• Baumwollmaschinerie im Tigristal

    October 26, 2024 in Turkey ⋅ ☀️ 18 °C

    Es gibt Kurzfrühstück in meiner Containerunterkunft, bestehend aus ein paar Resten von gestern. Dann geht es über kleine Dörfer mit etlichen Truthähnen zum Tigristal. An den Straßenrändern „klebt“ jede Menge weiße Wollfetzen von den etlichen Baumwollfeldern, die es hier gibt – Wasser ist vermutlich durch den Tigris genug vorhanden. Einige Felder werden maschinell geerntet, auf ein paar anderen sehe ich Leute, die per Hand pflücken.
    Nach gut dreißig Kilometern komme ich an einem Baumwolllager vorbei und werde auf einen Çay herangewunken. Da ich keine Ahnung von der Baumwollindustrie habe, drehe ich um, das könnte spannend werden. Ich werde von den Männern begrüßt und bekomme nach zwei Çay eine kleine Führung (Video auf Türkisch vorhanden, folgt irgendwann). Die Baumwolle kommt von den Feldern hierher und wird von Blättern, Samen und der Außenhülle befreit. Die Samen werden separat aussortiert und später noch zu Speiseöl verarbeitet (ich habe zwar noch nie davon gehört, hoffe aber, dass die Übersetzungs-App nicht gelogen hat). Aus der gereinigten Baumwolle (ein bisschen Kleinkram ist noch drin) werden 230 kg schwere Baumwollklötze gepresst und schließlich weirerverkauft.
    Obwohl ich bereits mehrfach sagte, dass ich bereits gegessen habe, endet meine Privatführung in der kleinen Kantine, und ich bekomme ein Essen vorgesetzt. Hier essen auch die 55 Beschäftigten – einige von ihnen aus Syrien.
    Ich unterhalte mich noch etwas mit Ayaz, der mir die Führung gegeben hatte, über meine Reise. Er fragt, wie das mit der Sicherheit ist und ob ich „Material“ hätte. Damit meint er tatsächlich Waffen und fragt auf meine verneinende Antwort, ob das nicht gefährlich sei und er mir eine besorgen solle. Ich bin überrascht, auch gestern machten sich die Leute Sorgen über ihre Sicherheit und trugen eine Waffe. Hier, wo sie Gastfreundschaft immer größer wurde. Auf meine Nachfrage, was denn gefährlich sei, heißt es, andere Stämme, die ihnen etwas wegnehmen wollten. Ich verstehe nicht wirklich, was oder wer gemeint ist (Sprachbarriere). Türken? Geflüchtete aus anderen Ländern? Andere Kurden? Andere Familien? Auf jeden Fall klingt es für mich so, als würde es eher die Menschen hier untereinander betreffen.
    Wir kehren zu den anderen Männern, ,die noch immer oder wieder Çay trinken, zurück. Es werden zwei weitere bevor die übrigens ziemlich lustige Runde mich gehen lassen will.

    Der weitere Weg bis nach Batman führt bald wieder auf der Bundesstraße entlang. Ich werde noch ein paar Mal gefragt, ob ich etwas benötige, Wasser brauche oder einen Çay möchte.
    Im Sonnenuntergang erreiche ich kurz vor Beşiri ein Restaurant, wo ich mich erkundige, ob ich hier zelten könne. Dies ist wieder einmal kein Problem und natürlich soll ich nach dem Zeltaufbau noch auf einen Çay vorbeikommen.

    Çaycounter: 6 & 1 Kaffee
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