Noch nicht angekommen
19 agosto 2024, Bosnia Erzegovina ⋅ ☁️ 22 °C
Bihaxć - Martin Brod
Das Bett im Hostel hat mir wirklich erholsamen Schlaf gegeben. Ich wache früh auf, frühstücke gemütlich und unterhalte mich noch lange mit Henry. Aufgrund meiner Gemütlichkeit komme ich leider erst spät los und nehme so nur die Hälfte des regenfreien Vormittags mit. Dieser verläuft leider größtenteils auf einer großen Straße mit teils entspannter und nicht so entspannter Hundegesellschaft. Zwei Fußgänger kommen mir auf der Straße entgegen und erkundigen sich auf gebrochenen englischen Wortfetzen, wie weit es noch bis Bihać ist. Flüchtlinge?
Nach 25 km komme ich dann ins Gewitter, kann mich aber, bevor ich ganz durchnässt bin, unter das Vordach einer Moschee retten. In einer Regenpause fahre ich weiter und erreiche rechtzeitig ein Bistro, als es wieder anfängt, nicht wie Bindfäden zu regnen, sondern wie aus Eimern zu schütten. Ich nutze die Zeit fürs Mittagessen: türkischer Kaffee und Ćevapčići. Letztere werden mit fettig gebratenem Fladenbrot, zwei Scheiben Tomate und frischer Zwiebel serviert. Lecker! Insgesamt harre ich gut zwei Stunden im Bistro aus, bis Gewitter und Regen endlich nachlassen.
Die einzige Straße hier führt immer weiter im Tal am Fluss entlang. Es gibt einige schöne Ecken zu sehen, aber auch viele in die Landschaft geklatschte Neubauten oder Neubaubrachen, die zumindest teilweise für den Tourismus (hotelähnliche Gebäude) gebaut zu werden scheinen. Ich frage mich, wie hier die Genehmigungsverfahren aussehen. Es wirkt etwas so, als könnte man auf seinem Grundstück einfach losbauen, wenn man möchte. Schade, weil es die Natur zu zerstückeln scheint.
Als ich an einem Häuschen haltmache, an dem Sir (Käse) und Rakija beworben werden und ich ein Stück Käse kaufen will, ist es leider aus. Ich nutze aber die Gelegenheit und erkundige mich mit Zeichensprache und Übersetzungs-App, ob ich unten am Fluss zelten kann. Irgendwo scheint es zu gehen, gleichzeitig wird aber immer das Wort „Plati“ wiederholt, ich höre Euro heraus und mir werden mit der Hand „Geldgesten“ und fünf oder zehn Finger gezeigt. Letztere stehen vermutlich für 5 Euro ≈ 10 KM (konvertibilna marka, die spannenderweise früher fest an die Deutsche Mark und nun an den Euro gekoppelt ist). Das ist mir nicht ganz so sympathisch und ehrlich gesagt ist es mir auch noch nie passiert, dass eine Privatperson, die ich frage, ob ich mein Zelt aufstellen kann, Geld verlangt. Ich fahre weiter ins nächste Dorf, wo ein kostenloser Campingplatz auf der Karte eingetragen ist. In Realität ist es erstmal nur ein Picknickplatz neben einem Nationalpark-Infohäuschen. Bei einem Anwohner, der gut Englisch spricht, erkundige ich mich, ob ich hier wohl übernachten könnte. Er ist super hilfsbereit, telefoniert kurz und spricht dann mit den Nationalparkmitarbeitern, die gerade um die Ecke biegen. Kein Problem, ich kann hier einfach mein Zelt aufschlagen. Vorher koche ich aber noch und unterhalte mich mit einer tschechischen Familie, die mir noch ein paar Weintrauben dalässt. Und dann stellt sich heraus, dass ich mich zu früh gefreut habe: Es wird schon dunkel, als noch ein anderer, etwas chefiger aussehender Nationalparkmitarbeiter vorbeikommt und plötzlich doch Geld will. Leider spricht er schlechtes Englisch, und ich habe auch nicht wirklich Lust auf Diskussionen. Ich zahle die sechs Euro, die nun auch nicht teuer sind, finde es aber trotzdem komisch, dass ich nun plötzlich, gerade als die Nacht anbricht, doch noch etwas zahlen muss und quasi keine andere Wahl habe.
Resümee des heutigen und gestrigen Tages: So ganz angekommen bin ich weder in Kroatien noch in Bosnien. Es scheint mir, dass sich hier doch vieles um den Tourismus und ums Geld dreht. Die Autofahrer waren bisher auch nicht die Rücksichtvollsten bei ihren Überholmanövern oder wenn gerade eine große Pfütze zum Radfahrernasspritzen vorhanden war...Hinzu kommen viele streunende Hunde und diverse totgefahrene Tiere.
Mal schauen, wie die nächsten Tage werden...Leggi altro









