Istanbul - Ornekköy
28. september 2024, Tyrkiet ⋅ ⛅ 22 °C
Um mir Kilometer Stadtfahrt zu sparen, nehme ich direkt die Fähre nach Yavola. Außerdem trägt das eventuell noch ein bisschen zur Schonung bei, da die Erkältung der letzten Tage noch nicht so ganz verschwunden ist und mein Kopf sich noch etwas matschig anfühlt.
Auf der anderen Seite des Wassers ist plötzlich alles ganz anders. Mit der Fähre lande ich mehr oder weniger direkt auf einem Basar. Touristen sind hier fast keine mehr unterwegs, es sieht deutlich weniger westlich aus und die Preisschilder der Döner- und Pideläden scheinen geringere Zahlen zu zeigen. Auch ziehe ich mit meinem Rad deutlich mehr Blicke auf mich, vermutlich gibt es hier sonst nicht so viele Radfahrende zu sehen – auf jeden Fall mal wieder etwas, woran man sich gewöhnen muss.
Gleichzeitig steigt damit aber auch wieder die Gastfreundschaft. Erst werde ich von den Gemüse- und Obstverkäufern, bei denen ich mich mit Tomaten, Äpfeln und Nektarinen versorgt hatte, auf einen Tee eingeladen. Dann wird mir am Iznik-See von einer älteren Männergruppe ein Tee angeboten. Schließlich, als ich gerade am See mit dem Kochen anfange, kommt ein weiterer Mann mit seiner Familie vorbei, um mir etwas Brot, Kekse und einen Instantkaffee zu schenken und kurz seine eigene Radlererfahrung von der Türkei nach Griechenland und Georgien zu teilen. Ich denke, ich muss lernen, häufiger abzulehnen, um überhaupt noch ein paar Kilometer zu radeln!
Am See campen übrigens etliche Einheimische. Es ist quasi ein kostenloser Camping- und Caravanplatz vorhanden, und nur für den Toilettengang werden ein paar Lira verlangt. Camping scheint hier fast Volkssport zu sein, etliche Familien, Männer- und Frauengruppen sind hier. Die meisten kochen mit kleinen Holzöfen oder auf dem Grill, manche mit dem Gaskocher. Obligatorisch scheinen aber für alle die Teekannen zur Çajzubereitung zu sein.
Nachtrag zum letzten Tag in Istanbul:
Mein letzter Abend in Istanbul barg dann noch eine Überraschung. Adrien hatte von der Oper erzählt, die er zusammen mit einer Kollegin und deren Bekannten besuchen wollte. Die Carmina Burana im Atatürk Kültür Merkezi. Leider waren die Tickets aber schon länger ausverkauft gewesen. Eine gute Stunde vor Beginn (20 Uhr) gab es dann aber noch eine schnelle Nachricht von Adrien, ich solle noch vorbeikommen. Ca. 19:45 Uhr stand ich dann vor dem Opernhaus, 19:58 Uhr bekam ich von Adrien ein Ticket per WhatsApp zugeschickt. Ich huschte noch schnell durch den Einlass und suchte meinen Platz, als auch schon fast die Oper, die sich als Ballett entpuppte, begann. Die Aufführung war unglaublich imposant und eindrucksvoll mit großem Orchester und etlichen TänzerInnen.
Eine gute Stunde nahm sie in Anspruch und endete mit tosendem Applaus und Standing Ovations. In den hinausströmenden Massen fand ich dann auch Adrien und seine Gruppe wieder. Wie ich nun erfuhr, war eine Person krank geworden, sodass spontan ein Ticket frei wurde. Was für ein Zufall!
Als es im Anschluss hieß, man würde noch etwas trinken gehen, schwante mir (und Adrien vermutlich auch) nichts Böses und wir fanden uns in einer luxuriösen Bar über der Oper wieder, wo ich wohl den teuersten Cocktail meines Lebens trank – na ja, da das Opernticket kostenlos war, alles in allem doch ein finanzierbarer Abend. Nur die Rechnung von einer der Begleiterinnen und ihrer Tochter hätte ich nicht bezahlen wollen, und ich fragte mich lediglich, mit wem wir hier gerade eigentlich unterwegs waren und was für Jobs die Leute hatten bzw. was sie verdienten.Læs mere








Rejsende
Und ist der See schwimmbar?
RejsendeIrgendwie war niemand drin und er erschien am Ufer sehr flach, aber ich denke schon!