• Weiter mit dem Esel

    11. oktober 2024, Tyrkiet ⋅ ☀️ 25 °C

    Tuz Gölü - Balcı

    Ein toller Zeltspot auf dem Berg, eine ruhige Nacht, eigentlich passt alles. Dennoch habe ich nicht so gute Laune. Melancholische Stimmung. Wie weit soll ich fahren? Wann soll ich umdrehen?
    Erstmal losrollen, das lenkt ab. Nach kurzer Zeit treffe ich einen Hirten, bei dem ich mein Fahrrad gegen einen Esel eintausche. Scherz, der Esel schien kaputt gewesen zu sein, denn er hat sich gar nicht bewegt. Dementsprechend habe ich natürlich nicht getauscht! Nur ein paar Sonnenblumenkerne reiche ich ihm, als er mir die Hälfte eines Apfels anbietet. Dann muss er sich allerdings wieder seiner Arbeit widmen, da einige Schafe bereits auf das falsche Feld ausbüchsen.

    Kurze Zeit später treffe ich am Park4Night-Spot ein paar deutsche Aussteiger, Livi und Bernd, die mit einem Mercedes 4070D unterwegs sind. Sie haben in Deutschland alles aufgegeben und versuchen nun ihr Glück auf vier Rädern mit Social Media und Kryptohandel – oder haben es vielleicht schon gefunden. Viel Erfolg!

    Dann geht es über den Salzsee, der tatsächlich mehr Salz als See ist – zumindest auf der Nordseite. An der Ostseite passiere ich noch die Salzindustrieanlagen, bevor ich im nächsten Ort für ein zweites Frühstück bzw. vorgezogenes Mittagessen an einer Moschee halte (hier gibt es häufig Bänke, Schatten und vor allem fließendes Wasser, da sich vor den Gebeten immer gewaschen werden muss).
    Als ich gerade fertig bin und schon zusammenpacke, kommen einige Frauen aus der Moschee. Eine mümmelt etwas Brot, das sie mir schenken will. Aus Freundlichkeit nehme ich nach einem erfolglosen Ablehnversuch doch an. Leider werde ich diesmal jedoch keine Sonnenblumenkerne los, von denen ich immer noch ein Kilo oder so mit mir herumfahre.

    Der weitere Weg führt wieder durch triste, trostlose, bewirtschaftete Hügel. Ich stöpsele mir die Kopfhörer ins Ohr und starte ein Karl-May-Hörbuch. "Durch die Wüste" klang eigentlich ganz passend, ist aber von Wortwahl, Sprache und tatsächlichem Inhalt teilweise doch schwer zu ertragen, und ich frage mich, warum ich die Bücher als Kind so spannend fand. Auf das Hörbuch folgen Nachrichten, dann Musik, und schließlich komme ich gegen halb fünf in Ortaköy an, wo ich nun ein richtiges Mittagessen nachhole und noch ein paar Lebensmittel kaufe.
    Im Anschluss geht es weiter zu einem Stausee, den ich mir für heute Abend ausgesucht habe. Unterwegs halte ich noch einmal an einer Moschee, um Wasser aufzufüllen, was hier auch viele Einheimische tun und riesige Kanister in ihre Autos schleppen. Ich helfe beim Tragen und erkundige mich mäßig erfolgreich nach Zeltmöglichkeiten am Stausee. Schließlich steuere ich diesen einfach an und befinde ihn für gut – gute Nacht.
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