• Superyachten und Höhlenforscher

    12–14 ago. 2024, Eslovenia ⋅ ☀️ 33 °C

    Villaggio Punta Sdobba - Trebiciano

    Um dem Café und Restaurant, auf dessen Grundstück ich übernachten durfte, etwas zurückzugeben, bestellte ich meinen Cappuccino heute hier. Aufgegangen ist der Plan jedoch nicht ganz, da die Kasse offenbar nicht funktionierte und man irgendwie auch kein Bargeld wollte, ging der Cappuccino aufs Haus. Na ja, dann zahle ich eben mit einer positiven Google-Bewertung.

    Die nachfolgende Strecke nach Triest ist anfangs noch schön und wird dann wirklich katastrophal. Auch die Strecke offiziell eine Radroute ist, ist die Fahrradinfrastruktur (insgesamt um Trieste) gottlos. Große Straßen, kleiner oder kein Seitenstreifen und viel Verkehr. Die Stadt selbst hingegen ist im Altstadtkern und hingegen wirklich schön. Auch der alte Hafen und Bahnhof ist mit seinen halb zerfallenden, aber in der sanierung befindlichen Gebäuden spannend anzuschauen und lässt ein schönes Viertel in der Zukunft erhoffen.

    Von der Küste aus erspähe ich eine riesige Segeljacht. Da scheint jemand wirklich viel zu viel Geld gehabt zu haben. Mit dem VesselFinder ist das Schiff auch schnell identifiziert und klar, wer dahintersteckt. James-Bond-klischeehaft gehört die SY A [1] dem russischen Oligarchen Andrey Melnichenko und fährt unter der Flagge Sierra Leones. Warum das? Weil die Flagge über das Steuer- und Rechtswesen (auch über Normen und Arbeitsschutz), das auf dem Schiff gilt, entscheidet. Seiten wie die unter [2] bieten eine ganze Reihe an Möglichkeiten (Bankgeschäfte, Wohnsitze, Yachtflaggen, ...), wie die ohnehin schon Reichen Steuern umgehen und noch reicher werden können – falls mal jemand in die Situation kommt, bestimmt hilfreich. Nun, ein bisschen Gerechtigkeit gibt es natürlich doch auf der Welt: Die Yacht darf seit einiger Zeit nämlich vor Ort stehen bleiben, da sie von der italienischen Guardia di Finanza im Rahmen der Russlandsanktionen konfisziert wurde.

    Nach diesem kleinen Rechercheexkurs begebe ich mich auf die Suche nach Fahrradläden. Auch wenn ich einige Tipps bekommen habe, ist es gar nicht so einfach. Entweder wird erst am Dienstag geöffnet oder es ist wegen Urlaubs geschlossen. Nach 10 km Fahrt finde ich am Ende aber doch einen Laden, der innerhalb von Minuten und kostenlos das Lager justiert – das Rad läuft wieder rund :)

    Nach einem letzten, sehr guten italienischen Eis (Gelateria Con Amore) mache ich mich auf den Weg nach Slowenien. Die ersten Kilometer sind mit krasser Steigung und vielen Autos wieder ein Graus. Dann wird es aber schön, einsam und ruhig. Nach dem ganzen Autolärm heute ist es eine wahre Wonne, wieder in den Bergen zu sein.
    Kurz vor der Grenze mache ich an einem Picknickplatz halt. Gegenüber steht ein kleines Gebäude, auf dem ein Mensch auf dem Dach ein Zelt montiert – gute Chancen, dass ich hier auch einfach übernachten kann. Ich frage nach und Raffael – wie ich erst am nächsten Tag erfahre – sagt, dass es kein Problem sei, wenn ich hier ein oder zwei Tage mein Zelt aufstellen würde. Er ist Doktorand und das Gebäude dient der Forschung. Forschung findet natürlich nicht ohne Bier statt und so bietet Raffaele mir noch ein Bier an und zeigt mir Technikraum, Labor und Co. Von hier ausgehend werden die Höhlen in den Bergen und der Fluss, der 300 m (krass) unter uns in einer Höhle verläuft, erforscht (Projekt unter [3,4,5]). Hierfür sind diese Woche extra französische Taucher da, die das durch Wasser verschlossene Höhlensystem weiter erkunden und vermessen. Die Höhle, die zum Fluss führt, ist übrigens im oberen Bereich mit Leitern und sogar mit WLAN ausgestattet – zu Sicherheits- und Kommunikationszwecken.
    Neben Höhlen gibt es in dem Karstgestein etliche Dolinen, die bis zu 100 m tiefe trichterförmige Krater bilden.
    Auf dem Dach zeltet Rafael allerdings nur, weil heute Sternschnuppennacht ist, und er ein paar Fotos und Aufnahmen machen möchte.

    Den nächsten Tag beschließe ich nun doch, hier zu bleiben und mir noch ein bisschen mehr erklären zu lassen. Mir wird der Eingang zur Höhle gezeigt, und ich unternehme eine kleine Wanderung zu einer der großen Dolinen. Dann fahre ich noch einmal über die Grenze nach Sežana. Mein erster Eindruck: Ein starker Preisverfall in den Supermärkten verglichen mit Italien, es gibt wieder häufiger öffentliches WLAN, und die Polizisten scheinen entspannt drauf zu sein, zumindest der, der mich in Zivil ansprach, auch viel mit dem Fahrrad unterwegs war und auf Nachfrage meinte, dass Wildcampen hier (Slowenien) schon geht.
    Am Abend gibt es in der „Forschungsstation“ dann sogar noch eine kleine Geburtstagsfeier mit ganz viel Essen. Ein Glück habe ich vorher noch ein bisschen eingekauft, so kann ich zumindest noch einen Salat beisteuern.

    [1] https://en.m.wikipedia.org/wiki/A_(sailing_yacht)
    [2] https://goodbyematrix.com/boot-anmelden/#:~:tex….
    [3] Video: https://youtu.be/v8hLJfE4G_A?si=QqsC2514XI2nCQKP
    [4] Zeitungsbericht in eng: https://www.intrieste.com/2023/08/09/timavo-und…
    [5] Website auf Italienisch: https://sastrieste.it/index.php/progetti/
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