• Großstadtziele und Landidylle

    2 September 2024, Montenegro ⋅ ☁️ 34 °C

    Wir wachen auf mit kühlen 11°C und Blick auf die Bergkette. Langsam zieht die Sonne über den Berg und erwärmt die Luft, noch einmal die kühle Luft genießen bevor wir dad Gebirge wieder verlassen.
    Unser Start ist wie zur zweiten Vorlesung um 9.15, nur statt Radwege eine holprige Schotterpiste. Das Auffüllen der Flaschen erledigen wir am Trinkwasserreservoir am Wegesrand, Leitungswasser gibt es hier nicht.
    Es soll heute 1800m bergab gehen - und trotzdem startet unser Tag mit kleinen Serpentinien. Als unser Höhenmeter-Konto voll geladen ist, eröffnet sich ein unglaublicher Weitblick, wir erkennen schon Podgorica und rollen eine wirklich lange Abfahrt ins Tal hinab. Und sogar eine Radroute führt auf dem Weg, der sich wie Radeln durch italienische Dörfchen anfühlt, nicht wie der Weg in eine Hauptstadt. Erst im Stadtzentrum wird es lauter, die Straße vierspurig und die Suche nach einem Mittagsplatz eröffnet uns viele Optionen: Biergarten oder noble Pizzeria? Unschlüssig steuern wir erstmal einen Radladen an, der leider geschlossen ist, uns aber einen Mittagsplatz offenbahrt. Wir essen nochmal Priganice, das typische Frühstück in Montenegro (siehe gestern) zusammen mit Teilchen vom Bäcker. Danach geht die Suche nach einem Radladen weiter, schließlich werden wir bei der Bajkeraj freundlich begrüßt und mein verbogenes Schaltauge freigelegt. Ersatz gibt es nicht, bestellen bringt lange Liederzeiten und 3D-Drucken dauert auch ein paar Tage. Ich frage im Fahrradladen nebenan nach, auch dort ist kein passebdes Schaltauge vorhanden, sodass schneller als ich intervenieren kann die Hammermethode angewendet wird. Einige Schläge später scheint das Schaltauge wieder gerade und ich kreuze die Finger, dass das Aluminumteil seine Aufgabe noch bis Istanbul erledigt. Zurück in der Bajkeraj kaufen wir noch einen Helm - für all die andere Hilfe sollen wir nichts bezahlen. Wir tauschen noch Radgeschichten aus, der Besitzer war früher quer durch Europa als Mechaniker bei Profi-Radrennen dabei. Super hilfspbereite Person mit viel Sachverstand - er hätte mein Schaltauge nicht gehämmert ;). Also wenn ihr braucht: holt euch Hilfe bei der Bajkeraj. Podgorica ist für mich die Hauptstadt der Werkstätten. Vor 5 Jahren war ich mit Noreen auf der Suche nach einem Gaszug, heute nach einem Schaltauge. Beide Male nicht das Erstazteil, aber trotzdem eine Lösung gefunden.
    Der Weg aus der Stadt ist staubig und laut - wir besorgen noch unsere Einkäufe und biegen dann auf eine kleinere Straße ab.
    Dieser führt uns durch eine Gartensiedlung, jede Familie scheint ein eigenes Feld zu haben, mal wachsen große Kürbisse, mal viele Weinreben. Ob die Erträge wohl auch in der Stadt verkauft werden? Oder gemeinsam geteilt? Wir ernten uns frische Feigen (oberlecker) und eine Kaktusfeige (schleimig-stachelig) am Wegesrand.
    Immer wieder stehen Kühe auf der Straße, besonders, als der Weg immer kleiner wird. Im Sonnenuntergang holpern wir über einen Feldweg mit Bergkulisse in verschiedenen Blautönen, begleitet vom Quaken, Zirpen und Muhen der Tiere. Landidylle und Einsamkeit - hätten wir genug Trinkwasser, würden wir direkt unser Zelt aufschlagen. So rollen wir zum nächsten Campingplatz, verhandeln den zuvor unverhältnismäßig hohen Preis erfolgreich runter und schlafen bald ein. Lacu noć!
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