• Kapelle am Meer

    15 September 2024, Greece ⋅ ☀️ 24 °C

    Stathmós Angístas - Galani

    Wir brauchen sage und schreibe drei Stunden zum Aufbrechen, allerdings war der Ort auch wirklich schön und ein Bad im ca. 14 °C kalten Bergfluss musste sein. Dafür strampelten wir im Anschluss fix bis Lagos. Eigentlich erwarten wir ein kleines Dörfchen, werden aber von einem riesigen Markt und großen Menschenmengen überrascht. Perfekt für eine Mittagspause mit unserem vorgekochten Dal.

    Für unser selbst Gekochtes ernten wir auch direkt das Lob eines Griechen, der seit über 50 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet.
    Mit 17 kam er nach Heilbronn und hat auch immer selbst gekocht. Es sei nicht ganz leicht gewesen, aber er habe sich alles erarbeitet und sich selbst Deutsch beigebracht. Nun sei er Rentner und lebe immer noch in Deutschland, ebenso wie seine Kinder und Enkelkinder (spannenderweise hat er dennoch nie einen deutschen Pass beantragt oder dies vor, da wir ja alle Europäer seien). Es sei besser dort, insbesondere im Winter, weil man die Zeit häufiger drinnen mit Freunden und Bekannten verbringe (hier kenne er die Leute nicht mehr und Anschluss sei schwieriger) – eine interessante und unerwartete Perspektive.
    Als seine Frau hinzukam, rutschte das Gespräch dann leider – wie so häufig – in eine unangenehme Richtung. Früher seien die Leute hilfsbereiter gewesen, heute seien sie neidischer. Beim Gespräch über Istanbul und die Türkei ist die Flüchtlingsdebatte dann nicht mehr weit: Die bekämen heute alles, ohne zu arbeiten. Den Widerspruch, dass dies zu ihren vorherigen Aussagen steht, bemerkt sie nicht. Überhaupt ist es mal wieder interessant, wie Menschen, die selbst aus wirtschaftlichen Gründen für ein besseres Leben nach Deutschland kamen, nun auf andere Migranten oder Flüchtlinge blicken.
    Auch weil es durchblicken lässt, dass viele Vorurteile (gegenüber TürkInnen) oder gegenüber anderen Ländern und Menschen bestehen, war sie sichtlich überrascht, als ich von Marokko erzählte. Sie schüttelte nur den Kopf und sagte: „Ist das nicht gefährlich dort?“ Menschen, die in die Fremde gehen und Angst vor dem Fremden und Unbekannten haben – schon skurril.

    Nach unserer mäßig entspannten Mittagspause bemerkt Anna, dass die provisorisch reparierte Kette nach etwa 150 km wieder nachgibt. Demnach folgt noch ein Kettenwechsel vor der Weiterfahrt.

    Später sehen wir noch einmal einige Flamingos und fahren entlang schöner Küstenorte, die noch nicht so touristisch wirken. In einem kleinen Dorfladen machen wir letzte Einkäufe (inkl. Benzin auffüllen) und lassen uns noch ein Mini-Eis (die gibt es hier in jeder Bäckerei und in jedem Tante-Emma-Laden unverpackt) schmecken. Man ist sichtlich bemüht, uns zu verstehen und zu helfen, und sicherlich waren wir auch Gegenstand der Gespräche der Dorfältesten, die bei verschiedenen Getränken den Sonntag im Schatten der Ladenmarkisen genossen.

    Wir fahren bis kurz vor Sonnenuntergang und finden eine kleine Kapelle mit Sitzgelegenheit direkt am Strand. Hier springen wir noch einmal ins Meer, kochen und bauen schließlich im Wellenrauschen das Zelt auf.
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