Am Vansee
October 29, 2024 in Turkey ⋅ ☀️ 11 °C
Nach einem morgendlichen Tankstellençay verabschiede ich mich und mache mich auf den Weg nach Edremit. Auf der Ruine (nun Aussichtspunkt) der Edremit Kız Kalesi (Edremit Mädchenburg) nehme ich einen kleinen Snack zu mir und genieße die morgendliche Stille und den Blick auf den Vansee.
Dann geht es weiter nach Van. An der Stadteinfahrt fallen wieder die enormen Polizei- oder Militärkontrollen auf. Verrückt, was dies auch an Zeit kostet. Autos, LKWs und Betonmischer stehen in der Schlange und auch ich muss meinen Pass vorzeigen.
Erster Stopp ist dann ein Supermarkt. Ich kaufe Oliven, Halva und fülle meinen Snackvorrat mit Nussmischungen, Kichererbsen und Mais von der verpackungsfreien "unverpackt"-Theke auf. Hier komme ich mit den bisherigen beiden netten Verkäuferinnen ins Gespräch und werde gefragt, wie man nach Deutschland einreisen könne und ob es stimme, dass das Visum kostenlos sei. Ich nehme an, dass die beiden es mit Asyl verwechseln und versuche, den Unterschied zu erklären. Wie viele andere wollen auch die beiden nach Deutschland. Manchmal glaube ich allerdings, dass einige es sich einfacher und vielleicht schöner ausmalen, als es ist – zumindest, wenn man zu den wirtschaftlichen Aspekten auch kulturelle Unterschiede und die Bürokratie mitdenkt.
Als Nächstes schaue ich mir die Überbleibsel des alten Vans an. Diese bestehen eigentlich nur noch aus zwei bis drei Moscheen, wobei die Hüsrev Paşa Moschee sehr gut restauriert ist. Wie der Imam mir erklärt, wurde sie 1567 von einem Gouverneur des Osmanischen Reiches (Hüsrev Paşa) erbaut und ist eigentlich eine Külliye, d. h. ein Komplex aus Moschee, Brunnen und Medresse (islamische Schule). Der eigentlich sehr freundliche Imam erzählt mir auch noch, dass das alte Van während und nach des Ersten Weltkriegs durch die Armenier zerstört worden sei und diese den Türken immer einen Völkermord anhängen wollten und eigentlich selbst einen begangen hätten.
Nun, da habe ich anderes gehört, und es zeigt mal wieder, dass man doch immer noch einmal prüfen sollte, was die Leute einem so alles erzählen. Tatsächlich war Van wohl im Ersten Weltkrieg (und bereits in vorherigen Jahrzehnten) umkämpft (Russland, Osmanisches Reich), und es gab auch Revolten der armenischen Bevölkerung. Nun wurden aber in der übrigen Türkei Hunderttausende bis Millionen Armenier deportiert und ermordet – die Revolte der Armenier hier kam also vielleicht nicht ganz ohne Grund …
Nach meinem Moscheebesuch fahre ich noch kurz in die Stadt zum Bäcker. Das neue Viertel wirkt ziemlich modern, jung und westlich. Gleichzeitig haben die Geschäfte und das Treiben auf den Straßen ein typisch türkisches Flair.
Von der Stadt aus fahre ich direkt ans Seeufer, um den Sonnenuntergang zu fotografieren.
Im Anschluss begebe ich mich auf Schlafplatzsuche. Es ist schon dunkel und ich merke gar nicht richtig, was geschieht, als es einen Ruck gibt und ich mit meinem Fahrrad ins Schlingern gerate und rechts an einer Wand entlangschleife. Glück im Unglück: Ich kann mich halten und nur der rechte Handschuh hat etwas abbekommen. Doch wo ist eigentlich meine linke Vorderradtasche? Sie liegt ein paar Meter hinter mir auf der Straße und scheint die Ursache für die ganze Aktion gewesen zu sein. Beim Ausweichen vor einem der Geschwindigkeitshubbel habe ich scheinbar einen dicken Steinbrocken übersehen und mit der Tasche mitgenommen – wie auch immer das passieren konnte. Leider hat es auch die Befestigungshaken beschädigt, sodass die Tasche nicht mehr vollständig einzuklippen geht. Für die letzten paar Tausend Kilometer nach Deutschland sollte das aber kein Problem sein. ;)
Nach dieser ungeplanten Unterbrechung steuere ich schnell den nächsten Strandpark an und frage beim Parkwächter, ob ich hier zelten könnte. Kein Problem, nur die Wiese ist nass, weshalb er mich auf den Basketballplatz verweist. Im Anschluss werde ich noch zum Tee und Grillen mit zwei weiteren Parkwächtern eingeladen. Von den Parkwächtern sind Nummer eins und zwei sehr nett. Der dritte ist leider krass antisemitisch drauf und findet Hitler gut. Was macht man in einer solchen Situation? Kontra geben, fragen, wie man einen Menschen gut finden kann, der Millionen umgebracht hat, und wie das als Muslim mit dem Koran (5:32) vereinbaren kann. Leider kann wieder mal nur mit Übersetzungs-App kommuniziert werden, doch ich hoffe, es hat irgendetwas gebracht.
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Traveler
Das Bild gefällt mir sehr
Traveler
Sind die Steine der Kuppel rund gehauen? Das soll ziemlich schwierig sein, hat mir dieses Jahr ein Steinmetz erzählt.
TravelerHmm gute frage ich weiß es ehrlich gesagt nicht
TravelerBeim Beinhaus in Verdun sieht das auch so aus --> https://files.structurae.net/files/photos/5256/… (Das ist aus Steinmetz-Sicht wohl nicht so einfach herzustellen)
Traveler
Hast Du die Symmetriegruppen schon ermittelt?