• Römerstadt und Fischerdorf

    11. august 2024, Italien ⋅ ☀️ 33 °C

    Pallazzolo della Stella - Villaggio Punta Sdobba

    Beim Aufbrechen merke ich, dass etwas am Fahrrad nicht stimmt: Spiel in den Lagern des Nabendynamos. Nicht super tragisch, aber auch nichts, womit ich die nächsten tausend Kilometer fahren möchte. Doch heute ist Sonntag, sodass sich da sowieso nichts machen lässt. Ich kann also heute etwas trödeln und erst morgen in Triest ankommen.

    Von meinen Caravan-Nachbarn Marcos und seiner Frau, beide aus Brasilien und nun in Italien lebend, werde ich doch auf einen Kaffee eingeladen und bekomme ein paar Weintrauben geschenkt. Wir verständigen uns aus einem wilden Mix aus Sprachen & Google Translator. Die beiden sind sehr kultur-, literatur- und wissenschaftsinteressiert (er ist Psychologe) und wollen auch unbedingt mal nach Deutschland und vor allem Leipzig und eine vollständige Öko-Village (welche das ist muss ich auch nochmal recherchieren) besuchen. Für Fragen wird direkt über Facebook verbunden. Was mir übrigens auffällt, ist, dass Marcos beim Schreiben auf dem Smartphone die 'Streich'-Eingabe nutzt und dies unglaublich schnell aussieht. In Europa sieht man kaum jemanden diese Funktion nutzen, in Brasilien sei es üblicher - interessant.

    Beim Weiterfahren fällt mir die zweisprachige Beschilderung auf. Neben Italienisch wird hier (Region Friuli-Venezia Giulia) auch Friulian gesprochen, was laut Wikipedia aus dem Einfluss der umliegenden Sprachen (Deutsch, Slowenisch, Venezianisch, Italienisch) entstand.
    Nach wenigen Kilometern fahre ich durch den Bosco Baredi - Selva di Arvonchi, der mit 162 ha das Friuvilan-Venezianische Ebene darstellt. Nicht groß, aber jetzt, wo ich darüber nachdenke, sind mir zuletzt wirklich wenige Wälder begegnet.

    In der Mittagshitze radle ich weiter, es sind um die 36 Grad, doch die Luftfeuchtigkeit ist niedrig. Trick 17: Shirt und Haare an den Wasserquellen nass machen, und der Fahrtwind erledigt den Rest. So ist es eigentlich ganz angenehm.

    Am Nachmittag fallen mir zunächst ein paar antike Säulen rechts des Radwegs auf. Es folgt ein kleines Städtchen, das zur Hälfte aus Ausgrabungsstätten besteht. Aquileia, eine alte Römerstadt. Laut Wikipedia mit angeblich 100.000 Einwohnern damals eine der größten Städte der Welt, heute sind es nur noch 3.500 [1].

    Nach Mitragspause und einem Eis mache ich mich weiter auf den Weg durch die Lagune nach Grado. Schön, wenn nebenan nicht die hochfrequentierte Straße wäre. Grado selbst ist sehr touristisch. Wieder mal ist vieles eingezäunt und jedem Hotel oder Barbetreiber scheint ein Stück Stück Strand zu gehören. Ich frage mich, was die Leute daran so toll finden.
    Ein paar Kilometer weiter wird es dann wirklich schön. Es folgt mooriges Lagunen-Moor-Gebiet mit ganz vielen wilden Brombeeren am Straßenrand. Auf der einen Seite liegt das Meer und ein Vogelschutzgebiet, auf der anderen Seite wird Landwirtschaft betrieben und einige Häuser haben große Gärten in denen jede Menge Gemüse angebaut wird und Hühner herumlaufen. Ob die hier wohl Selbstversorger sind?

    Ich fahre noch ein kleines Stückchen weiter und kann - nach Nachfrage - auf der Wiese neben einem einzeln stehenden Restaurant mein Zelt aufschlagen. Bevor ich mit dem Kochen beginne, schaue ich mir noch kurz das Fischerdorf Villaggio Punta Sdobba an. Häuschen und Hafen sehen wirklich genauso aus, wie man es sich in einem Fischerdörfchen vorstellen würde.

    [1] https://en.m.wikipedia.org/wiki/Aquileia
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