• Ausschlafen bis zur Nachtfahrt

    4 September 2024, Albania ⋅ ☀️ 29 °C

    Ausschlafen, Aufwachen und Umschauen: wie liebevoll dieser Ort gestaltet ist, an dem wir gestern angekommen sind. Mit viel Holz, Ziegelsteinen und Kreativität wird die Ecosocial-Farm noch immer gebaut. Es gibt ein Hauptgebäude mit Küche, großem Gemeinschafts-Wohnzimmer und Terrasse, die in den Gemüsegarten führt. Darüber sind kleine Wege im Fels zu den Zeltplätzen, zwischendrin Gänse, Katzen und Hunde sowie ein Esel, alle gehören dazu. Hungrig radeln wir los, wobei unsere Ideen für das Frühstück mit Küche das Angebot des ersten Supermarktes deutlich übersteigen. Es ist eigentlich nur eine lange Theke, manche Bäcker sind größer. Wir radeln weiter und holen uns beim Bäcker Byrek mit Joghurt und Käse, die direkt in unseren knurrenden Mägen landen, sowie helle Brötchen. Im zweiten Supermarkt ist der Großteil der Produkte auch hinter der Theke, es fühlt sich eher an wie im einer Apotheke, und so zeigen wir Artikel nach Artikel als Übersetzung auf dem Handy an was wir wollen. Per Hand wird unser Preis errechnet und wir bekommen von der zweiten Mitarbeiterin die Produkte schneller in Plastikbeutel gepackt, als wir nein sagen können.
    Die Hitze lässt uns müde werden, wir fahren wieder zurück zur Ecosocial Farm. Brötchen mit Nusscreme, Hagebuttenmarmelade und Feta landen als zweites Frühstück in unseren Mägen, dazu türkischer Kaffee. Großes Interesse bekommen wir dabei von den 5 Katzen und 5 Hunden gezollt, ob wir unser Essen nicht mit ihnen teilen wollen? Ein ganzes Konzert von Wuffen, Mauzen und Iahhhen des Esels begleitet uns. Wir nehmen uns Zeit für Organisatorisches, wie Emails beantworten, Wäsche waschen, Akkus von uns und all den Geräten aufladen, Fotos sortieren und und und. Auch im Schatten lässt uns die Hitze schwitzen und wir sind froh, nicht radeln zu müssen. Dafür erzeugen wir noch mehr Wärme und kosten die Küche aus: eine große Kochaktion später steht ein dekadentes Nachmittagsmahl auf den Tisch: Eierkuchen, Salat mit albanischen Ziegenkäse, Nugatcreme und Honig. Bis wir fertig sind mit Genießen, Packen und Verabschieden von den Freiwilligen, darunter ein Radler aus Deutschland, ist es 18.30 und wir radeln so spät los wie noch nie.
    Ein kurzer Stopp beim Flohmarktes am Wegesrand gibt uns die überfordernde Wahl aus wortwörtlich haufenweise Kleidung (aus Altkleidersammlungen?), mehr oder weniger sortiert, alles für 1€. Ohne Fundstück lassen wir Shkoder hinter uns, stoppen für eine Eispause am Supermarkt und Radeln dann mit teilweise 26km/h die Straße entlang. Die Nachtfahrt ist erstaunlich entspannt an der Bundesstraße, jedoch zeigt uns das mehrmalige Abkommen vom Weg, dass es doch schwierig sein kann im Dunkeln zu Navigieren. Wir passieren mehrere Steintagebaue mit Betonwerken, ansonsten sehen wir eher wenig von unserer Umgebung. Durch die noch immer schwül-warm Luft kommen wir auch ohne Sonne ins Schwitzen und stoppen zum Abendessen in Leshë, einer Stadt mit angenehmen sommerlichen Flair, in einem voll besuchten Bistro. Wir bestellen das, was es gerade noch gibt und bekommen gerollte Pitabrote mit Fleisch/Käse, Gemüse, Soße und Pommes und dazu einen obligatorischer Joghurt (tatsächlich ist es Buttermilch). Auf Empfehlung unserers Host von der Ecosocialfarm fahren wir auf Schlafplatzsiche in den nahgelegnen Nationalpark an der Küste. Überras ht von einer offiziellen Eingangsstation stehen wir verwundertert an der Schranke, bis tiefenentspannt der Wärter angeradelt kommt. Er scheint selber keinen Plan zu haben, was wir von ihm wollen und verlabgt auch nicht die angeschriebenen Eintrittspreise. Er fragt uns, ob wir zum Camping wollen, und wir nicken einfach. So kommen wir in den Nationalpark und radeln zwischen quakenden Seen und aufgescheuchten Vögeln auf einem extra Radweg hindurch. Aufgrund der späten Uhrzeit sind der Campingplatz und die Restaurants alle bereits geschlossen, wir wollten sowieso lieber wild campen. Allerdings ergibt sich keine Wiese mehr, sodass wir auf dem Parkplatz am Ende der Straße das Zelt aufschlagen und einen zeitigen Wecker stellen, um nicht von Parkbesuchern überrascht zu werden.
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