• Reihenhäuser, Herbsttäler und Sturm

    17. oktober 2024, Tyrkiet ⋅ ⛅ 16 °C

    Gleich zu Beginn des Tages fielen mir etliche neu gebaute Einfamilienhäuser auf. Sie zogen sich entlang des Stausees und auch im Laufe des Tages gab es immer wieder Neubausiedlungen zu sehen. Gleichzeitig standen in einigen Dörfern und Städten noch viele Notfallzelte mit der Aufschrift AFAD, dem staatlichen Katastrophenschutz. Ich befand mich scheinbar in der Region, die vor gut zwei Jahren von einem der stärksten Erdbeben, das es jemals in der Türkei gab, getroffen wurde. Ich hatte den Eindruck, dass noch immer die Schwere und Betrübtheit dieses Ereignisses in der Luft lag und die Menschen ein bisschen weniger fröhlich und aufgeschlossen waren als in bisherigen Gegenden – kein Wunder bei circa 70.000 Toten.

    In Ekinözü machte ich Mittagspause. Ein großer Teil des Alltags schien sich hier noch in Containern abzuspielen, zum Beispiel der Imbiss, bei dem ich einen Döner bestellte, und ein paar andere Geschäfte nebenan. Nach dem Essen versammelte sich eine Gruppe Einheimischer um mich herum, und ich erklärte mit Händen und Füßen, woher ich kam und wohin ich wollte. Einer im Fall mir energisch, die Nordroute um den nächsten Berg herum nach Barış zu nehmen, da sie weniger bergig sei. Ich entschied mich allerdings dagegen, da heute der Wind eine viel wichtigere Rolle spielte. Eine gute Entscheidung, denn meine ursprünglich geplante Südroute entpuppte sich als wunderschönes herbstliches Tal.

    In Bares angekommen, hielt ein Auto neben mir. Der Fahrer sprach perfektes Englisch und besuchte jemanden in einer der provisorischen Containersiedlungen. Er empfahl mir eine günstige Unterkunft in Nurhak, der nächsten Stadt, und erklärte mir auf Nachfrage, dass die ganzen Neubauten von der Regierung gebaut würden und zur Erdbebensicherheit maximal zwei Stockwerke hätten.

    Den letzten Hügel nach Nurhak wurde ich durch den starken Wind fast ohne Treten hinaufgeschoben. Das Wetter wurde immer ungemütlicher und stürmischer, und ich war froh, dass ich die unscheinbare Unterkunft empfohlen bekommen hatte. Da ich auch mit dem Wissen, dass es sie gab, zunächst an ihr vorbeifuhr. Ich mietete mich in den jugendherbergsgleichen Bau für eine Nacht ein und war froh, bei dem nun wirklich stürmischen Wetter draußen ein Dach über dem Kopf zu haben. Im Zelt hätte ich sonst bestimmt kein Auge zugedrückt, außerdem fühlte ich mich nach dem ganzen Wind des heutigen Tages tatsächlich etwas schlapp.
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