• Alle guten Platten sind drei

    16 Oktober 2024, Turki ⋅ ☀️ 12 °C

    Nach einer ruhigen Nacht unter dem Dach des Dorfplatzes (oder so ähnlich) gab es zunächst ein aufwärmendes Kaffee- und Porridge-Frühstück, denn morgens ist es draußen schon ziemlich frisch. Beim Zusammenpacken kam dann noch Ismael, den ich gestern fragte, ob ich hier übernachten könne, vorbei, um mir zwei Sandwiches und ein gekochtes Ei zu geben – wieder mal sehr lieb. Er erklärte mir noch, dass dieses Dorf kurdisch-alevitisch sei und es daher keine Moschee gebe, und wünschte mir dann eine gute Reise.

    Ich kam gut 20 km weit, als ich merkte, dass mein Vorderreifen Luft verlor. Damit hatte ich nun in zwei Tagen mehr Platten als in der ganzen Zeit zuvor – ich hoffe, es wird nicht zur neuen Normalität …
    Ich rollte noch bis ins nächste Dorf auf einen Kinderspielplatz, um mich an die Reparatur zu machen. Kurz darauf ertönte ein Pausengong, und der Kinderspielplatz entpuppte sich als Schulhof. Die gut 15 Kinder brauchten nicht lange, um mich zu entdecken und ihre frisch erworbenen Englischkenntnisse („What’s your name? How are you?“) an mir zu erproben. Auch alle beweglichen und Geräusche machenden Teile an meinem Fahrrad hatten sie schnell entdeckt und standen nun halb spielend, halb im Kreis und einer immer auf meine Hupe drückend um mich herum und schauten zu, wie ich den Schlauch flickte. Etwas später kam auch die Lehrerin dazu und bot mir einen Tee an. Eine lustige Situation. Kurz nach dem Gong war ich soweit fertig und wurde von einem etwas Deutsch sprechenden Mann direkt auf den nächsten Çay eingeladen.

    Diesmal in der originellen Dorfkneipe (falls es eine Çaystube auch als Kneipe bezeichnen kann). Hier saßen bereits einige ältere Herren, tranken fleißig Çay und spielten Karten. Eine sehr schöne, traditionelle Atmosphäre. Mit einem etwas Jüngeren kam ich ins Gespräch und wurde, nachdem ich von der Reise erzählte, wo ich hin will und dass ich Ingenieur sei, zunächst gefragt, ob ich hier Gold suche. Schade, dass ich darauf gar nicht mit „Ja“ antworten konnte, wäre bestimmt auch spannend gewesen! Wobei ich nicht ganz verstanden habe, wo es hier in der Gegend nun Gold geben soll und wie man überhaupt danach sucht.

    Im Anschluss ging es dann fix weiter durch schöne Berglandschaften und am Ende etwas über die Bundesstraße, bis ich in Göksun ankam. Hier erkundigte ich mich zunächst nach einem Fahrradladen, um den Luftdruck etwas zu erhöhen (nächstes Mal nehme ich Autoventile, dann geht das auch an jeder Tankstelle) und mich mit neuem Flickzeug einzudecken. Letzteres ging nämlich langsam zur Neige.
    Der Fahrradladenbesitzer empfahl mir dann direkt das Restaurant nebenan, das ich in der Hoffnung auf eine leckere Mahlzeit (und weil es dort eine Steckdose gab) ausprobierte. Allerdings entpuppte sich der Ort eher als Süßspeisenladen, was meinen hungrigen Radlermagen zunächst enttäuschte. Doch der Fahrradladenbesitzer hatte nicht zu viel versprochen, und ich erhielt einen kulinarischen Gaumenschmaus: Yari Yariya, was man sich etwa wie warmes Baklava mit ein bisschen Käse und einem Hauch Eiscreme vorstellen kann. Mit dem Namen bin ich mir allerdings nicht so sicher, weil dieser laut Übersetzung nur irgendetwas mit „halb und halb“ oder „zur Hälfte“ bedeutet … egal, lecker war’s.

    Nun war die Zeit schon etwas fortgeschritten, und ich musste mich beeilen, um noch den Stausee zu erreichen, den ich mir zum Übernachten ausgesucht hatte. Unterwegs dorthin wurden mir noch eine Handvoll Walnüsse in die Hand gedrückt. Und als ich mich am Stausee erkundigte, ob ich hier irgendwo zelten könne, wurde mir gesagt, dass ich mein Zelt in einem kleinen Rohbau aufschlagen könne (Foto folgt bei Tageslicht). Und wer hätte es geahnt, mir wurde noch ein Stück Fisch angeboten.
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