• Me(e)(h)r Berge

    5. September 2024 in Albanien ⋅ ☁️ 27 °C

    Die Nacht auf unserem Naturparkparkplatz verlief – bis auf ein SUV, das hier um 1 Uhr eine kurze Runde drehte – ruhig. Trotz Wecker um 6 Uhr werden wir etwas früher durch ein paar Fischer wach, die wir allerdings nicht zu stören scheinen.
    Im Sonnenaufgang offenbart sich erst die schöne Gegend, die wir in der Nacht gar nicht erspähen konnten.
    Ein kurzes Pfannkuchenfrühstück stehend im Sonnenaufgang lassen wir uns natürlich nicht nehmen. Im Anschluss überwinden wir das Holzbrückengerüst und passieren das Häuschen der Fischer. Eine etwas urigere Dirtroad führt bis zum Strand. Hier kann Anna dem Meer nicht widerstehen und schwimmt ein paar Runden. Alleine am Ufer ist natürlich auch langweilig und so hüpfe ich ebenfalls, begleitet von etwas penetrantem Rap aus den Strandbars, kurz hinein. Die nachfolgende Strandmorgendusche stellt auch die letzte Frische der eher kurzen Nacht wieder her. Nun kann es weitergehen.

    Begleitet von freundlich grüßenden, winkenden oder mit den Händen Herzchen formenden und unglaublich rücksichtsvollen und langsam fahrenden (vielleicht aus Rücksicht auf ihre Autos oder der Gefahr potenzieller Schlaglöcher aus vergangenen Zeiten) AutofahrerInnen, erreichen wir nach 20 km Milot.

    Hier wollen wir ein zweites Frühstück einnehmen. Beim Bäckereinkauf wird direkt ein Junge von nebenan herbeigewunken, der etwas Englisch spricht, superlieb und hilfsbereit ist. So geht es doch etwas einfacher und wir probieren, ein paar Worte auf Albanisch zu lernen. Während wir uns noch entscheiden müssen, platzt ein kleiner Junge herein, kauft ein Croissant und verschwindet wieder. Wir haben uns inzwischen für ein Gjizëbyrek (hier heißt es auch mit Käse Byrek), einen Gemüsemaisfladen und zwei Cookies entschieden. Das Bezahlen geht nur in bar, aber dafür sowohl in Euro als auch mit albanischem Lek. Wir zahlen in Euro und bekommen – wie bereits gestern einmal – Lek zurück. So sparen wir uns sogar die Geldautomatengebühren.
    Mit den Backwaren suchen wir ein Café auf. Auf der Straße, die durchs Dorf führt, ist viel los. Die Cafés sind gut, vor allem von Männern, besucht. An der Straße hält ein Auto. Im Kofferraum zwei große weiße Kunststofffässer. Auf dem Gehweg ein weiteres und eine Waage. Die ersten Kunden kommen vorbei und eine mittelalte Frau packt mit einer großen roten Schaufel kiloweise Käse in gelbe Plastiktüten, die von einer jüngeren, mutmaßlich der Tochter, offengehalten werden. Dann wird abgewogen und direkt verkauft. Sowohl die Kunden als auch die Verkäuferinnen nehmen sich dabei sehr viel Zeit, zelebrieren dieses Vorgehen schon fast, obwohl es eigentlich nur dieses eine Produkt zu kaufen gibt.

    Von Milot aus müssen wir leider erst einmal auf einer großen, stark befahrenen Straße radeln. Glücklicherweise fahren die Albaner aber sehr rücksichtsvoll und nach einigen Kilometern biegen wir nach Süden ab. Auf der Karte ist die Straße zwar nur eine Nummer kleiner eingezeichnet, in der Realität ist hier aber sehr wenig los. Eine angenehme Straße, die sich entlang eines Flusses und Stausees durch die Berge windet. Wirklich ein schöner Abschnitt und dazu gibt es noch ab und an Wasserquellen, um die Trinkvorräte aufzufüllen und die Klamotten zu tränken – so sind auch die Anstiege bei über 30 Grad gut auszuhalten.

    Nach gut 65 km erreichen wir zur Mittagspause Burrel (frühes Aufstehen lohnt sich), wo wir uns beim Bäcker mit Nachtisch eindecken und danach ein Restaurant aufsuchen. Es gibt sehr leckere Pilzsuppe, einen knusprig gebratenen Maisbrotfladen mit Knoblauch-Zitronen-Joghurt und Petersilie oder geschmacksneutralem Koriander und Fërgesë Tirana (geröstetes Paprika-, Tomaten-, Käsegemisch und hier scheinbar Fleisch), das sehr gut, aber dessen vegetarische Variante sehr fleischig schmeckt.
    Was uns bereits mehrfach aufgefallen ist und nun auch wieder in Burrel zu beobachten ist, ist das häufige Spülen von Höfen oder Terrassen mit Wasser. Was es damit auf sich hat, müssen wir noch ergründen.

    Nach der Mittagspause sind wir ganz schön müde und kommen leider erst langsam wieder in die Gänge. Hinzu kommt noch eine zusätzliche Gewitterpause, sodass wir etwas später als geplant loskommen und den Weg in die Berge antreten. Obwohl wir unsere Route nach dem Tipp eines Polizisten bereits hinsichtlich der Straßenbeschaffenheit optimiert haben, kommen wir doch nur langsam voran und aus Asphalt wird irgendwann eine Schotterpiste. So erreichen wir leider nicht mehr das angepeilte Örtchen in den Bergen, finden aber in der Dämmerung eine kleine Seitenstraße, in der wir unser Zelt aufschlagen können. Mit fließendem Wasser zum Waschen fast schon ein Premiumplatz. ;)
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