ;-)Read more









Traveler
Könnt auch ein Kalenderspruch unter dem Bild stehen, so schön:)