• Doppelplatt

    15. oktober 2024, Tyrkiet ⋅ ☁️ 19 °C

    Zunächst wollte ich heute Morgen noch die Vulkanumrundung vollenden. Darauf gab es in Develi dann erst einmal ein Stück Baklava und irgendein anderes süßes Gebäckstück. Im Anschluss suchte ich die Post auf, um eine in Auftrag gegebene Postkarte einzuwerfen.

    Als ich aus der Stadt hinausfuhr, kam ich leider nicht weit und hörte ein leises zischendes Luftentweichen. Immerhin ließ sich die Übeltäterglasscherbe so relativ leicht lokalisieren, und ich konnte auf das Ausbauen des Rades und das vollständige Abziehen des Mantels verzichten. Der Flicken ist schnell drauf, der Mantel ebenso schnell wieder an Ort und Stelle, nur das Pumpen mit der kleinen Pumpe braucht gefühlt eine Ewigkeit. Fast geschafft, denke ich, als ich wieder ein leises Zischen an derselben Stelle im Mantel vernehme. Hält der Flicken nicht? Also dasselbe Spiel von Neuem, doch der Flicken scheint zu sitzen. Tatsächlich finde ich nach kurzem Suchen ein zweites Loch an anderer Stelle. Hier hat ein Dorn sein Unwesen getrieben, steckte aber noch im Mantel, sodass die Luft an anderer Stelle entwichen ist. Schließlich ist auch hier ein Flicken drauf und auch das ewige Pumpen nimmt ein Ende, als ein Auto anhält und ein Mann mir seine Hilfe anbietet und mich auf einen Çaj einlädt. Das Haus sei direkt hinter dem Hügel links. Nach der Pumpaktion freue ich mich auf einen Tee, schlage aber die Idee aus, mich mit einem Spanngurt vom Auto ziehen zu lassen – keine Experimente heute (auch wenn’s bestimmt lustig gewesen wäre).

    Der Çay entpuppt sich als ganzes Mittagessen, als Aşık (wenn ich mich richtig erinnere) noch Brot, Tomaten, Weintrauben herbeiholt und beginnt, ein paar Stücke Fisch zu frittieren. Wieder einmal unglaublich diese Gastfreundschaft! Die Unterhaltung läuft mal wieder per Übersetzungs-App und kurz übers Telefon, als Aşık einen Verwandten in Deutschland anruft und mir das Telefon reicht. Nach dem Essen gibt es noch ein paar Gläser Çay. Dann verabschiede ich mich.

    Inzwischen ist es schon fast zwei Uhr und es stehen erst 20 km auf dem Tacho. Doch der Wind meint es gut mit mir und pustet mich erst durch die Ebene und dann den nächsten Berg hinauf. Diesen unterschätze ich etwas, da ich übersehen habe, dass er aus zwei Pässen besteht. Umso mehr ärgere ich mich, als ich das Angebot zweier Männer in einer Pritsche ausschlage, mich ein Stück mitzunehmen.

    In der Dunkelheit komme ich oben am Pass an. Gute Zeltplätze gibt es hier leider nicht und so rolle ich ins nächste Dorf, um mich zu erkundigen, ob ich irgendwo zelten darf. In Hanyeri ist es allerdings gar nicht so einfach, noch jemanden anzutreffen, es scheinen schon alle in ihren Häusern verschwunden zu sein. Wie es der Zufall will, kommt dann jedoch ein Auto mit deutschem Kennzeichen vorbeigefahren und hält an einem der Häuser – verrückt. Der Mann am Steuer kommt ursprünglich aus dem Dorf und besucht gerade Freunde. Er erkundigt sich kurz bei diesen und teilt mir dann mit, dass es kein Problem sei, drüben beim Dorfplatz (es scheint wie ein kleiner gemeinschaftlicher Treffpunkt zu sein) zu zelten. Foto folgt.
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