Hätte, hätte Fahrradkette, B. Mazedonien
12 September 2024, Greece ⋅ ☀️ 28 °C
Oder auch Se(h)en von Mazedonien nach Griechenland
Unser Tag beginnt direkt am Eurovelo, und das in Mazedonien tiefenentspannt: zelten, kochen, pinkeln und niemand kommt vorbei. Wir radeln los und treffen einen Radreisenden aus Schweden sowie einen Fußreisender mit Fahrradanhänger auf der Landstraße, als wir gerade mit viel Schwung den Berg hinunterrollen und uns fragen, warum ein Mensch als Reisemottel über Landstraße den Fußbus wählt, sieht es doch anstrengend aus, wie er bergrunter den Wagen festhält. In der Kleinstadt Valandovo decken wir uns beim Supermarkt ein und halten natürlich auch beim Bäcker für einen Burek, Joghurt und eine kunstvolle Biskuitteigschnitte mit Sahne. Gestärkt und mit Rückenwind rollen wir zum Doyrannsee, wo uns beeindruckend große Geier (?) und Algengeruch begrüßen. Wir essen Fischsuppe und Kartoffelsalat im Restaurant, stoppen dann nochmal beim Bäcker und geben unsere letzten Denare für Eurocrem-Waffeln (sehr lecker!) aus. Und so endet unsere Zeit in Mazedonien bereits, es ist ein Land welches wir beide nochmal mit mehr Zeit bereisen wollen, hält es neben durchwachsener Geschichte vielfältige Nationalparks bereit. Der Grenzübergang nach Griechenland ist komisch, mal wieder in der EU zu sein, so kurz vor Istanbul. Kurz danach reißt meine Kette auf einem Feldweg (ja, sowas ist möglich!), aber dank des Flix 24/7 Reparaturservice bekommen wir die Kette behilfsmäßig mit anderen Kettenglieder zusammengenietet. Wie lang das wohl hält? Von den Anwohner des Dorfes bekommen wir eine Tankstelle empfohlen, die von nur einem Mann betrieben wird und zugleich ein Restaurant, ein Minimarkt und eine Werkstatt ist. Statt einer neuen Kette (Motorradketten waren die kleinsten) probieren wir Baklavaeis und radeln weiter. Der nächstgelegene Radladen in Rudolfino ist unauffindbar, dafür werden uns in der Kleinstadt Ketten für den Hals und für Kettensägen angeboten, die wir dann doch ablehnen. Im Sonnenuntergang radeln wir mit Seeblick und Bergkettenpanorama zum Kerkinisee, um unser Nachtlager an einem Vogelbeobachtungsturm aufzuschlagen. Eine Minzpolenta mit Salat wandert in unsere Mägen und wir fallen müde ins Bett - aufgrund der Zeitumstellung nochmal eine Stunde später.
Bilanz Mazedonien:
Mazedonien* hat uns schnell von sich begeistert: große Seen liegen umringt von Bergen, die Bäcker halten eine Brotauswahl, Bureks, Kühlschränke voller Ayran und Trilece parat und die Menschen sind oft freundlich zu uns. Der Fahrstile der Autofahrer ist leider nicht so respektvoll wie in Albanien, steile Bergwege und beeindruckende Natur haben wir hier auch finden können. Es ist auch das Land der unerwarteten Übernachtungsorte: Am touristischen Ohridsee sind wir ungläubig einer Empfehlung gefolgt und haben am Stadtstrand gezeltet, am nächsten See sogar auf der Restaurantterasse. Und am Ende verabschieden wir uns genussvoll von der Eurocrem, dem Nutella des Balkans.
* Seit 2019 offiziell Nordmazedonien, was allerdings zu großem Unmut bei den Menschen geführt hat, mit denen wir geredet haben. Lest gern selber mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Streit_um_den_Nam…Baca lagi








