Eine Zugfahrt die ist lustig, eine
7. november 2024, Tyrkiet ⋅ ☀️ 14 °C
Zugfahr, die ist schön...und wird dann richtig beschissen
Kars - Ankara - Izmir
Um halb sieben gibt es zunächst ein Hotelfrühstück, das sich sehen lassen kann. Zumal ich nicht einmal wusste, dass das Frühstück inklusive war. Dann geht es durch die Kälte zum Bahnhof – trotz Sonne ist es wirklich kalt, und ich freue mich, heute nicht radeln zu müssen, sondern mit dem Zug zu fahren – zumal ich feststelle, dass wieder einmal eine der Ösen für die Gepäckträgermontage gebrochen ist.
Im Bahnhof gibt es eine kurze Sicherheitskontrolle, in der alle Taschen einmal durch ein Röntgengerät müssen – Taschenmesser oder Flaschen mit Benzin scheinen hier aber niemanden zu stören. Im Anschluss besorge ich mir die Fahrkarte und bin überrascht, wie günstig die Zugfahrt ist: 500 Lira, was derzeit ca. 14 Euro* entspricht. Für eine Fahrt von 1200 km und 26 Stunden. Der Zug stand schon bereit, und das Verstauen des Fahrrads war kein Problem (so wie in deutschen ICs).
Die Zugfahrt ist dann wirklich klasse. Die Strecke windet sich durch die Berge, entlang von kleinen Bächen und Flüssen und durch herbstliche Täler. Das einzige Manko: Es liegt – außer auf manchen Bergspitzen – noch kein Schnee, sonst wäre die Landschaft sicherlich nochmal eine Ecke märchenhafter. Überhaupt wäre es spannend, wie sich der Zug hier durch eine Schneelandschaft den Weg bahnen würde. Schließlich sind es hier sicherlich nochmal andere Bedingungen als in Deutschland, und dort ist es ja auch schon spannend …
Auf jeden Fall gibt es hier im Zug deutlich mehr Personal und vor allem Schaffner, die an den teils auch sehr kleinen Bahnhöfen die Signale per Trillerpfeife und Kelle geben und dafür sorgen, dass der Zug nicht ohne einen losfährt, wenn man an einem dieser Bahnhöfe noch kurz zum Wasserauffüllen herausspringt.
Im Zug selbst war tatsächlich gar nicht so viel los, dafür war aber eine umfassende Versorgung zu fairen Preisen im Speisewagen sichergestellt: Köfte, Döner, einiges anderes, Kaffee usw. und natürlich Çay. Damit dieser nicht kalt wird, wurde auch ordentlich eingeheizt. Mein Thermometer zeigte im Abteil über 30 °C an - etwas übertrieben...
Die Berglandschaften sind übrigens, wie auch schon vorher beim Radeln zu bemerken war, ganz anders als in den Alpen. Während es in jenen doch häufiger enge Täler und begrenzten Platz gibt, sind hier teilweise riesige Ebenen zwischen den einzelnen Bergkämmen zu finden. Zumindest habe ich diesen Eindruck.
Mit drei Stunden Verspätung also nach 29 Stunden Zugfahrt komme ich in Ankara an, wo man mir zunächst versichert, dass es kein Problem ist, mein Fahrrad mit in den Zug zu nehmen und dieser um 20 Uhr nach Izmir abfährt. Soweit so schön, ist alles gut. Ich nutze die Zeit, ein bisschen durch Ankara zu fahren und noch etwas zu essen. Große Stadt, viele Parks und ziemlich westlich – zumindest hat dies den Anschein (dazu unten mehr).
Und nun beginnt der Wahnsinn. Als ich zum Schalter am Bahnhof zurückkehre, will mir die Frau, die hier nun sitzt, kein Ticket verkaufen, weil sie nicht weiß, ob das mit dem Fahrrad funktioniert. Alle meine Erklärungsversuche, dass mir bereits gesagt wurde, dass es funktioniert, sind nutzlos. Sie verweist mich an einen Infoschalter, wo allerdings niemand ist, da gerade gegessen wird, und knuspert dann selbst weiter ihre Snacks.
Irgendwann ist dann zum Glück eine freundliche Frau am Infoschalter und bestätigt nach einem Telefonat, dass ich mein Fahrrad mit in den Zug nehmen kann. Ich gehe also zurück zum Ticketschalter, wo die hochbegabte Frau mir nun mitteilt, dass es für heute, morgen und übermorgen keine Tickets mehr gibt – vielen Dank, hätte man mir das nicht leicht sagen können?
Ich werde auf die andere Seite der Gleise an das andere Bahnhofsgebäude verwiesen, weil dort Bustickets verkauft würden. Inzwischen muss ich das vierte Mal durch die Sicherheitskontrolle und alle Taschen vom Fahrrad abnehmen. Zum Glück habe ich ja schon etwas Übung, aber nerven tut es trotzdem. Im anderen Bahnhofsgebäude heißt es dann, es gäbe hier keine Bustickets. Als ich auf das Flixbus-Symbol zeige, heißt es wiederum, es gäbe hier schon Bustickets, aber nur zwischen 9 Uhr und 17 Uhr – danke dafür. Nun bleibt mir also nichts anderes übrig, als direkt zum Busbahnhof zu fahren. Ein mittellanger Ritt durch eine nicht wirklich fahrradfreundliche Stadt.
Am Busbahnhof erfolgt die Sicherheitskontrolle Nummer 5. Eigentlich sollten hier heute noch etliche Flixbusse, bei denen jeweils noch Plätze frei sind, nach Izmir abfahren. Der Mann am Schalter bestätigt auch, dass das Fahrrad kein Problem sei. Hat er aber ein anderes Problem für mich parat: Frauen und Männer dürfen scheinbar nicht nebeneinander sitzen und so sind nur noch Plätze für Frauen frei – herzlich willkommen im westlich erscheinenden Ankara. Der nächstmögliche Bus geht morgen früh um 7:30 Uhr. Ich buche ihn und hoffe, dass nun alles glattgeht.
Als ich dasitze und warte, quatscht mich eine Frau an, die auch Deutsch und Englisch spricht. Wir kommen ins Gespräch und sie sagt, dass es auch noch andere Busse nach Izmir geben müsste. Also begebe ich mich noch einmal zum Ticketverkauf, der eher einem Jahrmarktstand gleicht, bei dem die Verkäufer wild durcheinanderrufen, welche Busroute sie denn anzubieten haben. Tatsächlich gibt es um 23:30 Uhr noch einen Bus nach Izmir und ich kann meinen Flixbus noch stornieren. Etwas suspekt ist mir das Ganze schon, schließlich erhalte ich lediglich ein handschriftliches Kärtchen mit Busunternehmen, Bussteig und Sitzplatz, sonst nichts. Auch auf der Anzeigetafel findet sich dieser Bus nicht – aber an einem offiziellen Verkaufsstand am Busbahnhof wird man doch wohl nicht verarschen?
Tatsächlich geht auch alles gut, und der Bus taucht kurz nach 23 Uhr am Bussteig auf. Das Fahrrad wird irgendwie im Gepäckraum verstaut, und ich hoffe, dass es wieder heil herauskommt. Nun hätte es eine ganz erholsame und entspannte Busfahrt mit etwas Schlaf werden können, wenn nicht innerhalb der ersten Stunde mein Sitz zerbrochen und der volle Bus nicht auf Sauna-Temperaturen geheizt worden wäre. Immerhin wurde nach der Hälfte der Fahrt ein anderer Sitzplatz frei, und ich konnte wenigstens vier Stunden schlafen.
*Etwas überraschend kamen nach fünf Stunden Fahrt noch 70 Lira für das Fahrrad hinzu. Nicht viel und auch ein fairer Preis, aber etwas sonderbar, dass man nun damit ankam und es vorher nirgends die Information gab.Læs mere



















Rejsende
Also waren nicht nur die 30 Grad schweißtreibend - wie oft musstest Du schon etwas schweißen?
Rejsende
Vier oder fünf Mal
Rejsende
Offenbar kommst Du gut klar - wie wäre es dennoch bei Deiner nächsten Reise mit einem Unterstützungsteam wie bei Apollo 13, das zuhause denselben Krempel wie Du hat und Lösungen für Dich austüftelt?