• Auf nach Slowenien; Bilanz Italien

    August 14, 2024 in Slovenia ⋅ ☁️ 32 °C

    Trebiciano - Dvorec Haasberg

    Meine Route habe ich heute ein paar Mal angepasst, als ich auf der Karte ein paar Wasserfälle und später über eine Tafel mit drei verschiedenen Radrouten entlang einiger Sehenswürdigkeiten stolperte. Die Radinfrastruktur scheint hier ganz gut zu sein und führt einen über viele kleine und wenig befahrene Nebenstraßen.

    Die Wasserfälle waren ohne Wasser tatsächlich relativ unspektakulär, und ich begnügte mich mit einer kurzen Wanderung durch das überwiegend trockene Flussbett.
    Nach der Mittagspause traf ich dann Charlotte und Julde aus der Schweiz, mit denen ich eine Weile zusammenfuhr. Der Start in ihren Fahrradurlaub verlief alles andere als entspannt, als sie mit dem Zug nach Ljubljana und ihr Gepäck und Räder nach Zagreb fuhren. Bis auf zwei Taschen mit Klamotten, Schlafsäcken und Isomatten haben sie alles wiederbekommen, beim Ersetzen half dann Decathlon.

    Nach einer gemeinsamen Gewitterdurchfahrt trennen sich unsere Wege dann am späten Nachmittag wieder. Ich schaue mir noch kurz die Felsenburg Predjama an, die in der sonst doch ruhigen Gegend von Touristenbussen überschwemmt wird.
    Dann geht es weiter nach Planina, wo ich mich trotz fortgeschrittener Zeit noch für einen kurzen Abstecher entscheide und so auf einen kleinen Picknickplatz an einem alten, zerfallenen Herrenhaus (Devorec Haasberg, am Ende des Zweiten Weltkriegs niedergebrannt) stoße. Jenes wird nur noch von ein paar Ziegen und einem Esel bewohnt, drumherum wird allerdings alles gut in Schuss gehalten. Gegenüber steht ein kleines Freilichtmuseum mit alten landwirtschaftlichen Gerätschaften und es gibt ein kleines Café mit Sitzgelegenheit im Freien. Alles ist liebevoll hergerichtet, gut gepflegt und dekoriert. Auf dem Parkplatz stehen bereits einige Camper. Ich frage beim nächstgelegenen Wohnhaus nach, ob ich hier wohl übernachten könnte (die Slowenen sagen immer, sie sprächen ein bisschen Englisch, und dann ist es absolut fließend). Das Zelten stellt kein Problem dar. Ich darf mir auch noch Wasser zapfen und bekomme noch ein bisschen was über die Gegend erzählt: Die Mutter des Mannes kümmere sich vor allem um die Ruine und Instandhaltung, und während der Regenzeit seien die Wiesen unten am Fluss alle überschwemmt, sodass man manchmal mit dem Boot ins Dorf auf die andere Seite fahren müsse.

    Ansonsten fiel mir heute während der Fahrt auf, dass in den Gärten oder auf kleinen Feldabschnitten sehr viel Gemüse selbst angebaut wird und in vielen Vorgärten jede Menge Apfel- oder Birnenbäumen steht. Es gab viele Wiesen, auf denen Heu geerntet wurde, und auch die Holzwirtschaft scheint eine wichtige Rolle zu spielen. An den Flüssen sind häufig alte Sägemühlen (inzwischen verfallen und nur noch auf Karten und Infotafeln eingezeichnet) zu finden, und vor fast jedem Haus lagern riesige Brennholzvorräte.

    Bilanz Italien:
    Strecke: 1000 km
    Kürzeste Strecke: 58 km
    Längste Strecke: 146 km
    Platten: 0
    Reisetage (davon Radeltage): 16 (11)
    Zelt (davon Campingplatz): 16 (5)
    Kaputtgegangen/Ersetzt: Lager Nabendynamo (repariert)
    Wetter: heiß (mittags meist um die 35 Grad), teilweise schwül und gewittrig
    Essen: Natürlich Pasta, Pizza, Gnocchi-Tomaten-Mozzarella-Topf, der tägliche Cappuccino und gelegentlich ein Cornetto sowie Eis

    Eigentlich war ich gar nicht so lange in Italien, dafür fühlte es sich hier aber ganz schön vertraut und heimlich an. Sicherlich trugen dazu meine entspannten und ausgiebigen Caféaufenthalte und die Zeit in Finale Ligure mit einem fast normalen Alltag bei. Zugegebenermaßen war es weniger abenteuerlich, dennoch sehr schön und fühlte sich eher wie ein Urlaub als eine Reise an. Highlights waren definitiv Finale Ligure, die Gegend um bzw. kurz vor La Spezia, die vielen netten Leute, die mir weitergeholfen oder viel gezeigt haben. Und natürlich der tägliche Cappuccino, der ist natürlich Champions League, auch wenn ein Café con Leche auch lecker ist.
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