• Kaffee für die Oberschenkel

    6 September 2024, Albania ⋅ ☁️ 26 °C

    Vig - Peshkopi

    Unser Wecker ist auch heute unnötig: gestern waren es die Fischer, heute ist es ein Jäger mit seinen Hunden, der uns weckt. Auf der holprigen Bergstraße ist erstaunlich viel Betrieb, vollbeladene Pickups mit Kindern auf der offenen Ladefläche rollen ins untengelegene Dorf. Bis ins Bergdorf sind es noch 3km steinige Schotterpiste bergauf, wir motivieren uns mit einem Cafebesuch im Bergdorf und der hoffentlich ab da besseren Straße. Als wir auf dem Gipfel in Vig ankommen, sehen wir zwar Licht im Cafe und einen laufenden Fernseher, aber sonst scheint niemand da zu sein. Nach ratlosen Warten kommt über den nächsten Hügel der verhältnismäßig schick angezogene Besitzer und öffnet das Cafe extra für uns. Leider setzt sich der Schotterweg weiter und wir bekommen die leise Vorahnung, dass der Weg bis zur 40km nächsten Stadt Peshkopi so bleiben könnte, auch wenn er auf der Karte als Landstraße verzeichbet ist. Unser Unmut darüber wird noch durch dunkle Wolken verstärkt, die in unsere Richtung zu ziehen scheinen. Ein vorbeikommender Mann scheint unsere Lage zu erkennen und lädt uns spontan zum Kaffee bei seinem Nachbarn ein. Sie zeigen ihren Respekt für unsere Oberschenkel, was uns kurz verwirrt, begründen damit aber ihren schnell für uns gedeckten Tisch: selbstgemachter Raki aus Weintrauben, selbstgemachter Käse aus Schafsmilch, vor unseren Augen frischgemachte Buttermilch, Äpfel, Haselnüsse und vier Chillis als Geschenk. Wir unterhalten uns mit ihnen, in Vig wohnen 10 Menschen, 200 Schafe und 150 Hühner, die beiden Herren sind um die 70 Jahre alt und ihre Familien wohnen in der nächstgelegenen Stadt. Als Dankeschön schenken wir Ihnen Gewürze aus Marokko und überlegen, was wir zukünftig als Gastgeschenk vorbereiten könnten. Nach einer knappen Stunde scheint die Sonne wieder, die Flasche Raki ist dank des Nachbarn leer (erst Gäste mitbringen und dann den Schnaps austrinken, scheint eine gute Nachbarschaft und ein handfestes Alkoholproblem zu sein) und wir sind wieder voller Energie. Die Straße zieht uns selbst beim Hinunterfahren viel Energie, sodass wir glücklich an überreifen Brombeersträuchern und Pflaumen am Wegesrand halten und unsere Mittagspause nach sagenhaften 8 km verbringen.

    Wir rumpeln weiter über die Steine, bremsen bergab soviel wie noch nie und halten kurz im nächsten Ort, um unsere Handgelenke auszuruhen. Eine typisch bäuerlich abgezogene Frau sieht uns und lädt uns zum Kaffee express ein, als Energie für die Oberschenkel, den wir nur schwerlich ablehnen, um endlich ein paar Kilometer zu schaffen. Diese freunflichen Interaktionen und spontanen Einladungen lassen all den Mismut über die Wegbeschaffenheit wieder kleiner werden. Wir fragen uns: Wie oft wird diese straße von den Dorfbewohnern wohl benutzt, wie oft verlässt mensch dieses Dorf?
    Uns kommen vollbepackte Autos entgegen, jede Sitzplatz scheint ausgenutzt und hinten liegen Zementsäcke. Zur Belohnung aller Anstrengung ergeben sich Weitblicke ins Tal an den Fluss. Die Straße wechselt zwischen großen Steinen und schlammigen Pfützen, sodass wir unsere Höhenmeter wegbremsen müssen. Und dann - es fühlt sich komisch an, so euphorisch deswegen zu sein - endlich wieder Asphalt auf der Landstraße!
    So schaffen wir es abends in Peshkopi anzukommen und folgen der Restaurantempfelung von Theo, wo wir nicht nur leckeres Essen, sondern auch einen Zeltplatz im Garten geboten bekommen. Nach dem Abendessen finden wir volle Straßen bei einem Stadtspaziergang und für uns noch Trileçe als Nachtisch, bevor wir schlafen gehen. Danke an Teho, der und nach Peshkopi und ins Restaurabg Miku geführt hat, wir können es nur herzlich weiterempfehlen.
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