• Restday in den Bergen

    9 September 2024, Macedonia Utara ⋅ ☁️ 25 °C

    ? - Stenje

    Heute ist Erholung angesagt. Wir wollen ausschlafen und schaffen dies tatsächlich (nach mehrmaligem Aufwachen) bis halb zwölf.
    Dann wecken uns allerdings fünf Geländewagen, die hier eine Gruppe Touris abladen. Witzigerweise sind sie gekleidet, als würden sie direkt aus einem Restaurant in Ohrid kommen. Das Bild passt überhaupt nicht zu den Geländewagen und den wilden Bergen. Und dann wird es noch skurriler: Die Tische werden mit Einwegtischdecken bedeckt, Geschirr und Weingläser werden gedeckt und ein Teil der Tourguides fängt an, Essen zu schnibbeln.
    Wir haben schnell alles zusammengepackt, schnappen unsere Frühstückssachen und suchen zum Essen den nächstbesten ruhigen Spot. Eigentlich die falsche Reaktion, da die Nationalparkhütte mit Picknickplatz doch für alle und vielleicht eher nicht für kommerzielle Touri-4x4-Glamourlunches in den Bergen gedacht ist. Manchmal sollte man etwas dominanter auftreten. Als wir zurückkommen, liegen noch Essensreste auf dem Boden und Tischdeckenfetzen hängen an den Tischen - was für ein Scheißverein!

    Als wir weiterfahren, ist es im Nationalpark wieder einsam. Nach ein paar Kilometern erreichen wir wieder eine asphaltierte Straße und treffen auf einen deutschen Camper-Lkw, quasi ein Tinyhouse auf Rädern. Doch auch wenn man mit so einem Gerät alles dabei hat, gibt es immer etwas zu tun. Gerade ist die Stoßdämpferaufnahme gebrochen und muss geschweißt werden. Wir wünschen viel Erfolg. Ganz günstig scheint so ein Gefährt übrigens nicht zu sein – 22 Liter verbraucht das Ding im Schnitt auf 100 km.

    Auf der Asphaltstraße rollen wir mit wunderbaren Ausblicken nun fix zum Prespasee hinunter und steuern das kleine Dorf Stenje an, in dem zumindest ein kleiner Laden eingezeichnet ist. Dort gibt es wirklich nur das Nötigste, und obwohl vor dem Laden einige alte Karten spielende Herren sitzen, wirkt das Dörfchen doch sehr heruntergekommen und verlassen – so, als habe es mal goldene Zeiten gegeben, die nun vorbei seien.
    Dennoch entdecken wir im Anschluss noch ein geöffnetes und tatsächlich ganz gut besuchtes Restaurant für ein sehr spätes Mittagessen. Auch die Strandpromenade deutet darauf hin, dass hier einmal viel mehr los war.

    Während wir noch essen, bricht der Regen los, der sich schon seit einer Weile angekündigt hat. Es schüttet wie aus Eimern. Wir schauen nach einem regengeschützten Übernachtungsplatz und brechen in einer Regenpause zu einer in der Nähe liegenden Kapelle auf. Als wir ankommen, finden wir sie mit einem großen Vordach, aber umzäunt auf einem Friedhof liegend vor.
    Sollen wir hier, auf dem Friedhof, übernachten? Vielleicht ein bisschen gruselig? Aber ist es nicht auch respektlos? Andererseits soll es gewittern.
    Nach einigem Abwägen entscheiden wir uns dann zunächst, zum Restaurant zurückzufahren, um uns zu erkundigen, ob wir dort auf der Terrasse unser Zelt aufstellen dürfen. Erfreulicherweise ist das gar kein Problem, der Kellner scheint eher leicht amüsiert und interessiert. So bauen wir unser Zelt also auf der Restaurantterrasse auf, während noch ein letzter Gast sein Essen bestellt. Ihm fallen wir natürlich ebenfalls auf, sodass er den Kellner fragt, woher wir kommen und ob wir nicht noch etwas trinken wollten. So ganz können wir dann mal wieder nicht Nein sagen und setzen uns mit an den Tisch.
    Und tada, natürlich spricht er mal wieder Deutsch, da er in seiner Jugend als Volleyballspieler nach Wien gegangen ist.
    Wir unterhalten uns noch nett und bekommen noch einige Infos: Er macht hier Angelurlaub, weil es schön ruhig ist. Früher, im ehemaligen Jugoslawien, sei die Gegend hingegen ein gut besuchtes Urlaubsziel gewesen. Nach dem Krieg und insbesondere in den letzten Jahren verliert der See jedoch Wasser und spätestens seit Corona ist der Tourismus hier deutlich zurückgegangen. Darauf deuten auch die brachliegenden Häuser, Hotels und die Strandpromenade hin.

    Ein letzter Fun-Fact: Der See hat keine oberirdischen Abflüsse, speist aber unterirdisch den Ohridsee.
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