• Ein letzter Tag Türkei

    12. november 2024, Tyrkiet ⋅ ☁️ 18 °C

    Türkeibilanz folgt später.

    Heute halten mich ein platter Reifen am Morgen und eine verbogene Kette am Nachmittag auf. Ansonsten war es aber ein sehr schöner Radltag. Ich fuhr wieder entlang des Eurovelo 8 durch die mediterrane Landschaft der Türkei. Typisch türkisch wirkt die Gegend hier eigentlich nicht, vielleicht eher griechisch oder sie hat einen ganz eigenen Stil. Auf jeden Fall bin ich überrascht, dass trotz Touristengegend so viel Natur und Landschaft existiert. Ich habe vermutlich auch die beste Reisezeit für diese Gegend erwischt, denn die Straßen sind relativ leer, ebenso wie Restaurants, Supermärkte und Strände. Das Wetter ist weder zu warm noch zu kalt und optimal zum Radfahren, was man auch an einigen Rennradlern erkennt, von denen sich einer ein paar Kilometer zu mir gesellt.

    Leider komme ich durch die Pannen etwas spät in Çeşme an und sehe die Stadt fast nur im Dunkeln. Ich ärgere mich, dass ich beim Bestellen meines Abendessens wieder einmal einfach „Ja“ zu der Frage sage, ob ich einen Salat möchte – ohne mich vorher nach dem Preis zu erkundigen. Warum falle ich eigentlich immer noch auf diesen Trick herein? Für eine halbe Tomate, ein paar Stückchen Gurke und etwas Grünzeug ohne Dressing oder irgendetwas zahle ich 180 Lira – zwei Drittel des Preises meiner Hauptspeise. Ich ärgere mich, nicht zu darüber zu viel gezahlt zu haben, sondern darüber, wer dieses Geld bekommt, und über mich selbst, dass ich mich nicht nach dem Preis erkundigt habe.

    Als würde es das Schicksal aber gut mit mir meinen, werde ich, als ich mich später an einem Strand erkundige, ob ich das Zelt hier aufschlagen darf, von zwei Männern eingeladen. Erst zum Wein- und Whiskeytrinken und dann soll ich kostenlos in ihrem Hotel übernachten, welches ich, da die Saison vorbei ist, ganz für mich alleine habe.

    Ergänzt:
    Bilanz Türkei:
    Tja, wie fasst man dieses Land mit seinen vier Klimazonen und unglaublich vielseitigen Landschaften zusammen? Es war auf jeden Fall klasse, hier zu radeln. Eigentlich ein perfektes Land für Radreisende. Warum? Weil Wildcampen eigentlich kein Problem ist, die Menschen super hilfsbereit und gastfreundlich sind, es wirklich tolle Gegenden und Orte gibt und man gerade mit dem Fahrrad zwischen den touristischeren Sehenswürdigkeiten die eigentliche Kultur entdeckt. Es waren etliche tolle und warmherzige Menschen, die ich getroffen habe oder die mich zu sich oder auf einen der unzähligen Çays eingeladen haben.
    Was das Radreisen ebenfalls entspannt macht, sind die Wasserstellen, Waschmöglichkeiten und häufig auch Toiletten, die sich schon aufgrund der Moscheen quasi überall finden. Die einzigen Mankos, die es eben auch in vielen Ländern gibt, sind sicherlich der Umgang mit Müll und das Umweltbewusstsein. Und auch wenn man sich selbst dessen bewusst ist und versucht, auf Plastik zu verzichten, wird einem doch alles doppelt und dreifach und trotz eines Neins in Tüten eingepackt. Und politisch? Von der aktuellen Politik bekommt man wenig im Alltag mit, sicherlich auch wegen der Sprachbarriere. Präsent sind allerdings die Porträts von Atatürk und zum Teil Erdoğan (letzterer eigentlich nur in staatlichen Institutionen oder auf Plakaten). Im Alltag der Menschen scheinen diese aber weniger eine Rolle zu spielen bzw. hört man die meisten eher die Regierung für zu wenig Erdbebenhilfe oder die wirtschaftliche Lage und Inflation kritisieren. Was allerdings dennoch zu spüren ist: Der Nationalstolz der Türken und Kurden, der in einigen Regionen sicherlich noch einiges an Konfliktpotenzial birgt.

    Istanbul - Çeşme:
    Kürzeste Strecke: 13 km
    Längste Strecke: 99 km
    Platten: 5 (oder mehr?)
    Reisetage (davon Radeltage): 48 (33)
    Zelt (davon wild/nachgefragt/Campingplatz): 21 (10/8/3)
    Hütte/Ruine/Restaurant/Tankstelle (kostenlos): 8
    WarmShowers: 4
    Einladungen: 9
    Hostel/Hütte/Herberge: 3
    Airbnb: 0
    Bus/Fähre: 2
    Verloren: Buff
    Verloren und Wiedergefunden: Packsack Daunenjacke
    Geschenkt bekommen: unglaublich viel Çay, und Essen, ein paar Socken, Zucker, Schmerztabletten
    Mit dem Rad umgefallen: 1 glimpflich verlaufener Crash mit einem Stein
    Kaputgegangen/Ersetzt: Kette verbogen, das ein oder andere Loch in Radtaschen, ein gebrochenener Aufhänger der Ortliebtasche
    Wetter: alles von über 30 Grad bis zu Nächten mit - 8 Grad, viel Sonnenschein und überwiegend trocken
    Essen: Unglaublich vielseitig und auch mit vielen vegetarischen Optionen. Die Haferflocken sind allerdings nicht mehr so lecker hier, sodass das Frühstück häufig aus Ekmek oder Pide (Brot) mit Oliven, Honig, Käse oder Erdnussbutter bestand. Ansonsten waren die Lokantas oder Dönerläden natürlich Pflicht. Das Top-Gericht: Pilav (Reis) mit Fasulye (Bohnen), meistens mit einem kleinen Salat und immer mit Brot (man muss etwas aufpassen, dass letzteres in den Plastikbehältern noch gut ist) dazu. Aber es gab eben auch viele weitere Gerichte: Die klassische Çorba Mercimek (Linsensuppe), Moussaka, verschiedene Gemüse mit und ohne Fleisch, gefüllte Paprika oder Auberginen, Lahmacun und am Ende immer einen Çay. Und das waren nur die Lokantas. Ansonsten war natürlich das herzhafte kurdische Frühstück bei den Bäckern ein Highlight: Ofenfrisches Brot, Käse, ofenfrisch gegarte Aubergine, Paprika, Zwiebel, Knoblauch und Kartoffeln.
    Der Iskender Döner, den ich unbedingt probieren sollte, war zwar nicht so das Highlight, dafür aber die veganen Çiğköfte Dürüms oder eine Kumpir (gefüllte Ofenkartoffel). Weiterhin gibt es häufig leckeren gegrillten fritieren oder gebratenen Fisch, da die halbe Türkei immer an irgendwelchen Ufern steht und unermüdlich am Angeln ist. Ebenfalls häufig anzutreffen: Fleischsspieße mit allem, was man an Fleisch eben so aufspießen kann. Ach ja und natürlich Manti, die Türkischen Tortellini mit Joghurt-Tomatensauce.
    Und dann gibt es noch die riesige Auswahl an Süßspeisen. Baklava, Knafeh (ursp. Arabisch?), Halva, Lokma und Halka Tatlisi (die Türkischen Churros), Lokum (Gelewürfel) und Kekse (in letzter Zeit wurden die Bomba berühmt).
    Kostenloses Geld abheben: Ziraat Bank
    Læs mere