• Alte Brücken

    19. oktober 2024, Tyrkiet ⋅ 🌙 9 °C

    Hatte ich vor einer Woche noch Sandalen, kurze Hose und ein einfaches Shirt an, sind es nun plötzlich die festen Schuhe, lange Hose, Merino-Shirt, Pullover, Daunenjacke und Handschuhe. Gerade die morgendlichen Temperaturen sind enorm gefallen – um die 1 bis 2 Grad soll es gewesen sein. Die Höhenlage macht sich bemerkbar.

    Zusammen mit Abuzer gehe ich zu seinem Laden, der zunächst verkaufsbereit gemacht wird. Obst abdecken, fegen und wischen. Dann frühstücken wir. Brot und Käse werden wieder vom Laden auf der anderen Straßenseite geholt.
    Abuzer arbeitet hier von 7 Uhr bis 19 Uhr. Der Container hat keine Heizung. Ich frage mich, wie er das aushält, insbesondere in den kommenden Monaten.

    Nach dem Frühstück verabschiede ich mich und muss mich erst einmal warmradeln. Durch die stärker werdende Sonne geht es aber ganz schnell. Nach einem Stück auf der großen Straße biege ich in eine kleinere ab, passiere Tabakfelder und durchquere schließlich eine wunderschöne Schlucht.
    An einem höher gelegenen und vor allem sonnigen Punkt mache ich Tee-, Nuss- und Sonnenblumenkernpause – irgendwie müssen die ja mal weniger werden.

    Die Schlucht mündet in einen breiten Fluss, der ein paar Kilometer weiter von der Cendere-Brücke, einer alten Römerbrücke, überquert wird. Hier sind plötzlich auch wieder einige Touristen und Ausflügler anzutreffen. Absurderweise möchten einige (wie auch sonst nicht selten Leute auf der Straße, mit denen man nur kurz Smalltalk hält) Selfies oder Fotos mit mir machen. Im Nachhinein nicht unbedingt angenehm, aber anfangs sage ich schon häufig ja, da ich ja auch viele Fotos (mit Leuten) mache. Ein Mann stellt sich mir als Bürgermeister der Gegend vor, spricht mit mir, während ein anderer „heimlich“ mit dem Handy filmt – gewöhnungsbedürftig.
    Vor der Brücke kaufte ich noch in einem kleinen „Tante-Emma-Laden“ ein und aß im ebenso kleinen und einfachen Restaurant nebenan. Der Platz drumherum glich eher einem Baustofflager, hinter dem Hof stand ein kleiner Kuhstall, und Hühner liefen auf und ab. Während des Essens, das sie erst noch auftreiben mussten, unterhielt ich mich mit den netten Leuten. Zahlen sollte ich am Ende nicht, was mir wieder ziemlich unangenehm war. Soll man überhaupt noch in so kleine familiäre Restaurants gehen oder sich z. B. nach einem Ort zum (Wildcampen) erkundigen, wenn das häufig zu einer Einladung und großer Gastfreundschaft führt? Es ist natürlich schön, aber auch etwas unangenehm, weil die Menschen häufig ja selbst nicht so viel haben – zumindest nicht so viele Freiheiten und Möglichkeiten wie ich.

    Den Campingplatz nahe der Brücke finde ich etwas unsympathisch, weshalb ich dann noch etwas weiterfahre und auf der Suche nach Wasser und einem geeigneten Spot gehe. Ich sehe noch eine alte Brücke und werde dann in Eski Kağnı fündig. Wasser bei der Moschee, ein bereits geschlossenes Café, welches auch Zimmer anbietet, und bei dem ich, nachdem ein Nachbar ein Telefonat führt, mein Zelt aufschlage. Allerdings musste ich mich dann nochmal nach dem Preis versichern, da es erst hieß, es sei "tomorrow, not much". So ganz sympathisch klang der Mann am Telefon dabei nicht, eher sehr nach Verkäufer. Mal schauen, ob es morgen wirklich bei 100 Lira bleibt.
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