• Ein ereignissreicher Tag

    10. oktober 2024, Tyrkiet ⋅ ☁️ 24 °C

    Um sechs Uhr war ich wach, um bei der morgendlichen Farmarbeit zu helfen. Tatsächlich wusste ich aber nicht genau, wie ich mich als Gast im Haus bewegen sollte. Tatsächlich klopfte es dann aber kurz nach sechs an der Zimmertür. Ich machte mich schnell fertig und Osman brachte mich zum Stall, wo Ergün bereits mit der Arbeit begonnen hatte. Zunächst war Stallausmisten angesagt, danach Stroh und Futter in den Trögen verteilen und am Ende noch das Melken der Milchkuh. Letzteres ging mit Maschine und da es sich nur um eine Kuh handelte, tatsächlich sehr fix. Die Milch kam danach in die Kühltruhe, um später für den Eigenbedarf an Käse (und vielleicht noch anderen Produkten) zu dienen. Damit war die Morgenschicht getan und es ging zum Frühstücken in Ergüns Haus. Hier hatte Ergüns Frau schon aufgetischt. Interessanterweise scheint Gugelhupf hier ein Ding zu sein. Nach dem Frühstück werden die Kinder zur Schule gebracht – mit dem Auto, auch wenn es nur 500 Meter sind. Eine Gelegenheit, Status zu zeigen? Denn dafür sind Autos hier schon auch da (kann mir keiner erzählen, dass Limousinen praktisch sind).

    Als wir zurück sind, verabschiede ich mich, komme aber gar nicht weit, bis mich ein Hirte zum Tee einlädt. Er ist Afghane und scheint Tag und Nacht bei der Herde zu sein. Zum Schlafen dient eine Art schwerer Biwaksack, wenn man es so bezeichnen möchte, bestehend aus zusammengenähten Decken (glaube ich), die von außen etwas gegen Regen imprägniert zu sein scheinen. Zum Schutz gegen Wölfe gibt es den Schäferhund und eine Pistole. Schon krasse Bedingungen.
    Dummerweise gab ich, um Übersetzungsschwierigkeiten beizukommen, meine Nummer raus und bekam später weirde Nachrichten und Videos geschickt – man lernt ja schon als kleines Kind, dass man das nicht macht … naja.
    Auf der weiteren Strecke werde ich in
    Kozanli von der Polizei zur Seite gewunken. Das erste Mal überhaupt.
    Nun ich sah wohl durstig aus, denn man wollte mir einen Çay anbieten. Inzwischen habe ich aber gelernt auch mal abzulehnen, um auch etwas voran zu kommen.

    Das nächste Ereignis lässt dann auch nicht lange auf sich warten, als mich ein Transporter überholt, freundlich hupt und ein kleiner Junge auf dem Beifahrersitz irgendwelche freudigen Ansagen mit einem Mikrofon macht. Hinter der nächsten Kurve hält dann der Transporter und der kleine Junge kommt strahlend mit einer Melone entgegen, die er mir schenken (oder verkaufen?) möchte. Das Rad ist leider wirklich gut bepackt und so muss ich trotz der niedlichen Aktion und vielleicht auch zur kleinen Enttäuschung des Jungen ablehnen.

    Früh zum Mittagessen komme ich in Kulu an. Der Kontrast zwischen den Dörfern und den mittelgroßen Städten ist immer wieder erstaunlich. Hier steppt der Bär, und nicht nur die ganze Stadt scheint auf den Beinen zu sein, sondern gefühlt sind auch alle aus der näheren Umgebung hier. Ich suche einen Dönerimbiss auf und werde direkt zweimal überrascht: Zunächst spricht hier mal wieder jemand Deutsch, und als ich schließlich bezahlen möchte, heißt es erst, dass es schon passt, und als ich protestiere, dass die Leute vom Nachbartisch schon für mich bezahlt hätten. Die Gastfreundschaft und Freundlichkeit der Leute nehmen wilde Züge an, lassen mich etwas verlegen sein und ich fühle mich auch ein bisschen unwohl.

    Zuletzt erledige ich noch ein paar Einkäufe und radle noch ein paar Kilometer bis auf einen Hügel kurz vor dem Salzsee Tuz. Ruhe, ein Sonnenuntergang und auch sonst ein guter Ausblick beenden diesen ereignisreichen Tag.
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